Kretschmann besucht Windpark am Hohenlochen
"Beschleunigte Genehmigungsprozesse"

Ministerpräsident Winfried Kretschmann - hier im inneren der Anlage - besichtigt eine der vier Windkraftanlagen am Hohenlochen. Sein erklärtes Ziel: Den Ausbau beschleunigen.  | Foto: Badenova/Jonas Conklin
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  • Ministerpräsident Winfried Kretschmann - hier im inneren der Anlage - besichtigt eine der vier Windkraftanlagen am Hohenlochen. Sein erklärtes Ziel: Den Ausbau beschleunigen.
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Hausach (st). Prominenter Gast beim Badenova-Windpark Hohenlochen: Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann besuchte am Donnerstag, 8. September, im Rahmen seiner Sommerreise zum Thema Energiewende, gemeinsam mit Umweltministerin Thekla Walker und Justizministerin Marion Gentges, den Windpark in der Ortenau.

"Beschleunigter Genehmigungsprozess"

Die vier modernen Windanlagen gelten als Musterbeispiel für die erfolgreiche Umsetzung der Energiewende in der Region. Beim Besuch versprach der Ministerpräsident, dass das Land die Genehmigungsprozesse für Windprojekte weiter beschleunigen wird. Auch der Krieg in der Ukraine mache deutlich, dass die Abhängigkeit von ausländischen Energielieferungen dringend verringert werden müsse.

Mehr Tempo beim Ausbau der Windkraft: „Im Einklang mit der Region – im Einklang mit der Natur“: Mit diesem Versprechen errichtete die Badenova-Tochter Wärmeplus den „Windpark Hohenlochen“, dessen vier Anlagen 2021 in Betrieb gingen. Der Park liefert Ökostrom für 22.222 Personen. Rund 17.000 Tonnen CO2 werden jährlich dadurch vermieden, was dem jährlichen CO2-Ausstoß von rund 4.400 PKW entspricht.

Dass von der Vereinbarung zur Umsetzung des Projekts zwischen den Kommunen und Badenova im Jahre 2015 bis zur Verwirklichung des Windparks sechs Jahre vergehen mussten, nimmt Ministerpräsident Kretschmann als einen Beleg dafür, dass die 2021 ins Leben gerufene Task Force hier Vorschläge machen muss, wie dies deutlich reduziert werden kann: „Die Forcierung des Ausbaus der Windenergie ist essentiell für die Transformation unseres Energiesystems in Richtung erneuerbare Energieträger. Dazu gehört eine radikale Beschleunigung der Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie mehr Flächen zur Windkraftnutzung. Die eingesetzte Task Force arbeitet mit Hochdruck daran, den Ausbau im Land massiv zu beschleunigen – bereits mit guten Ergebnissen“, sagte Ministerpräsident Kretschmann.

„Durch eine Vielzahl von Maßnahmen konnte die Verfahrensdauer zur Errichtung von Windenergieanlagen bereits schätzungsweise um rund 1,5 Jahre verkürzt werden. Die Abschaffung des Widerspruchsverfahrens und die Einrichtung eines Infrastruktursenats am VGH beschleunigen den Genehmigungsprozess. Das Land hat bislang rund 2.800 Hektar Flächen im Staatswald für Projektierer zur Verfügung gestellt, die für den Ausbau von Windenergie attraktiv sind. Erst vergangene Woche sind wieder etwa 1.000 Hektar Fläche ausgeschrieben worden.“

In jeder Region des Landes sollen mindestens zwei Prozent der Fläche für Windenergieanlagen und Photovoltaik-Freiflächenanlagen bereitgestellt werden. Aktuell gibt es in Baden-Württemberg 781 Windanlagen (Quelle statista 2021) und 0,2 Prozent der Fläche sind derzeit bebaut.

Rückhalt in der Bevölkerung: Beim technisch anspruchsvollen Projekt ist es gelungen, durch eine frühe, transparente Einbindung der Bürgerinnen und Bürger einen hohen Zuspruch zum Windprojekt zu erreichen: „Wir brauchen sowohl den Schulterschluss mit den Genehmigungsbehörden und der Politik als auch eine Beteiligung der Bürger vor Ort am Erfolg des Projekts, damit die Energiewende weiter an Fahrt aufnimmt“, so Badenova-Vorstand Heinz-Werner Hölscher. Die direkten Anlieger Oberwolfach und Hausach sowie die angrenzenden Kommunen Fischerbach, Oberharmersbach und Zell am Harmersbach haben den Windparkbau mit Engagement unterstützt, was mit zum Erfolg beigetragen hat. Darüber hinaus halten Oberwolfach und Hausach Kommanditanteile am Windpark und demonstrieren so ihre hohe Identifikation mit dem Projekt. Zudem profitieren sie unmittelbar vom wirtschaftlichen Ertrag der Anlagen. Die Möglichkeit für Bürger, Anteile von Anlagen in der eigenen Nachbarschaft zu erwerben, nannte Hölscher „einen wichtigen Schlüssel, um Mitstreiter für die Mammutaufgabe Energiewende zu gewinnen“.

„Den Standortgemeinden war es immer sehr wichtig, dass es für Bürgerinnen und Bürger aus den Orten und der Region eine Beteiligungsmöglichkeit am Windpark gibt“, sagte Oberwolfachs Bürgermeister Matthias Bauernfeind. Er ist froh, dass man mit der Erneuerbaren Energien Oberwolfach GmbH, die auch an der Nahwärmeversorgung Oberwolfach beteiligt ist, eine Möglichkeit gefunden hat, mit der sich dieser Wunsch der beiden Gemeinden unkompliziert umsetzen lässt.
Wie wichtig solche Beteiligungsmöglichkeiten sind, um die Akzeptanz der Energiewende weiter zu erhöhen, unterstrich Ministerpräsident Winfried Kretschmann eindringlich. „Nur, wenn wir alle an einem Strang ziehen, können wir den Klimawandel eindämmen und den ökologischen Umbau unserer Wirtschaft hinbekommen. Einerseits für den Klimaschutz und andererseits um unsere Abhängigkeiten zu reduzieren. Denn der Russland-Ukraine-Konflikt zeigt uns in aller Brutalität: Wer von Rohstoffen abhängig ist, der ist auch erpressbar. Diese Abhängigkeit ist nicht die Hauptursache für die ökologische Transformation. Aber sie verschärft ihre Notwendigkeit. Je unabhängiger wir von fossilen Energieträgern werden, desto besser ist dies für Klima und Umwelt, für uns und für nachfolgende Generationen.“

Im Einklang mit Natur- und Artenschutz: „Dass solche Projekte im Einklang mit dem Natur- und Artenschutz zu verwirklichen sind, zeigt unser Windpark,“ so Klaus Preiser, Geschäftsführer WÄRMEPLUS. Er verweist auf die umfangreichen Habitataufwertungen auf 60 Hektar Fläche. Nachhaltigkeitsaspekte sowie der Schutz von Natur und Tierwelt spielten in Planung und Umsetzung von Anfang an eine große Rolle: In den Jahren 2017 bis 2019 wurde beispielsweise das Verhalten von Tieren wie der Fledermaus, dem Auerhuhn, dem Sperlingskauz, der Haselmaus sowie der Waldschnepfe detailliert untersucht und Ausgleichs-maßnahmen definiert. Diese laufen teilweise sogar bis zu 25 Jahre.

Dass die Errichtung des Windparks Hohenlochen, der auf 650 bis 700 Metern Höhe auf der Gemarkung von Oberwolfach und Hausach liegt, technisch anspruchsvoll ist, erfuhr Ministerpräsident Winfried Kretschmann bereits bei der Anfahrt. Über viele Serpentinen mussten auch die Windflügel hinaufmanövriert werden, bevor mit dem Bau gestartet werden konnte. Die spektakuläre Anlieferung der Großkomponenten, u.a. der Transport der 70 Meter langen Rotorblätter, die mit einem Selbstfahrer, mittels Fernbedienung die 15 Kilometer lange Strecke hinaufnavigiert wurden, hatten damals viele Menschen neugierig am Straßenrand verfolgt. Durch den Einsatz des Selbstfahrers, der die Flügel sogar senkrecht aufrichten kann, wurde der Flächenbedarf gegenüber einer herkömmlichen Logistik minimiert und nachhaltiger.

Wind bei badenova – Ausblick: Der Ausbau der Windenergie in der Region hat bei badenova eine lange Tradition. 2003 wurde die regiowind gegründet, die u.a. sechs Windanlagen auf dem Freiburger Hausberg Roßkopf und auf dem Schauinsland (Holzschlägermatte) errichtet hat. Weitere Anlagen folgten. So 2016 der Windpark Kambacher Eck mit 12 Megawatt (MW) zwischen Seelbach, Schuttertal und Steinach. Ende des nächsten Jahres plant die badenova-Tochter die Inbetriebnahme einer Anlage am Kallenwald, einem Höhenzug zwischen dem Biberacher Ortsteil Prinzbach und Seelbach. Weitere 100 MW im Schwarzwald sind in der aktuellen Projektentwicklung - die hoffentlich nicht erst in sieben Jahren ans Netz gehen.

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