Nistkästen für heimische Vögel
Ehrenamtlicher kümmert sich um Tierfamilien

Der ehrenamtlich tätige Kurt Schnebelt (v. l.), die städtische Umweltreferentin Sarah Koschnicke und die beiden FÖJlerinnen Evelyn Durban und Veronica Zanei
  • Der ehrenamtlich tätige Kurt Schnebelt (v. l.), die städtische Umweltreferentin Sarah Koschnicke und die beiden FÖJlerinnen Evelyn Durban und Veronica Zanei
  • Foto: Stadt Kehl
  • hochgeladen von Rembert Graf Kerssenbrock

Kehl (st). Der Traum vom Eigenheim: Kurt Schnebelt hat ihn bereits an die 100 Mal ermöglicht. Nicht für sich selbst, sondern für tierische Zeitgenossen. Denn der Mann aus Goldscheuer hängt Nistkästen auf, kümmert sich um deren Pflege und reinigt sie jeweils im Herbst – und das alles ehrenamtlich. Zudem unterstützt er Privatpersonen dabei, Nisthilfen im eigenen Garten anzubringen.

„Um einen Nistkasten zu säubern, brauche ich maximal zehn Minuten“, sagt Kurt Schnebelt. Der gebürtige Schutterwälder ist weder Ornithologe noch Biologe, entdeckte jedoch bereits als Kind das Interesse an der Vogelkunde und am Vogelschutz. „Gemeinsam mit meinem Vater habe ich damals Nistkästen aus Holzstämmen gebaut“, sagt er. Auch bei sich selbst im Garten hat er viele Kästen aufgehängt.

Nachdem er 1979 nach Goldscheuer gezogen ist, hat er auch dort begonnen, welche anzubringen, da weder an öffentlichen Plätzen noch in privaten Gärten Exemplare zu finden waren: „Zuerst habe ich Freunde und Bekannte animiert und ihnen geholfen, Nistkästen in ihren Gärten aufzuhängen.“ Gemeinsam mit seinem Schwager Jörg Kopf spendete er dem Kindergarten Don Bosco und dem Fischereiverein in Goldscheuer zudem 16 Nistkästen.

Seinen freiwilligen Einsatz für den Artenschutz hat die Stadt mit 20 Nistkästen honoriert. Insgesamt habe er bisher um die 100 Exemplare an Bäumen angeschraubt; 60 davon betreut er selbst, der Rest steht im Garten von Privatleuten. Der Großteil davon befindet sich in Goldscheuer, aber auch in seinem ehemaligen Wohnort Schutterwald schaut er öfter nach dem Rechten.

Einmal im Jahr – meist im Spätsommer nach der Brutsaison – überprüft er die Vogelhäuser. Dieses Jahr wurde er dabei unterstützt von Evelyn Durban und Veronica Zanei, die beide gerade ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) bei der Stadt absolvieren.

Die Leiter an den Baum stellen, hinaufsteigen, die Klappe aufmachen, das alte Nest entfernen und mit einem Handbesen durchfegen: Was Kurt Schnebelt mit routinierten Handgriffen erledigt, barg für die beiden Jugendlichen einige spannende Momente: „In manchen Nestern waren Skelette; das passiert, wenn die Vogelpaare nicht alle Jungen erfolgreich durchbringen konnten“, sagt Evelyn Durban. Geekelt habe es sie nicht, diese zu entfernen, vielmehr fand sie das interessant. Veronica Zanei ergänzt: „Als ich einen der Kästen saubermachen wollte, fühlte ich plötzlich etwas Warmes und Flauschiges an meiner Hand – ein Mäusepaar hatte sich dort eingerichtet.“

Regelmäßige Pflege zum Schutz vor Feinden

Die städtische Umweltreferentin Sarah Koschnicke ist sehr froh über Kurt Schnebelts ehrenamtliches Engagement: „Viele Vögel finden im städtischen Bereich keine Plätze mehr, um Nester zu bauen.“ Häufig würden Schottergärten angelegt und – teils exotische – Ziergewächse gepflanzt, die für heimische Vögel keinen geeigneten Lebensraum darstellten. Daher sei es sehr sinnvoll, ihnen mit Nistkästen Unterstützung zu geben. Wer einen eigenen Nistkasten bauen möchte, dem empfiehlt sie eine Bauanleitung, die der Naturschutzbund auf seiner Internetseite bereitstellt. Auch sind bereits fertige Varianten vieler Orts erhältlich.

Kurt Schnebelt setzt seit mehreren Jahren auf Nistkästen aus Holzbeton: „Diese schützen die Tiere besser gegen Nässe. Auch ist es für Marder schwieriger, das Einflugloch aufzunagen und die Vögel zu fressen.“ Seit mehr als 40 Jahren hängen Holzbeton-Kästen bereits bei ihm im Garten und funktionieren noch einwandfrei.

Die jährliche Pflege und das Entfernen des Nestes sind dabei jedoch sehr wichtig: „Viele heimische Vögel wie zum Beispiel Blau- und Kohlmeisen bauen jedes Jahr ein neues Nest. Ließe man das alte Nest im Nistkasten, würden die Vögel das neue darauf bauen und lägen somit höher im Nistkasten. Und das würde es für Marder und Katzen leichter machen, die Tiere durch die Öffnung zu erhaschen“, erklärt der Vogelfreund.

In der kalten Winterzeit kann der Vogelschutz ergänzt werden durch das Bereitstellen von Nahrung. Ab einer Außentemperatur von null Grad Celsius kann laut Sarah Koschnicke damit begonnen werden. Als Basisfutter eigneten sich Sonnenblumenkerne oder Freiland-Futtermischungen. Weichfutterfresser wie Rotkehlchen, Heckenbraunelle, Amsel, Wacholderdrossel oder Zaunkönig könne man in Bodennähe Rosinen, Obst, Haferflocken und Kleie anbieten. Dabei sei aber darauf zu achten, dass dieses Futter nicht verderbe und keine Ratten anlocke. Auf keinen Fall sollten Brot oder andere salzhaltige Lebensmittel bereitgestellt werden. Wichtig sei außerdem, dass die Futterstelle sauber und nicht durch den Kot der Tiere verunreinigt werde, da sich sonst Krankheiten ausbreiten könnten.

Wer Nahrung für Vögel bereitstellt, sollte jedoch darauf achten, dieses regelmäßig nachzufüllen: „Denn auch wenn die Tiere mehrere Stellen für die Futtersuche anfliegen, gewöhnen sie sich trotzdem daran, eine konstante Futterquelle zu haben und müssten sich erst wieder umorientieren, wenn diese plötzlich wegfällt“, sagt die städtische Umweltreferentin.

Ansprechpartner

Wer Fragen zum Thema Nistkästen hat, kann sich bei Sarah Koschnicke, Telefon 07851/884323, melden. Anfragen für die Unterstützung beim Anbringen von Nistkästen leitet sie an Kurt Schnebelt weiter.

Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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