Forscher und Geologen des Landes zu den Hintergründen
"Geothermie kann ein Erdbeben auslösen"

Seit mehreren Jahren wehren sich die Bürger rund um Neuried und Kehl gegen ein geplantes Projekt zwischen den beiden Ortsteilen Altenheim und Goldscheuer im Gewerbegebiet Basic.
  • Seit mehreren Jahren wehren sich die Bürger rund um Neuried und Kehl gegen ein geplantes Projekt zwischen den beiden Ortsteilen Altenheim und Goldscheuer im Gewerbegebiet Basic.
  • Foto: rek
  • hochgeladen von Rembert Graf Kerssenbrock

Ortenau (rek/gro). Zwei spürbare Erdbeben mit den Stärken 3,2 und 2,4 auf der Richterskala haben in dieser Woche die Region buchstäblich aufgeschreckt. Zahlreiche weitere Erdstöße (siehe unten) haben seit Anfang des Monats die deutschen und französischen Erdbebenforscher registriert. Sie hatten direkt nach den Erdstößen bereits einen möglichen Zusammenhang mit den Geothermie-Projekten hergestellt.

Kann Tiefengeothermie Erdbeben auslösen?
Laut Landesforschungsanstalt für Geothermie kann dies der Fall sein. Allerdings sei das Risiko beim Bohrvorgang selbst relativ gering. Erst wenn Fluide, die beim Bohren eingesetzt werden, in den Untergrund gelangen würden, könnten diese unter bestimmten Bedingungen seismische Aktivitäten auslösen. Dies könne auch Tage nach der Bohrung oder der Injektion der Flüssigkeiten der Fall sein. Das Epizentrum könne durchaus vom eigentlichen Bohrfeld entfernt liegen.

Was weist daraufhin, dass ein Erdbeben von Menschen ausgelöst wurde?
"Ein erster Hinweis auf den möglichen Einfluss menschlicher Aktivitäten liefert die Nähe des berechneten Hypozentrums zu bekannten Eingriffen in den Untergrund, etwa im Rahmen von Bergbau, Kohlenwasserstoffförderung oder Tiefengeothermie", erklärt der Landeserdbebendienst beim Regierungspräsidium (RP). Für die wissenschaftliche Bestätigung bedürfe es jedoch eingehender Detailuntersuchungen, wie sie im Falle des Erdbebens von Strasbourg von der französischen Erdbeben-Agentur BCSF angestrengt würden, so das RP.

Ab welcher Stärke treten Schäden auf?
Bei einem Erdbeben der Stärke 3,2 auf der Richterskala sei im Allgemeinen nicht mit Gebäudeschäden zu rechnen. Erst ab einer Magnitude von etwa 4,5 – je nach Randbedingungen variabel – könnten nennenswerte Schäden auftreten. Durch die logarithmische Skala habe ein solches Erdbeben eine 60-fache Energiefreisetzung als das am Nachmittag des 12. November beobachtete, so das RP.

Diese Projekte laufen im Elsass:

In Betrieb sei Soultz-sous-Forest/Rittershoffen, so das RP. Weitere Projekte: In Vendenheim seien die Borhungen abgeschlossen, der Betriebsbeginn für Mitte nächsten Jahres vorgesehen. In Illkirch-Graffenstaden würden derzeit Probebohrungen laufen, der Betriebsstart sei vorgesehen für 2021. In Hurtigheim sei die Erlaubnis für Bohrungen erteilt, die bis Ende nächsten Jahres starten sollen. In Eckbolsheim seien Bohrungen für das Jahr 2022 geplant. Als letztes gebe es für den Ort Drachenbronn-Wissembourg die Erlaubnis zur Suche, allerdings noch nicht für Bohrungen.

Was sagt die französische Firma Fonroche, die die Bohrungen in Vendenheim gemacht hat?
Das Unternehmen betont, dass die Anlage am 8. November, also vier Tage vor dem starken Beben, planmäßig außer Betrieb gegangen sei. Daher stehe der Erdstoß der Stärke 3,2 "in keiner Verbindung" mit den Bohrungen.

Der Sachstand beim Vorhaben bei Altenheim und Goldscheuer:
Für das Vorhaben gebe es zurzeit weder eine gültige Zulassung noch lägen dem Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Anträge für Bohrungen vor, so das RP. Einen Antrag auf Aufsuchungserlaubnis hatte die hier tätige Firma Geysir Europe zuletzt 2018 gestellt – allerdings verlief dieser im Sande.

Chronologie der Erdbeben

Diese Serie von Erdbeben sei völlig neu, reagieren französische Erdbebenforscher auf die vorliegenden Messungen im November, die 18 Beben ergeben haben. Seit Donnerstag gab es keine Beben.

  • 13. November

23.42 Uhr: Straßburg-Robertsau, Stärke: 2,4
10.54 Uhr: Straßburg-Robertsau, Stärke 1,7
6.40 Uhr: Straßburg-Robertsau, Stärke 1,3

  • 12. November

15.24 Uhr: Straßburg-Robertsau, Stärke 1,7
14.58 Uhr: Straßburg-Robertsau, 1,3
14. 38 Uhr: Straßburg-Robertsau, Stärke 3,2
13.20 Uhr: Straßburg-Robertsau, Stärke 1,2
12.31 Uhr: Straßburg-Robertsau, Stärke 1,8
11.57 Uhr: Straßburg-Robertsau, Stärke 1,2
11.30 Uhr: Straßburg-Robertsau, Stärke 1,5
11.28 Uhr: Straßburg-Robertsau, Stärke 1,8
10.57 Uhr: Straßburg-Robertsau, Stärke 1,6
10.53 Uhr: Straßburg-Robertsau, Stärke 2,1

  • 9. November

6.54 Uhr: La Wantzenau,Stärke 0,7

  • 8. November

2.27 Uhr: La Wantzenau,Stärke 1,0

  • 7. November

18.33 Uhr: La Wantzenau,Stärke 1,1

18.01 Uhr: La Wantzenau,Stärke 1,2

  • 4. November

18.14 Uhr: La Wantzenau,Stärke 1,3

Quelle: LGRB

Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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