Aktualisiert: Nach jüngsten Erdbeben
Präfektur stoppt Geothermie

Die Karte des Landesamtes Baden-Württemberg nach der Serie von Beben im Herbst 2019.
  • Die Karte des Landesamtes Baden-Württemberg nach der Serie von Beben im Herbst 2019.
  • Foto: Landesamt (Archiv)
  • hochgeladen von Rembert Graf Kerssenbrock

Kehl (st).  Nach den Erdbeben im Elsass in der vergangenen Woche hat die örtliche Präfektur ein Geothermie-Vorhaben in der Nähe von Straßburg gestoppt. "Dieses Projekt in einem städtischen Gebiet bietet nicht mehr die unabdingbaren Sicherheitsgarantien und muss deshalb beendet werden", teilte die Präfektur des Départements Bas Rhin am Montagabend in Straßburg mit.

Zuvor hatte die Stadt Kehl aus den ihr zugänglichen Quellen die Informationen über die durch die geothermischen Prozesse ausgelösten jüngsten Erdbeben zusammengefasst. „Weil schon die Erdstöße im November, vor allem aber die Beben am Freitag auch in Kehl Besorgnis ausgelöst haben, ist es mir wichtig, unseren Wissensstand mit der Bevölkerung zu teilen“, erklärt Oberbürgermeister Toni Vetrano dieses Vorgehen. Er hat auch die Mitglieder des Gemeinderats entsprechend informiert.

Aktuelle Situation

Am Freitag, 4. Dezember, kam es um 6.59 Uhr erneut zu einem Erbeben, einem mit einer Stärke von 3,5 auf der Richterskala, ein weiteres mit einer Stärke von 2,7 wurde um 11.10 Uhr registriert. Das Epizentrum des ersten Bebens befand sich laut Bericht der elsässisches Tageszeitung Dernières Nouvelles d’Alsace in vier Kilometer Tiefe unter der Gemeinde La Wantzenau, also in der Nähe der geothermischen Anlage; das zweite ereignete sich wohl in fünf Kilometer Tiefe; beide Erdstöße werden von den Seismologen als von Menschen induziert eingestuft. Das erste Erdbeben vom Freitag war das stärkste, das seit Beginn geothermischer Aktivitäten im Ballungsraum Straßburg registriert wurde.

Vom Regierungspräsidium Freiburg wurde der Stadt Kehl am Freitag eine E-Mail des Fonroche-Direktors Soulé von Freitagmorgen, 8 Uhr, weitergeleitet, in der folgendes steht (nicht-technische Übersetzung):

  • Die Beben vom Freitag seien im Zusammenhang mit der Stabilisierungszirkulation aufgetreten, die mit 38 Kubikmeter pro Stunde und einem stabilen Druck von 61 bar betrieben worden sei.
  • Weitere Beben seien möglich, bis die Stabilisierung eingetreten sei.
  • Jetzt soll die Stabilisierungszirkulation ausschleichend bis zum Stillstand heruntergefahren werden: Am Freitagmorgen wurde die eingepresste Wassermenge bereits um 1,5 Kubikmeter pro Stunde auf 36,5 Kubikmeter reduziert. Dieses Vorgehen sollte am Freitagmorgen noch genehmigt werden – das Herunterfahren geschehe sehr langsam, um das geothermische Reservoir nicht zu destabilisieren.
  • Bis zum kompletten Stillstand werde in etwa ein Monat vergehen, heißt es dazu ergänzend in einem Bericht der Dernières Nouvelles d’Alsace. Und dort stellt von Fonroche auch klar, dass dieser als Vorsichtsmaßnahme herbeigeführte Stillstand, nicht bedeute, dass die Geothermiezentrale in Vendenheim aufgegeben werden solle.

Reaktion der Präfektur

Die Präfektin des Unter-Elsass, Josiane Chevalier, hat am Freitagnachmittag nach einer Abstimmung mit den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden im Umfeld der Geothermie-Zentrale sowie mit der Präsidentin der Eurométropole eine sofortige Einstellung der Aktivitäten auf dem Gelände gefordert und dazu eine Pressemitteilung veröffentlicht:

Die regionale Umweltbehörde hat noch am Freitagvormittag ein Spezialisten-Team auf das Gelände geschickt, um die Vorfälle zu untersuchen. Sie haben dort sämtliche wissenschaftlichen Erkenntnisse und Daten mitgenommen, um eine Analyse vornehmen zu können. Die Aktivitäten von Fonroche, die zu einem Stillstand führen sollen, werden laut Pressemitteilung von Experten beurteilt und von staatlichen Stellen täglich überwacht. Außerdem wird eine behördliche Untersuchung der Vorgänge eingeleitet.

Vorgeschichte

Am 12. November 2019 war es nördlich von Straßburg zu einem ersten Erdbeben mit einer Stärke von 3,2 auf der Richterskala gekommen, das auch in Kehl spürbar war.Zwischen dem 28. Oktober und dem 11. November 2020 hat die Erde im Norden von Straßburg mehrfach gebebt - mindestens fünf Mal. Gleich nach dem ersten Erdstoß hat das Unternehmen Fonroche eingeräumt, dass dieser durch Aktivitäten auf dem Gelände der Geothermiezentrale ausgelöst worden sei.

Am 18. November hat sich der Direktor des Geothermie-Unternehmens Fonroche, Jean-Philippe Soulé, gegenüber Medienvertretern geäußert: Nach seiner Sicht der Dinge, ist das Beben vom 12. November 2019 nicht durch den Betrieb der geothermischen Anlage ausgelöst worden. Ursache für die neuerlichen Erdstöße seien die am 1. Oktober 2020 begonnenen Tests gewesen, die dazu dienten, die Ursache für den Erdstoß im vergangenen Jahr zu finden. So sei der Erdstoß am 28. Oktober mit einer Stärke von 2,6 auf der Richterskala dadurch ausgelöst worden, dass die Injektionen gestoppt worden seien. Das Beben sei eine Reaktion gewesen, die man nicht erwartet habe, sagte Soulé gegenüber dem Fernsehsender France 3.

Danach habe man zum einen begonnen, die Ursache für das Beben zu suchen und zum anderen nach einem Verfahren zu forschen, um die Tests fortsetzen zu können. Nach Soulés Angaben wurde nur ein Sicherheitskreislauf (Stabilisierungszirkulation) in Gang gebracht, weil ein komplettes Einstellen der Injektionen seinen Aussagen zufolge weitere Erdstöße auslösen könnte.

Öffentliche Online-Veranstaltung am 11. Dezember

Am 11. Dezember um 19 Uhr soll eine Veranstaltung live ins Internet übertragen werden, an der Vertreter von Fonroche, staatlicher Behörden und unabhängige Experten teilnehmen. Diese Veranstaltung war bereits vorgesehen, bevor sich die neuerlichen Erdbeben am Freitag ereignet hatten.

Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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