Kehl investiert für Feuerwehr
Zwei Löschfahrzeuge und ein Tauchbecken für E-Autos

So werden die Akkus von Elektroautos nach einem Brand abgekühlt.
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Kehl (st). Abrollbehälter Wasser heißt der knallrote Container schlicht, der auf dem Hof vor dem Kehler Feuerwehrwache steht. 33.000 Liter Wasser fasst er, in 15 Minuten kann er komplett geflutet werden und erfüllt dann gleich mehrere Funktionen: Er hilft beim Löschen von in Brand geratenen Lithium-Ionen-Akkus, kann kontaminiertes Löschwasser aufnehmen, sauberes Löschwasser puffern und er dient überdies als Übungsbecken für die Feuerwehrtaucher.

Zusammen mit dem 48.000 Euro teuren Stück konnte Oberbürgermeister Toni Vetrano auch noch Zwillinge im Wert von 500.000 Euro ganz offiziell an Kommandant Viktor Liehr übergeben: Zwei baugleiche und nach dem Bedarf der Kehler Feuerwehr konzipierte neue mittlere Löschfahrzeuge, die in Zierolshofen/Bodersweier und in Leutesheim/Auenheim zum Einsatz kommen werden. „Das gab es in der Geschichte der Kehler Feuerwehr noch nie“, freute sich Viktor Liehr, der gerne alle Feuerwehrleute eingeladen „und ein großes Fest daraus gemacht“ hätte. Doch corona-bedingt musste die erste offizielle Fahrzeugübergabe seit 1989 im kleinen Kreis stattfinden.

Die Zwillinge bringen den Feuerwehrkommandanten zum Schwärmen: „Diese Fahrzeuge gibt es so auf dem deutschen Markt nicht“, sagt er und zählt die Vorzüge auf: Mit einer Höhe von 2,90 Meter sind sie „sensationell niedrig“, die Pumpe schafft 1.000 Liter Wasser pro Minute oder sogar bis zu 1.800, „wenn man Vollgas gibt“. Sie verfügen über einen Wassertank mit 1.000 Liter Fassungsvermögen, was für die Kehler Wehrleute eine Umstellung bedeutet: „Man muss taktisch anders vorgehen, wenn man Wasser dabeihat“, erklärt Viktor Liehr.

Vier Atemschutzgeräte gehören ebenso zur Standardausrüstung der Fahrzeuge wie ein Hygieneboard, an dem sich die Feuerangehörigen im Einsatz die Hände desinfizieren können, und ein pneumatischer Lichtmast. An Bord sind darüber hinaus eine Wärmebildkamera, ein mobiler Rauchverschluss, eine Motorkettensäge, ein akkubetriebener Lüfter und eine Notfallwanne.

Weil man zwei baugleiche Fahrzeuge bestellt habe, habe man einen Preisnachlass bekommen, freut sich der Kommandant „und die Mehrwertssteuersenkung auf 16 Prozent haben wir auch gleich genutzt“. Mit 132.000 Euro bezuschusst das Land die eine halbe Million umfassende Anschaffung. Eines der neuen Löschfahrzeuge wird ein Tragkraftspritzenfahrzeug (kurz TSF) ersetzen, das im Ausrückbereich Bodersweier/Zierolshofen steht: Es stammt aus dem Jahr 1979, ist technisch verbraucht und im Falle einer Panne kaum noch zu reparieren: „Das letzte Ersatzteil haben wir von einem Sammler bekommen“, berichtet Viktor Liehr. Obwohl mit Baujahr 1994 vergleichsweise jung, weist auch das Tragkraftspritzenfahrzeug mit Wasser (kurz TSF-W) aus dem Ausrückbereich Auenheim/Leutesheim „unheimlich viele Betriebsstunden“ auf und auch dafür sind einige Ersatzteile nicht mehr verfügbar.

Mit dem Abrollbehälter Wasser will die Kehler Feuerwehr für immer häufiger auftretende Brände von Lithium-Ionen-Akkus gerüstet sein, denn: Akkus – also auch Batterien von Elektroautos – lassen sich nicht löschen. Sie müssen gekühlt werden. Fängt also ein E-Auto an zu brennen, wird es auf die herkömmliche Art mit viel Wasser abgelöscht. Um danach die Akku-Zellen zu kühlen, bringt die Feuerwehr den leeren Abrollbehälter an Ort und Stelle, das Auto wird über eine Rampe hineingeschoben (oder auch mit dem Kran hineingehoben) und der Container wird mit Wasser geflutet So wird verhindert, dass die Akku-Zellen reagieren oder in den Zustand des Thermal Runaway (thermisches Durchgehen) geraten.

Auch bei Einsätzen in Verbindung mit Gefahrgut kann der Abrollbehälter eingesetzt werden. Durch die im oberen Bereich des roten Behälters angeordneten Sprühdüsen lassen sich giftige Gase und Dämpfe innerhalb des Abrollbehälters niederschlagen. Eine Firma im Kehler Hafen die mit Gefahrgut arbeitet, hat die Feuerwehr bei der Anschaffung des Abrollbehälters finanziell unterstützt – sie hätte sonst selbst ein geeignetes Behältnis beschaffen müssen. Im flüssigkeitsdichten Abrollbehälter lässt sich sowohl kontaminiertes Löschwasser so lange einschließen, bis es gesichert entsorgt werden kann, als auch Löschwasser zur Bekämpfung eines Brandes vorhalten.

Zudem will die Feuerwehr den neuen Container für die Aus- und Fortbildung in der Wasserrettung nutzen: Die Feuerwehrtaucher brauchen Anleitung für die Arbeit mit Gerät im und unter Wasser, die lässt sich im Abrollbehälter leichter geben als in einem offenen Gewässer; der Container verfügt über drei Sichtfenster. Um die Sichtfenster vor mechanischen Einflüssen zu schützen, können diese durch Metallplatten verschlossen werden. Ein Messgerät und ein Gerüst, über das die Taucher in den Container steigen können, werden derzeit noch beschafft. Einschließlich dieser Ausstattung belaufen sich die Kosten für den neuen Container auf 55.000 bis 58.000 Euro. Das Land Baden-Württemberg übernimmt davon 40 Prozent.

Auch wenn es sich bei der Übergabe von gleich zwei Fahrzeugen und einem Abrollbehälter um ein besonderes Ereignis handelte, „bin ich nicht wegen der Autos hier, sondern wegen der Feuerwehrleute“, betonte Oberbürgermeister Toni Vetrano in seiner kurzen Ansprache. Die Fahrzeuge seien schließlich „nicht für die Feuerwehr, sondern für den Einsatz zum Schutze der Bürger“. Finanziert seien sie von „Steuergeldern von den Bürgern für die Bürger“. Toni Vetrano dankte den Feuerwehrangehörigen für ihre Bereitschaft, „an jedem Tag zu jeder Stunde zu einem Einsatz aufzubrechen“. Dafür gebühre ihnen der Dank und der Respekt aller.

Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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