Claus Haberecht im Porträt
Prägende Impulse für eigene Persönlichkeit

Als aktiver Sportler war die Tartanbahn sein Geläuf, bevor es der Rasen wurde, heute ist Claus Haberecht Ehrenpräsident des Kehler FV.
  • Als aktiver Sportler war die Tartanbahn sein Geläuf, bevor es der Rasen wurde, heute ist Claus Haberecht Ehrenpräsident des Kehler FV.
  • Foto: Michael Bode
  • hochgeladen von Rembert Graf Kerssenbrock

Kehl. Ruhestand? "Ja, aber ..." – das ist die einzig mögliche Antwort, wenn man mit Claus Haberecht darüber spricht, welche Aufgaben der in Kürze 69-Jährige mit ins Pensionärsdasein genommen oder neu aufgenommen hat. "Ich mache aber nur noch das, was mir gut tut", erzählt Haberecht lächelnd und betont, dass er seine Stundenzahl immerhin von 70 inzwischen halbiert hat. "Ich werde mich aus allem langsam rausschleichen, aber nicht abrupt alles an den Nagel hängen." Sein Netzwerk ist vielfältig, reicht von Entwicklungshilfe über Kirchen und Sport bis in die Wirtschaft und zur Kultur. Und Letztgenanntes nutzt er für die neue Reihe "Kehl rockt Classics", mit der der Verein Rheinkultur und die Kehl Marketing GmbH die Stadthalle wieder als Mittelpunkt großer Veranstaltungen etablieren wollen. Den Auftakt macht "Deep Purple"-Schlagzeuger Ian Paice mit seiner neuen Band am 5. Dezember.

15 Jahre bei der Stadt Rastatt, danach 20 Jahre beim Landkreis Rastatt war der Diplom-Ingenieur und Regionalplaner tätig. Die Ansiedlung von Daimler-Benz betreut Haberecht in den 1980er-Jahren für die Stadt planungsrechtlich. Als Dezernent des Landratsamts gehören der Straßen- und Radwegebau sowie der Personennahverkehr, das Landwirtschaftsamt und die Vermessung zu seinem Verantwortungsbereich. Aber auch die Erstellung von Konzepten für Tourismus und Energie sind Aufgaben. Haberecht studiert zuvor in Karlsruhe Geodäsie – also die Vermessung der Welt –, allerdings mit dem Schwerpunkt Städtebau, und in Zürich Regionalplanung.

Aufgewachsen ist der gebürtige Gengenbacher in Offenburg, Bodersweier und Kork. Haberecht engagiert sich, nach dem Vorbild seines Vaters, in einigen Vereinen, darunter in der Jungschar der evangelischen Kirche. "Wir diskutierten über Albert Camus und andere, haben unsere revolutionären Gedanken ausgelebt", erinnert sich Haberecht, auch die Ökumene spielt bereits eine zentrale Rolle. Sein Weg zu "Brot für die Welt" und damit zur Entwicklungshilfe ist ein kleiner Schritt. Indonesien, Simbabwe, Sri Lanka, das Land nennt Haberecht heute seine zweite Heimat, und andere Stationen besucht er für konkrete Projekte. "Solche Impulse und Erfahrungen entscheiden mit über die eigene persönliche Entwicklung", ist sich Haberecht sicher.

Von der 70- zur 35-Stunden-Woche

Seit 1996 führt Haberecht den Kehler FV. 1998 "erhielt ich im Juli wenige Wochen nach der Fußball-WM in Frankreich einen Anruf von Wolfgang Niersbach, dem DFB-Pressesprecher. Woher er meine Nummer hatte, weiß ich bis heute nicht", erzählt Haberecht. Der DFB suchte einen Austragungsort für ein Benefizspiel mit Alt-Internationalen für den während der WM von deutschen Hooligans schwer verletzten Polizisten Daniel Nivel. Das Kehler Rheinstadion war aufgrund seiner Grenznähe als einer von mehreren Austragungsorten in der Verlosung. Haberecht will sofort zusagen, muss aber noch den neu gewählten Oberbürgermeister Günther Petry informieren, da die Stadt Eigentümerin des Stadions ist. Auch Petry ist begeistert. Am nächsten Tag stehen die DFB-Limousinen am Rheinstadion und das Spiel findet Ende September statt. "Es ist gut, in vielen Dingen schnell zu reagieren", nennt Haberecht eine seiner Stärken.

Dem Kehler FV ist er seit 25 Jahren in führender Funktion treu geblieben. Daneben gibt Haberecht den Vorsitzenden bei Leader Mittelbaden-Schwarzwaldhochstraße, berät Kommunen bei grenz- und rheinübergreifenden Initiativen und ist Regionalbeauftragter des Bundesverbands mittelständischer Wirtschaft. Aus dem Engagement beim Stadtjugendring – "wir wurden dann ja auch grau" – ist Rheinkultur geworden. Jazz, Rock, Liedermacher oder Kabarettisten, Rheinkultur holt bekannte Künstler nach Kehl und die Ortenau. Nach Ian Paice soll es mit Legenden von Woodstock 2022 weitergehen.

Es gäbe noch viel zu erzählen und zu ergänzen. Während des Gesprächs mit Claus Haberecht verfliegt die Zeit. Doch es wird Zeit, der nächste Termin im Kehler Rathaus wartet. Die 35-Stunden-Woche ist gefüllt – "mit Themen, die mir Spaß machen". Zeit für Reisen und die in der Schweiz lebenden Enkel nimmt er sich inzwischen jederzeit. Rembert Graf Kerssenbrock

Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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