Europaabgeordnete besucht die BSW
Wettbewerbsnachteile ausgleichen

Andrea Wechsler besucht die Badischen Stahlwerke in Kehl: BSW-Prokurist Marc Sester (v. l.), Europaabgeordnete Prof. Dr. Andrea Wechsler und BSW-Geschäftsführer Florian Glück. | Foto: BSW/Markus Dietze
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  • Andrea Wechsler besucht die Badischen Stahlwerke in Kehl: BSW-Prokurist Marc Sester (v. l.), Europaabgeordnete Prof. Dr. Andrea Wechsler und BSW-Geschäftsführer Florian Glück.
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Kehl (st) Am Montag, 18. Mai, begrüßte Florian Glück, Geschäftsführer der Badischen Stahlwerke (BSW) gemeinsam mit seinem Kollegen Marc Sester, Prokurist bei BSW, die Europaabgeordnete Prof. Dr. Andrea Wechsler (CDU) aus Baden-Württemberg in Kehl. Bei dem Besuch ging es vor allem um die Auswirkungen europäischer Energie- und Handelspolitik auf die Wettbewerbsfähigkeit energieintensiver Industrieunternehmen wie der BSW. Die Forderung der BSW: Wer klimafreundliche Stahlproduktion in Europa halten will, muss sie wettbewerbsfähig machen, heißt es in einer Pressemitteilung.
Die Badischen Stahlwerke zählen zu den größten, produktivsten und effizientesten Elektrostahlwerken Deutschlands. Am Standort Kehl produziert das Unternehmen jährlich bis zu 2,5 Millionen Tonnen Betonstahl für die Bauindustrie in Deutschland und dem angrenzenden Ausland. Basis dafür ist Stahlschrott als Sekundärrohstoff, der in Elektrolichtbogenöfen eingeschmolzen und zu neuem Stahl verarbeitet wird. Im Vergleich zur klassischen Hochofenproduktion entstehen dabei rund 80 Prozent weniger CO₂-Emissionen. Für die BSW ist dieses Verfahren gelebte Kreislaufwirtschaft, da sich der Prozess beliebig oft wiederholen lässt. Gleichzeitig steht das Unternehmen wie viele energieintensive Industriebetriebe vor der Herausforderung, klimafreundliche Produktion unter zunehmend anspruchsvollen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wettbewerbsfähig zu halten.
„Wir produzieren in Kehl schon heute deutlich klimafreundlicher als alle konventionellen Stahlwerke“, sagt Florian Glück, Geschäftsführer der Badischen Stahlwerke. „Damit Elektrostahlwerke wie die Badischen Stahlwerke weiter zur Dekarbonisierung der Industrie beitragen können, brauchen wir verlässliche Rahmenbedingungen. Hohe Stromkosten und unklare Regelungen zum Handelsschutz dürfen nicht klimafreundliche Produktionsstandorte in Europa benachteiligen und dadurch die Wettbewerbsfähigkeit schwächen.“

Stromkostenkompensation bleibt zentral

Für die Badischen Stahlwerke ist Strom einer der wichtigsten Produktionsfaktoren: Der jährliche Strombedarf des Unternehmens entspricht in etwa dem Verbrauch von 250.000 Vier-Personen-Haushalten. Als Elektrostahlwerk produzieren die BSW vergleichsweise CO₂-arm, sind zugleich aber in besonderem Maße auf wettbewerbsfähige Strompreise angewiesen. Hohe Energiekosten schwächen deshalb die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber internationalen Standorten, wo Energie oft günstiger ist.
Aus Sicht der Badischen Stahlwerke bleibt die Strompreiskompensation deshalb ein zentraler Baustein für faire Wettbewerbsbedingungen. Sie gleicht einen Teil der höheren Stromkosten aus, die durch den europäischen CO2-Preis entstehen. Für Elektrostahlwerke ist sie damit kein Sondervorteil, sondern eine notwendige Voraussetzung im internationalen Wettbewerb.
„Elektrostahl verursacht vergleichsweise geringe CO2-Emissionen, ist dafür jedoch stromintensiv“, betont Marc Sester. „Wenn Europa klimafreundliche Industrieproduktion stärken will, müssen Unternehmen mit CO2-armer Produktion auch wirtschaftlich wettbewerbsfähig bleiben. Deshalb ist es entscheidend, dass sich die Bundesregierung auf europäischer Ebene mit Nachdruck für den Erhalt der Strompreiskompensation einsetzt.“

Reform des europäischen Emissionshandels

Großen Raum nahm beim Besuch der Europaabgeordneten Wechsler außerdem die anstehende Reform des europäischen Emissionshandels ETS (Emissions Trading System) ein. Das System regelt den CO2-Ausstoß der Industrie über Emissionszertifikate und beeinflusst damit maßgeblich die Wettbewerbsbedingungen energieintensiver Unternehmen in Europa.
Aus Sicht der Badischen Stahlwerke muss die Reform stärker berücksichtigen, dass Elektrostahl aus recyceltem Schrott bereits heute deutlich CO2-ärmer produziert wird als die klassische Stahlherstellung im Hochofen. Elektrostahlwerke dürften deshalb durch die europäischen Regeln nicht benachteiligt werden.
Diskutiert wurde außerdem der europäische CO2-Grenzausgleich CBAM (Carbon Border Adjustment Mechanism). Er soll verhindern, dass günstig produzierte Importe aus Ländern mit niedrigeren Klimastandards europäische Hersteller im Wettbewerb benachteiligen. Nach Auffassung der BSW dürfen bestehende Schutzmechanismen deshalb erst dann schrittweise zurückgenommen werden, wenn der CO2-Grenzausgleich tatsächlich wirksam greift.
„Die Reform des europäischen Emissionshandels sollte Unternehmen stärken, die bereits heute in klimafreundliche Produktion investieren“, betont Glück. „Wir brauchen Regelungen, die reale CO2-Reduktionen anerkennen und Investitionen in weitere Dekarbonisierung ermöglichen. Andernfalls geraten ausgerechnet jene Standorte unter Druck, die schon heute vergleichsweise CO2-arm produzieren.“

Halbzeuge in europäischen Handelsschutz einbeziehen

Kritisch sehen die Badischen Stahlwerke außerdem, dass bestimmte Halbzeuge wie sogenannte Stahlknüppel im europäischen Handelsschutz bislang nicht ausreichend berücksichtigt werden. Dadurch können Hersteller in Europa weiterhin günstig produzierte Vorprodukte aus Drittstaaten importieren und weiterverarbeiten. Für CO₂-arm produzierten Stahl aus Deutschland entstehen so weitere Wettbewerbsnachteile. Der beabsichtigte Schutz der europäischen Stahlindustrie würde an einer wichtigen Stelle ins Leere laufen.
„Wenn zentrale Vorprodukte wie Stahlknüppel nicht ausreichend in die Regulierung einbezogen werden, entstehen Lücken im europäischen Schutzsystem“, erklärt Sester. „Europa muss darauf achten, dass klimafreundlich produzierte Stahlprodukte entlang der gesamten Wertschöpfungskette fairen Wettbewerbsbedingungen unterliegen. Wenn sie beim CO₂-Grenzausgleich berücksichtigt werden, im neuen Handelsschutz aber nicht, passt das nicht zusammen. So entstehen genau die Schlupflöcher, die Europa eigentlich schließen will.“
Andrea Wechsler: „Europa muss Dekarbonisierung und wirtschaftliche Stärke zusammen denken.“ Sie betonte bei ihrem Besuch bei den BSW die Bedeutung wettbewerbsfähiger Industrien für eine funktionierende Wirtschaft, Beschäftigung und Klimaschutz in Europa. "Die Badischen Stahlwerke zeigen eindrucksvoll, dass moderne Industrieproduktion und Klimaschutz zusammengehen können“, fasst sie zusammen. „Elektrostahl leistet schon heute einen wichtigen Beitrag zur CO₂-Reduktion und zur Kreislaufwirtschaft in Europa. Damit Unternehmen wie die Badischen Stahlwerke auch weiterhin in Deutschland produzieren können, braucht es verlässliche Rahmenbedingungen, bezahlbare Energie und faire Wettbewerbsbedingungen. Europas Industrie- und Klimapolitik muss die Transformation so gestalten, dass industrielle Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Investitionen in Europa erhalten bleiben.“

Andrea Wechsler besucht die Badischen Stahlwerke in Kehl: BSW-Prokurist Marc Sester (v. l.), Europaabgeordnete Prof. Dr. Andrea Wechsler und BSW-Geschäftsführer Florian Glück. | Foto: BSW/Markus Dietze
Tjark Fähndrich, Referent der Geschäftsführung der BSW (v. l.), Geschäftsführer Florian Glück, Europaabgeordnete Prof. Dr. Andrea Glück, Torsten Doninger, Leiter Umweltschutz und Prokurist Marc Sester | Foto: BSW/Markus Dietze
Florian Glück  und Andrea Wechsler im Gespräch | Foto: BSW/Markus Dietze

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