Projekt „Natur nah dran“
Land würdigt Engagement für Artenvielfalt

Für die Stadt Oberkirch nahm Wolfgang Ücker (Mitte) die Auszeichnung entgegen. Die Aufnahme zeigt ihn mit NABU-Landesgeschäftsführer Uwe Prietzel und Ministerin Thekla Walker.
  • Für die Stadt Oberkirch nahm Wolfgang Ücker (Mitte) die Auszeichnung entgegen. Die Aufnahme zeigt ihn mit NABU-Landesgeschäftsführer Uwe Prietzel und Ministerin Thekla Walker.
  • Foto: Martin Klatt/NABU
  • hochgeladen von Matthias Kerber

Oberkirch/Kornwestheim (st). Oberkirch schafft Lebensräume für Wildbienen, Schmetterlinge und Wildpflanzen mitten im Siedlungsraum. Dafür erhielt die Stadt nun eine Urkunde für das Engagement zum Erhalt der Biologischen Vielfalt von Umweltministerin Thekla Walker und NABU-Landesgeschäftsführer Uwe Prietzel, bei der Abschlussfeier der ersten Projektrunde des Kooperationsprojekts „Natur nah dran“ von NABU und Land in Kornwestheim. Insgesamt hatten 61 Städte und Gemeinden zwischen 2016 und 2020 mit „Natur nah dran“ einen Teil ihrer Grünflächen in artenreiche Wildblumenwiesen und wertvolle Biotope umgewandelt.

Kommunen und Umweltministerin besichtigen Wildblumenwiese

Kornwestheim hatte vor zwei Jahren angefangen, fünf Grünflächen im Rahmen von „Natur nah dran“ von NABU und Land mit heimischen Wildblumen und -stauden insekten- und vogelfreundlich umzugestalten. Inzwischen ist ein artenreiches Kleinbiotop direkt neben dem Kultur- und Kongresszentrum entstanden, an dem es bunt blüht und laut summt und brummt. Davon überzeugten sich Umweltministerin Thekla Walker und Gäste aus Oberkirch zusammen mit weiteren Projektkommunen.

75 weitere Kommunen werden bis 2027 gefördert

Walker freute sich, dass ab Mitte September 2021 bis 2027 75 weitere Kommunen zum Zuge kommen, wenn das Projekt in die zweite Runde geht: „Hier blühen Purpur-Leinkraut, Steppen-Salbei, Rapunzel-Glockenblume und viele weitere Wildpflanzenarten. Die Fläche in Kornwestheim zeigt beispielhaft, dass die Städte und Gemeinden einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt leisten können und wollen. Fast jede vierte Kommune im Land hat sich seit 2015 für eine naturnahe Umgestaltung von Grünflächen im Rahmen des Projekts beworben, das Interesse ist groß. Deshalb unterstützen wir bis 2027 jährlich 15 weitere Kommunen.“

Praxisnahe Schulungen sind Schlüssel zum Erfolg

NABU-Landesgeschäftsführer Uwe Prietzel betonte, dass im Projekt „Natur nah dran“ die praxisnahen Schulungen der Schlüssel zum Erfolg sind: „Die teilnehmenden Kommunen haben über das Projekt hinaus auf eigene Initiative hin weitere 100.000 Quadratmeter nach den ‚Natur nah dran‘-Methoden umgestaltet. Sie waren also überzeugt, dass diese Methoden funktionieren – und haben das nötige Wissen erworben, um selbstständig weiterzumachen. Auch die Stadt Kornwestheim gestaltet im Oktober zwei weitere Flächen um.“ Bei den Projekt-Schulungen kamen die Mitarbeitenden der kommunalen Bauhöfe an mehreren Terminen zusammen, um gemeinsam und beispielhaft Flächen naturnah anzulegen und zu pflegen. Dabei gab es Tipps und Beratung von Naturgartenplanern sowie dem NABU-Team. Dieses Wissen haben die Teilnehmenden dann direkt auf den Flächen ihrer jeweiligen Heimatkommune umgesetzt.

„Natur nah dran“-Flächen in Oberkirch

Im Projektjahr 2018 wurden in den Grünanlagen des Rathauses, in der Werkstraße, der Renchallee sowie entlang der Renchpromenade in 15 Teilflächen und auf einer Fläche von insgesamt 4.200 Quadratmeter Wildblumenwiesen und Staudensäume eingesät. Die Bürger haben die Entwicklung der Flächen mit großem Interesse verfolgt. Zu Beginn waren einige skeptisch, insbesondere auch aufgrund der Tatsache, dass im Sommer die Blumen abgemäht wurden, obwohl sie gerade schön blühten. Um die Maßnahme zu erklären, hat der Umweltbeauftragte Georg Schäffner Hinweisschilder aufstellen lassen und auch über Mitteilungen im „Rundblick“ die Bevölkerung informiert. Dass die Blumenwiesen nach dem Schnitt noch schöner blühten und auch neue Pflanzenarten zum Vorschein kamen, hat viele Bürger überzeugt. Wichtig war auch die Information darüber, warum teilweise vertrocknete Wildstaudenstängel im Winter stehen bleiben. Auch hierzu wurden Informationsschilder aufgestellt.

Die Umwandlung von Rasenflächen in Blumenwiesen ist kein einmaliges Projekt, sondern ist aufgrund der erfolgreichen Umsetzung und dem großen Zuspruch mit großer Dynamik fortgesetzt worden. So wurden im vergangenen Jahr in den Grünanlagen des Hans-Furler-Gymnasiums und der Oberen Höhe sowie im Straßenbegleitgrün von Oberdorfstraße, Butschbacher Straße, Raiffeisenstraße und an der Landstraße im Ortsteil Haslach, zwei Flächen, auf insgesamt etwa 3.000 Quadratmetern weitere Blumenwiesen eingesät. Im kommenden Herbst werden weitere wertvolle Biodiversitätsflächen in der Oberdorfstraße, im Hungerbergweg, im Neuen Stadtgarten sowie in der Bahnstraße in Zusenhofen entstehen. Diese Umwandlungsfläche beträgt insgesamt zirka 2.100 Quadratmeter.

Kommunen bereiten sich auf Klimawandel vor

Wie können Städte und Gemeinden mit Wildpflanzen dem Klimawandel trotzen? Dazu tauschten sich die „Natur nah dran“-Kommunen am Vormittag der Abschlussfeier aus. Naturgartenplaner Dr. Reinhard Witt verdeutlichte dabei in einem Vortrag: Verkehrsinseln mit Wildstauden, Wildblumenwiesen im Park oder heimische Sträucher am Straßenrand blühen auch in Zukunft bunt. Denn Wildpflanzen haben über die Jahrhunderte gelernt, mit Hitze, Trockenheit und kurzzeitiger Staunässe zurechtzukommen. Deutlich pflegeintensiver werden mit den trockener und heißer werdenden Sommern hingegen die noch weit verbreiteten Blumenbeete mit exotischen Zuchtpflanzen sowie kurz gemähte Rasenflächen. „Es wird immer teurer, diese zu bewässern. Auch deshalb lohnt es sich für Kommunen, ihre Flächen umzuwandeln“, erklärte Witt.

„Natur nah dran“ auf einen Blick

Von 2016 bis 2021 wurden 61 „Natur nah dran“-Kommunen mit Rat und Tat dabei unterstützt, die biologische Vielfalt im Siedlungsbereich zu fördern. Sie haben bereits mehr als 200.000 Quadratmeter naturnah umgestaltet – die Hälfte davon zusätzlich zu den geförderten Flächen auf eigene Initiative hin. In der zweiten Projektrunde werden von 2022 bis 2027 jährlich 15 weitere Städte und Gemeinden gefördert. Die Städte und Gemeinden erhalten außerdem eine Zuwendung in Höhe von 50 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben (maximal 15.000 Euro) und fachliche Unterstützung bei der Planung. „Natur nah dran“ wird durch das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg gefördert sowie im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie. Die Kommunen der ersten beiden Jahrgänge wurden bereits 2018 im Rahmen eines Vernetzungstreffens mit Urkunden ausgezeichnet.

„Natur nah dran“ in Zahlen

  • 61 Kommunen wurden schon gefördert (2016 bis 2020), 75 weitere Kommunen kommen noch dazu (2022 bis 2027).
  • 200.000 Quadratmeter wurden naturnah umgestaltet – davon 100.000 Quadratmeter auf eigene Initiative der Kommunen.
  • Rund 700 Teilnehmende der Kommunen kamen von 2016 bis 2020 zu einer Schulung.
Autor:

Matthias Kerber aus Offenburg

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