Welche Jobs von heute auch noch morgen gefragt sind
Technische Berufe mit einer großen Zukunft

Prof. Dr. Winfried Lieber, Rektor Hochschule OG

Offenburg. Wird es bald nur noch Spezialisten geben oder haben auch Generalisten noch eine Chance? Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung auf die Studiengänge im Allgemeinen – und werden Roboter den Menschen zukünftig ersetzen können? Gabriele Ritter sprach darüber mit Prof. Dr. Winfried Lieber, Rektor der Hochschule Offenburg.

Professor Lieber, wohin geht der Trend, werden vor allem Spezialisten gefragt sein?
Ein Bachelorstudium ist eher generalistisch angelegt. Vertiefung und Spezialisierung erfolgen dann im Masterstudium. Der Hochschule Offenburg ist es gelungen, mit sieben Semestern das Qualifikationsniveau des früheren FH-Diploms zu erhalten. Sowohl die Bachelor- als auch die Master-Studiengänge sind durch eine hohe berufliche Relevanz gekennzeichnet und entsprechen den aktuellsten Ansprüchen des Beschäftigungssystems.
Die Fähigkeit interdisziplinär und vernetzt zu denken, wird in Studium und Beruf immer wichtiger. Ob eher Spezialisten oder Generalisten gefragt sind, hängt vom Unternehmen und dem Einsatzbereich ab. Wichtig ist aber die Bereitschaft, lebenslang lernen zu wollen. Für einen Spezialisten kann dies bedeuten, sich mittelfristig auch in angrenzenden Fachbereichen auszukennen, für einen Generalisten, in seiner Abteilung beispielsweise zum Experten für eine Anwendung zu werden.

Welche Studiengänge oder auch Qualifikationen werden dafür benötigt?
Essentiell ist die Bereitschaft, sich stetig weiterzubilden und auf Umfeldveränderungen zu reagieren. In fast jeder Branche gilt, dass das beste Studium und die beste Ausbildung nicht ausreichen, um rund 40 Arbeitsjahre lang ausschließlich davon zu zehren. In den vergangenen Jahren haben sich beispielsweise einige Querschnittsthemen herauskristallisiert, die in immer mehr Disziplinen eine immer größere Rolle spielen. Die Digitalisierung hat zur Folge, dass beispielsweise Grundlagen der Informatik heute in Bereichen notwendig sind, die noch vor zehn Jahren weitgehend ohne diese ausgekommen sind. Aber auch die Lebenswissenschaften, sprich Life Sciences, nehmen heute als Querschnittsthema in allen Leistungsdimensionen der Hochschule – Lehre, Forschung, Wissenstransfer und Internationalisierung – eine zentrale Position ein. Auch darauf haben wir reagiert und entsprechende Studienangebote geschaffen.

Handelt es sich dabei ausschließlich um neue Professionen oder sind auch Umschulungsberufe denkbar?
All unsere Studiengänge werden ständig weiterentwickelt und an den Bedarf und die geforderten Kompetenzen der Absolventen angepasst. Wo sehr viele Veränderungen vorgenommen werden müssen, schaffen wir aber auch neue Studiengänge, wie zum Beispiel den Studiengang Angewandte Künstliche Intelligenz (KI), den wir zum Wintersemester 2020/21 anbieten werden. Dieser Studiengang wird sich ganz speziell aus den Grundlagen der Informatik heraus auf die Anwendungen der KI-Disziplinen konzentrieren. Die Bildungsbiografien unserer Studierenden sind vielfältig: Viele haben zuvor eine Ausbildung absolviert und entscheiden sich nach einigen Berufsjahren für ein Studium. Aber wir kommen auch dem Wunsch nach, sich berufsbegleitend weiter zu qualifizieren. Unser Institut für Wissenschaftliche Weiterbildung bietet ein breites Angebot von einzelnen Modulen bis zum berufsbegleitenden Masterstudium. Alle Angebote sind nah an der Praxis und qualifizieren die Teilnehmenden in wichtigen Schlüsselbereichen.

In diesem Zusammenhang: Welche Jobs von heute sind auch morgen noch gefragt?
Das lässt sich natürlich nicht pauschal vorhersagen. Aber die Palette ist breit gefächert: Life Sciences, Gesundheits- und Pflegeberufe, Ingenieure, IT-Fachleute – besonders im Bereich IT-Sicherheit, aber auch das Handwerk. Einige Jobs werden auf lange Sicht durch die Digitalisierung stark verändert oder gar verschwinden, gleichzeitig entstehen aber durchaus auch neue Berufe. Der beste Schutz vor Jobverlust ist aber noch immer, sich aktiv an der Schaffung neuer Berufsfelder zu beteiligen.

Wo werden Roboter Menschen ersetzen?
Der Mensch wird weiterhin unersetzbar sein, denn in seiner Fähigkeit, Informationen wahrzunehmen, zu interpretieren, daraus zu lernen und antizipierend die richtigen Handlungen abzuleiten, wird er auf absehbare Zeit unschlagbar sein. Bei monotonen Arbeiten, die für den Menschen auch körperlich anstrengend sind oder in gefährlichen Arbeitsumgebungen, birgt die Unterstützung durch Roboter große Vorteile. Dabei geht es mehr um Zusammenarbeit, als um Konkurrenz. Der zunehmende Einsatz von Robotern und anderer Künstlicher Intelligenz ist weder Fluch noch Segen, aber auch kein Zustand, sondern ein fortschreitender Wandel, den verantwortliche Akteure wie Ingenieure, Politiker, Juristen, Philosophen oder Ökonomen gemeinsam mit der Gesellschaft bewusst und verantwortungsvoll mitgestalten müssen. Für die Hochschule Offenburg ist die Unterstützung des Zugangs zu digitalen Technologien eine zentrale Aufgabe, die wir durch erhöhte Anstrengungen in allen hochschulischen Leistungsbereichen gemeinsam mit unseren Partnern in der Region und darüber hinaus weiter stärken werden.

Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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