Lieferkette für Schutzausrüstung
Unkonventionelle Ideen waren Trumpf

Ein wichtiger Teil der Lieferkette aus China via Frankfurt-Flughafen in die Ortenau waren die Freiwillige Feuerwehr und das Technische Hilfswerk.
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  • Ein wichtiger Teil der Lieferkette aus China via Frankfurt-Flughafen in die Ortenau waren die Freiwillige Feuerwehr und das Technische Hilfswerk.
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Offenburg (gro). Eigentlich begann die Geschichte der spontan ins Leben gerufenen Lieferkette für Schutzausrüstungen in die Ortenau bereits im Januar: "Wir haben unserem chinesischen Geschäftspartner mit Schutzausrüstung und Material für Arbeitssicherheit aus Deutschland geholfen, als in China zu Beginn der Corona-Pandemie nichts mehr zu bekommen war", erzählt Sebastian Spannagl, Geschäftsführer von Spannagl Werkzeugservice in Offenburg. Das Unternehmen pflegt seit vielen Jahren Kontakte in das Reich der Mitte. "Mein Vater lebt seit zwölf Jahren in Shenzhen in der Nähe von Hongkong", erzählt der Unternehmenschef.

Als Mitte März klar war, dass das Virus sich auch in Deutschland ausbreitet, meldete sich der chinesische Geschäftspartner bei Sebastian Spannagl: "Er sagte uns seine Hilfe zu, falls wir irgendetwas benötigen würden." Bei einem Start-up-Treffen von Politik und Wirtschaft kam Spannagl mit dem Offenburger Oberbürgermeister Marco Steffens in Gespräch und der erste Baustein für die ungewöhnliche Lieferkette war gelegt. Denn mit dem Beginn der Corona-Pandemie in Deutschland wurde deutlich: Atemschutzmasken oder Schutzanzüge stehen auch in der Ortenau nicht in den erforderlichen Mengen zur Verfügung.

Chance erkannt

Der Offenburger Oberbürgermeister Marco Steffens erkannte die Chance und brachte gemeinsam mit Sebastian Spannagl die Lieferkette auf den Weg. "Es hat mit 1.000 Schutzanzügen und 3.000 FFP2-Masken begonnen", erinnert sich Sebastian Spannagl. Schnell wurde klar, nicht nur das Oberzentrum mit seinen Pflegeeinrichtungen hat Bedarf, sondern Einrichtungen in der gesamten Ortenau, unter anderem das Ortenau Klinikum. Am Ende wurden 300.000 FFP2-Masken, 500.000 OP-Masken, 30.000 Schutzanzüge und 5.000 Schutzbrillen in China bestellt und in die Ortenau geliefert.
"Unser Geschäftspartner hat die gesamte Abwicklung in China übernommen", berichtet Sebastian Spannagl. Das Offenburger Unternehmen orderte die Ware und erledigte deshalb auch die Zoll- und Einfuhrformalitäten. Die Stadt Offenburg entschied, was gebraucht wurde. "Alles lief innerhalb kürzester Zeit ab und war nur möglich, weil sich alle Partner gegenseitig vertrauten", freut sich Sebastian Spannagl über die gute Zusammenarbeit.

Dann kam der schwierigste Part: Wie kommt die Ware nach Deutschland? "Mit dem Schiff hätte es zu lange gedauert", sagen Sebastian Spannagl und Peter Schwinn, Leiter Brand- und Zivilschutz in Offenburg. Deshalb entschied man sich für Luftfracht. "Dort stiegen die Preise und die Kapazitäten wurden runtergefahren", macht Spannagl die Lage anschaulich. Es wurde wieder eine ungewöhnliche Lösung gefunden: Anstatt die Ware auf Paletten verladen zu lassen, wurden die einzelnen Kartons eingeladen. "Sie wurden in den Leerraum der Flieger um die anderen Paletten herum gestapelt", verrät Peter Schwinn. Nur so war es möglich, dass die Schutzausrüstung schon Anfang April in der Ortenau zur Verfügung stand.
Aufgrund der hohen Anzahl der Einzelkartons war klar, dass eine Spedition die Ware nicht abholen würde. "Zudem war es immer unsicher, ob auch wirklich Ladung an Bord ist", so Schwinn. Um flexibel reagieren zu können, übernahmen die Feuerwehr und das Technische Hilfswerk (THW) Offenburg diese Aufgabe. "Sebastian Spannagl und ich standen Tag und Nacht in Kontakt", erzählt Peter Schwinn. "Das waren sieben aufregende Wochen für mich, in denen ich kaum geschlafen habe", sagt Sebastian Spannagl. Denn Improvisieren war Trumpf. "Ich glaube, es hat alles nur deshalb funktioniert, weil alle Beteiligten völlig unkonventionell gehandelt haben", ist sich Peter Schwinn sicher.

Kontakte genutzt

Schwinn aktivierte einen Kontakt aus seiner Ausbildungszeit zu einem Kameraden, der heute bei der Flughafenfeuerwehr in Frankfurt arbeitet. "Ich habe angerufen und um Hilfe gebeten", berichtet Schwinn. Die wurde gerne gewährt und so wurden die LKW und Fahrzeuge der Feuerwehr Offenburg und des THW von der Flughafenfeuerwehr zu den Verladestellen gelotst. "Wir haben rund 500.000 Einzelkartons in dieser Zeit in Frankfurt ein- und in Offenburg ausgeladen", zeigt Peter Schwinn die körperlichen Mühen auf.

Das Material wurde in einer Messehalle gelagert und von dort aus in der Ortenau verteilt. Nach kurzer Zeit war der Ortenaukreis mit an Bord. "Wir sind noch für die Ausgabe zuständig", so Schwinn, aber die Verteilung liegt in der Verantwortung des Kreises, der ebenfalls die Kosten übernommen hat.

Profitiert davon haben Pflegeeinrichtungen, das Ortenau Klinikum und andere Einrichtungen des Gesundheitswesens. "Da in der Ortenau der schlimmste Fall Gott sei Dank nicht eingetreten ist, haben wir noch einen Puffer für die Zukunft", freut sich Peter Schwinn, der sich sicher ist: "Nur das vertrauensvolle Miteinander hat diese Aktion möglich gemacht."

Ein wichtiger Teil der Lieferkette aus China via Frankfurt-Flughafen in die Ortenau waren die Freiwillige Feuerwehr und das Technische Hilfswerk.
Ein Kraftakt: Jeder Karton mit Schutzausrüstung musste von den Helfern einzeln verladen werden.
Autor:

Christina Großheim aus Offenburg

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