30. September 2017, 12:38 Uhr | 0 | 121 Leser

Gutes Jahr für Milo Skupin-Alfa: erst Abitur, dann Europameister
Der Titelträger trainiert jetzt mit seinesgleichen

Die Startblöcke bleiben im ETSV-Stadion: Auch wenn Milo Skupin-Alfa nach Stuttgart umgezogen ist, ist die Leichtathletik-Gemeinschaft seine sportliche Heimat.
Die Startblöcke bleiben im ETSV-Stadion: Auch wenn Milo Skupin-Alfa nach Stuttgart umgezogen ist, ist die Leichtathletik-Gemeinschaft seine sportliche Heimat. (Foto: Foto: Michael Bode)

Offenburg. "Für mich war mitentscheidend, wer der Trainer ist", freut sich Milo Skupin-Alfa auf einen neuen Lebensabschnitt. Der 18-Jährige gehört bei der Leichtathletik-Gemeinschaft Offenburg (LGO) zu den hoffnungsvollen Talenten auf den Sprintstrecken über 100 und 200 Meter. Er hat in diesem Jahr erst ein erstklassiges Abitur am Offenburger Oken-Gymnasium absolviert, bevor er im Juli bei den U20-Europameisterschaften wegen des schulischen Abschlusses mit reduziertem Trainingsprogramm im Einzelfinale über 100 Meter stand und mit der Staffel über die gleiche Strecke den EM-Titel holte. Bisher trat er drei Mal bei internationalen Wettkämpfen an und erreichte jedes Mal das Finale.

"Sport und Ausbildung müssen vereinbar sein", argumentiert der 18-Jährige. Nach seinen Erfolgen fragten mehrere Trainer bundesweit an, ob er in deren jeweiliger Trainingsgruppe künftig sein Talent gefördert wissen wolle. Erst entschied sich Skupin-Alfa für den Trainer Marlon Odom, Landestrainer für Kurzsprints, dann für das passende Studium vor Ort. In diesen Tagen beginnt er mit Wirtschaftsinformatik in Stuttgart. Wohnen darf er als Leistungssportler zumindest vorerst im Olympiastützpunkt.

"Stuttgart ist ein bisschen weg, aber nicht so weit", fühlt sich Skupin-Alfa hier sehr wohl. Es hätten auch mehrere hundert Kilometer nach Offenburg werden können. "Im Osten Deutschlands gibt es traditionell immer noch bessere Strukturen für Leichtathleten, besonders den Nachwuchs", so der Sprinter, der aber lieber der LGO sportlich verbunden bleiben will.

Trainiert wurde Skupin-Alfa über mehr als fünf Jahre bisher von seinen Eltern Marcus Skupin-Alfa und Natalie Glock. Beide waren auch als Sportler erfolgreich. Sein Vater, geboren in Togo, aber in Deutschland aufgewachsen, war Deutscher Vize-Meister über 100 und 200 Meter, seine Mutter Landesmeisterin über 400 Meter. Jetzt ist er in einer Trainingsgruppe mit anderen Leichtathleten, die international erfolgreich sind. Sein Trainer Marlon Odom hat sein Handwerk unter anderem in den USA bei Curtis Frye erlernt, dem langjährigen Coach von Allen Johnson, der 1996 Olympiasieger wurde und viermal Weltmeister war.

Reiz des Sprints: direkter Vergleich

Milo ist sportlich ein Allround-Talent, probierte auch Ballsportarten, wurde im Mehrkampf ausgebildet, kam aber immer wieder zum Sprint zurück. "Mich reizt der direkte Vergleich auf der Bahn", hat er seine Herausforderung gefunden, als er 2012 zur Leichtathletik zurückkehrte und ab dann von seinen Eltern trainiert wurde. "Ich brauchte wenig trainieren, mein Talent reichte, um lange ungeschlagen zu bleiben", bis es die "große Klatsche gab" und er wusste dann: Talent allein reicht nicht.

Aber auch in der Folge blieb er nicht von moralischen Rückschlägen gefeit. Vor zwei Jahren war er der große Favorit auf den Europameister-Titel über 100 Meter, sprintete in 10,43 Sekunden ins Finale. Im Finale wurde er vierter, weil auf der Hälfte der Strecke sein Oberschenkelmuskel streikte. Das ist weiterhin seine Bestzeit, über 200 Meter sind es 21,00 Sekunden. Ein Jahr zuvor hatte er bereits mit einem sechsten Platz bei der U18-WM auf sich aufmerksam gemacht. Seinen ersten großen Titel gewann er vor drei Jahren bei der U16, als er in 10,90 Sekunden deutscher Meister wurde. Den achten Platz in diesem Jahr im 100-Meter-Finale hat er abgehakt: "Da hatte ich mir besseres vorgestellt", ist er selbstkritisch, auch wenn sein Vater ihm attestiert, keinen Fehler gemacht zu haben. Stolz er ist er aber ohne Zweifel auf den Titel in der Staffel, für die er als Startläufer auf die Bahn ging. Gern wäre er auch über die 200 Meter gestartet. Doch die Anstrengung war ihm zu groß, da die einzelnen Läufe zeitlich nicht optimal angesetzt sind. Sein nächstes Ziel: In Stuttgart als Sprinter ankommen und bei der U20-WM im nächsten Sommer im finnischen Tampere angreifen.

Nicht nur seine Freunde aus Schul- und Sportzeiten sind ihm im Badischen weiterhin wichtig. Der im Ortsteil Griesheim lebende Milo ist auch im Nachbarort Bühl bei der Katholischen Jungen Gemeinde (KJG) als Gruppenleiter, etwa von Ferienfreizeiten, aktiv. Inwieweit dies mit Studium und dem steigenden Trainingsaufwand vereinbar ist, werde sich zeigen.