Gespräch mit 40 Unternehmern
Jobtickets, Lastenfahrräder und E-Fahrzeuge

Teilnehmer der Wirtschaftswerkstatt im Gespräch

Offenburg (st). Zu einem Werkstattgespräch hatten die Städte Kehl, Lahr und Offenburg eingeladen. Fast 40 Unternehmer aus der Region sind der Einladung nach Offenburg gefolgt, um sich intensiv mit dem Thema umweltfreundliche Mobilität zu befassen. Es ging um Jobtickets, firmeneigene Lastenfahrräder, den Ausbau einer Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge, zusammengefasst: um die unterschiedlichen Möglichkeiten zur Entwicklung der umweltfreundlichen Mobilität in Unternehmen im Rahmen der Erstellung der kommunalen Elektromobilitätskonzepte.

Wie wichtig dieser Austausch ist, machte Offenburgs Baubürgermeister Oliver Martini gleich zu Beginn der Veranstaltung deutlich. Als Hausherr der Veranstaltung betonte er, dass Mobilität nicht an den Gemeindegrenzen Halt mache, sondern dass man zusammenarbeiten müsse, um die Herausforderungen in einer wirtschaftlich starken Region bewältigen zu können.

Grundlage für den Austausch war die Vorarbeit zweier Expertenbüros, die mit den Elektromobilitätskonzepten beauftragt wurden: Green City Experience aus München und ISME aus Stuttgart. Vor einem halben Jahr hatten diese eine Mobilitätsbefragung in den Ortenauer Unternehmen durchgeführt. Nun stellten sie die Auswertung vor. Auffällig dabei: Der Wunsch nach einer verstärkten Nutzung nachhaltiger Mobilitätsangebote auf Arbeitswegen und dienstlich zurückgelegten Wegen ist da, dennoch kommt mit großem Abstand weiterhin das diesel- oder benzingetriebene Auto zum Einsatz.

Die Möglichkeiten davon wegzukommen, seien vielfältig, so die Fachleute. Neben finanziellen Anreizen etwa für ein „Jobrad“ oder „Jobticket“ sollten Unternehmen beispielsweise über das Einrichten sicherer Abstellmöglichkeiten für Fahrräder, Duschen für die radfahrenden Mitarbeiter und die Nutzung des Carsharing-Angebots auf dienstlichen Wegestrecken nachdenken. Wichtig sei vor allem, Möglichkeiten zur Beratung und zum Ausprobieren von nachhaltigen Mobilitätsangeboten anzubieten. Ein gelungenes Praxisbeispiel konnte das Finanzamt Offenburg vorstellen: Da für den Neubau eines Bürogebäudes 80 Pkw-Stellplätze weichen mussten, wurde ein Konzept entwickelt, das die Mitarbeitenden heute verstärkt auf Bus, Bahn und Rad bringt, ohne dass dies als Qualitätsverlust wahrgenommen wird.

Im zweiten Teil der Veranstaltung waren die Unternehmer am Zug, über Herausforderungen und Lösungsansätze zu diskutieren. Die Versteuerung geldwerter Vorteile und Möglichkeiten zur Bewältigung des Liefer- und Kundenverkehrs waren genauso Thema wie der regelmäßige Erfahrungsaustausch zwischen den Unternehmen und die Testmöglichkeit neuer Mobilitätsangebote. Eine große Herausforderung für Unternehmen stellen die Kosten der Elektromobilität dar, deshalb haben Fördermöglichkeiten hier eine besonders große Bedeutung.

Wie es nun weitergeht und welche Rolle die Unternehmen bei der künftigen Entwicklung in der Region spielen könnten, erläuterten die Vertreter der Kommunen, die zum Austausch eingeladen hatten. Mathias Kassel von der Stabsstelle für Mobilität der Zukunft in Offenburg stellte den Ansatz des vernetzten Vorgehens in den Vordergrund. Genauso wie die kommunalen Verwaltungen bereits verstärkt zusammenarbeiteten, sei dies auch auf der Unternehmerebene gut vorstellbar. Matthias Kaufhold vom Bereich Stadtplanung und Umwelt der Stadt Kehl betonte, dass die Städte und Gemeinden nicht alle Mobilitätsdienstleistungen selbst erbringen, aber diese koordiniert entwickeln könnten. Der Lahrer Verkehrsplaner Martin Stehr ergänzte: „Die Städte und Gemeinden sind auf Ihre Anregungen und Initiativen angewiesen.“ Er rief dazu auf, die bereits bestehenden Unternehmertreffen verstärkt für die Diskussion von Mobilitätsthemen zu nutzen und Projekte gemeinsam zu entwickeln.

Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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