Einbürgerungsfeier
Ortenaukreis würdigt Zugehörigkeit und Engagement

Die Preisträger des Integrationspreises Ortenau 2026 mit (von links) Alexandra Roth, Dezernentin für Infrastrukturen, Baurecht und Migration, Christiane Schulz, Leiterin des Migrationsamts, Thorsten Erny, Landrat des Ortenaukreises, und Matthias Barta, Bereichsdirektor der Sparkasse Offenburg/Ortenau | Foto: LRA/Laura Kirschniok
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  • Die Preisträger des Integrationspreises Ortenau 2026 mit (von links) Alexandra Roth, Dezernentin für Infrastrukturen, Baurecht und Migration, Christiane Schulz, Leiterin des Migrationsamts, Thorsten Erny, Landrat des Ortenaukreises, und Matthias Barta, Bereichsdirektor der Sparkasse Offenburg/Ortenau
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  • hochgeladen von Anne-Marie Glaser

Ortenau (st) 1.000 Menschen aus 87 Staaten haben im Jahr 2025 im Ortenaukreis die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten. Bei der 17. Einbürgerungsfeier begrüßte Landrat Thorsten Erny die neuen im Großen Sitzungssaal des Landratsamts in Offenburg. Im Rahmen der Feier wurde auch der Integrationspreis Ortenau 2026 verliehen. Ausgezeichnet wurden schulische Projekte, die sich für Vielfalt, Respekt und ein diskriminierungsfreies Miteinander einsetzen, so eine Presseinformation.
„Sie alle eint der Wunsch dazu zu gehören. Sie gehören zum Ortenaukreis, Sie gehören zu Baden-Württemberg, zu Deutschland dazu. Und gerade das bedeutet eine gelungene Integration für mich, dass Sie sich hier zugehörig und aufgenommen fühlen. Dass Sie sich bewusst für die Einbürgerung entschieden haben, ist ein deutliches Zeichen Ihrer Zugehörigkeit“, sagte Landrat Thorsten Erny. Er würdigte die persönliche Leistung der Eingebürgerten und ermutigte sie, ihre Erfahrungen und Fähigkeiten einzubringen und das Zusammenleben auf der Grundlage des Grundgesetzes gemeinsam zu gestalten.

Persönlicher Einblick

Einen persönlichen Einblick in die Bedeutung der Einbürgerung gab Kadir Eryilmaz. Der 1991 in der Türkei geborene Jurist lebt seit 2018 in Deutschland, wohnt in Kehl und wurde im April 2026 eingebürgert. Seit September 2023 arbeitet er als Rechtsreferent am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg. In seiner Gastrede beschrieb er, wie aus seinem zunächst vorübergehend gedachten Aufenthalt ein dauerhaftes Zuhause wurde.
„Genau deshalb ist die Staatsbürgerschaft für mich wichtig. Denn neben dem Gefühl der Zugehörigkeit gibt sie mir auch das Wahlrecht; also das Recht, bei Entscheidungen mitzureden, die uns direkt betreffen. Egal, welche politische Meinung wir haben. Als Jurist weiß ich: Rechte und ein gutes Zusammenleben gibt es nicht von allein. Jede Generation muss sie neu schützen“, erklärte Eryilmaz. Er beschrieb die Einbürgerung als persönliche Bestätigung, in Deutschland dauerhaft ein Zuhause gefunden zu haben.

Engagement gegen Rassismus

Unter dem Motto „Gemeinsam gegen Rassismus – Schulen für Vielfalt im Ortenaukreis“ ging der Integrationspreis Ortenau in diesem Jahr an Projekte, die junge Menschen aktiv mitgestalten. Die Regionalstiftung der Sparkasse Offenburg/Ortenau förderte die drei Hauptpreise mit insgesamt 5.000 Euro. Die Auszeichnungen überreichte Sparkassen-Bereichsdirektor Matthias Barta; die Leiterin des Migrationsamts, Christiane Schulz, stellte die Preisträger vor.
Den ersten Preis in Höhe von 3.000 Euro erhielt das August-Ruf-Bildungszentrum Ettenheim für die Projekte „Vielfaltcoaches – Gemeinsam für Respekt und Vielfalt“ und „Fotoprojekt – Diskriminierung sichtbar machen“. An der Schule wurden 16 Schüler zu Vielfaltcoaches ausgebildet. Sie geben ihr Wissen über Vorurteile, Menschenrechte und den Umgang mit Ausgrenzung in Workshops und Aktionen an jüngere Klassen weiter und erreichten damit bereits 170 Schüler.
Der zweite Preis, dotiert mit 1.500 Euro, ging an die Tulla-Realschule Kehl. Die Schule verankert Rassismusprävention, Vielfalt und Demokratiebildung dauerhaft im Schulalltag. Dazu gehören die Ausbildung von Vielfaltcoaches, Aktionen zu Menschenrechten und Demokratie sowie Theateraufführungen, Lesungen und Juniorwahlen. Seit 2021 gehört sie dem Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ an.
Mit dem dritten Preis und 500 Euro wurde die Gewerbliche Schule Lahr für ihre Projekttage „Künstlerisch gegen Rassismus und Diskriminierung“ ausgezeichnet. Schüler des Technischen Gymnasiums und des Berufskollegs für Grafik-Design setzten sich gestalterisch mit dem Thema auseinander. Die entstandenen Plakate sollen dauerhaft im Schulhaus ausgestellt werden und dort zur Auseinandersetzung mit Vielfalt und Respekt anregen.
Anerkennungspreise von jeweils 100 Euro pro Projekt erhielten außerdem das Grimmelshausen-Gymnasium Offenburg, die Astrid-Lindgren-Schule Offenburg in Zusammenarbeit mit dem Schulzentrum Nordwest, die Kaufmännische Schule Lahr, das Gymnasium Ettenheim, die Friedrichschule Lahr, die Berufliche Schulen Achern und die Falkenhausenschule Kehl. Das Hans-Furler-Gymnasium Oberkirch wurde für zwei Projekte mit insgesamt 200 Euro gewürdigt.
Für Musik und Unterhaltung sorgten "Belcanto", das AStyle Artzentrum Gengenbach und der Zauberer Oguz Engin. Bei einer Verlosung konnten die Gäste Eintrittskarten für den Europa-Park Rust und das Schwarzwälder Freilichtmuseum Vogtsbauernhof gewinnen. Mit dem gemeinsamen Singen der Nationalhymne fand das offizielle Programm seinen Abschluss.

Hintergrund

Im Ortenaukreis wurden im Jahr 2025 insgesamt 1.000 Personen eingebürgert, darunter 135 Bürger aus Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Die Eingebürgerten stammten aus 87 Staaten. Die stärksten Herkunftsgruppen stellten Syrien (206), die Türkei (82), die Russische Föderation (69), die Republik Kosovo (64) und der Irak (54). Die erste Einbürgerungsfeier des Ortenaukreises fand im Juli 2008 statt.

Die Preisträger des Integrationspreises Ortenau 2026 mit (von links) Alexandra Roth, Dezernentin für Infrastrukturen, Baurecht und Migration, Christiane Schulz, Leiterin des Migrationsamts, Thorsten Erny, Landrat des Ortenaukreises, und Matthias Barta, Bereichsdirektor der Sparkasse Offenburg/Ortenau | Foto: LRA/Laura Kirschniok
Gastredner Kadir Eryilmaz, Rechtsreferent am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg, sprach über seinen Weg nach Deutschland und die persönliche Bedeutung seiner Einbürgerung. | Foto: LRA/Laura Kirschniok
Landrat Thorsten Erny begrüßte die neuen Bürger bei der Einbürgerungsfeier des Ortenaukreises. | Foto: LRA/Laura Kirschniok

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