Glosse im Guller zur OB-Wahl in Offenburg
Das Schweigen der Mehrheit
- hochgeladen von Anne-Marie Glaser
Offenburg hat am Sonntag gewählt. Es ist aber keine endgültige Entscheidung gefallen. OB-Kandidat Tobias Benz und seine Anhänger guckten während der Auszählung zwar zeitweise höchst hoffnungsfroh. Aber obwohl er auf 45,5 Prozent stolz sein kann, ist das halt nicht die erforderliche absolute Mehrheit im ersten Wahlgang. Und der zweitplatzierte Julian Christ reckte auch sofort kämpferisch das Kinn. Sozusagen als Zeichen, dass er stante pede mit der Aufholjagd beginnen will.
Nationalhymne
Am 25. Oktober wird Offenburg also noch einmal wählen. Dann genügt dem Sieger die einfache Mehrheit. Ich habe mir den Termin bereits dick im Kalender notiert. Zumal mich die Wahl keineswegs nur beruflich interessiert. Als Bewohnerin eines Offenburger Ortsteils mit Bürgerrechten darf ich sogar selbst mitentscheiden, wer bald die Geschicke hier lenkt. Das hat schon was, wenn man so als Souverän durch das Wahllokal schreitet und den Zettel mit seiner Stimme in die Urne gleiten lässt. Mir ist dann immer ganz feierlich zumute und ich würde am liebsten laut die Nationalhymne singen. Leider findet der Mann, der Tisch und Bett, aber nicht den Sinn für Theatralik mit mir teilt, so etwas peinlich. Und bevor wir künftig beim Wählen getrennte Wege gehen, summe ich halt nur still in mich hinein.
Jedenfalls finde ich das Wahlrecht eine ziemlich tolle Sache und nutze es entsprechend. In Offenburg gehöre ich da jedoch zur Minderheit. Nur 45,6 Prozent der Wahlberechtigten haben vergangenen Sonntag ihre Stimme abgegeben. Mehr als der Hälfte ist es anscheinend Wurst, wer Rathauschef wird. Warum? Bei den sieben OB-Kandidaten war doch wirklich für jeden Geschmack was dabei.
Nun, letztendlich muss jeder selbst wissen, ob er seine Rechte in Anspruch nehmen will. Aber hinterher bitte nicht meckern. Ihr hättet die Wahl gehabt.








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