Verkehrsdienst im Porträt
"Wir sind der Facharzt für alles, was Räder hat"

Erster Polizeihauptkommissar Jörg Meinlschmidt und seine Kollegen kümmern sich um alles, was fährt.  | Foto: Foto: mak
  • Erster Polizeihauptkommissar Jörg Meinlschmidt und seine Kollegen kümmern sich um alles, was fährt.
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Offenburg In unserer Guller-Serie "Blickpunkt Polizei" geht es heute um den Verkehrssicherheitsdienst, der sich um alles, was auf den Verkehrsadern passiert, kümmert.

"Wir sind der Facharzt für alles, was Räder hat", erklärt Jörg Meinlschmidt, Erster Polizeihauptkommissar vom Verkehrsdienst Offenburg, mit einem Lachen. Die insgesamt 52 Mitarbeiter des Verkehrsdienstes inklusive der Kollegen der Autobahnpolizei sind vor allem für die allgemeine Verkehrsüberwachung, die Überwachung des Güterverkehrs, von technischen Veränderungen an Fahrzeugen, die Unfallaufnahme und die Begleitung von Großereignissen wie beispielsweise Demonstrationen zuständig, ebenso für die Strafabwehr und die Prävention. Der Zuständigkeitsbereich des Autobahnabschnitts reicht von Herbolzheim bis Appenweier. Dabei geht es aber nicht nur um Fragen der Verkehrssicherheit, sondern "es geht auch um den Standort Deutschland", erklärt Meinlschmidt und verdeutlicht dies an einem Beispiel. Durch das Missachten der Regeln, beispielsweise im Güterverkehr, verschaffen sich einige Wettbewerbsteilnehmer einen Vorteil gegenüber denjenigen, die sich an die Regeln halten. Die dadurch erzielten Gewinne werden durch die Polizei abgeschöpft. "Gleiche Regeln für alle machen einen guten Staat aus", ist sich Meinlschmidt sicher.

Verkehr sicherer geworden

Insgesamt sei der Verkehr für Personen in den vergangenen Jahren sicherer geworden. "Wir beobachten rückläufige Zahlen bei tödlichen Unfällen. Der zunehmende Verkehr macht den Verkehrsraum aber enger", so der erfahrene Polizist, der seit rund 30 Jahren im Dienst ist.

Trotz allem macht die Unfallaufnahme einen nicht unerheblichen Teil der Tätigkeit von Meinlschmidt und seinen Kollegen aus. "Einerseits ist diese Tätigkeit sehr spannend, weil ich rauskriegen möchte, warum der Unfall passiert ist, andererseits ist sie auch sehr belastend." Denn zu ihrem Job gehört mitunter auch das Überbringen von Todesnachrichten. Hierbei werden sie von Kriseninterventionsteams unterstützt. "Wir müssen schneller sein als die Medien." Schlimm sei es nämlich, wenn Angehörige zur Unfallstelle kämen. Auch Gaffer, die Fotos von Trümmern und Opfern machen, sei ein Riesenproblem. "Wir werden das nicht gänzlich unterbinden können, aber hierbei ist Opferschutz eine unserer wichtigsten Aufgaben durch das Aufstellen von Sichtschutzwänden", so Meinlschmidt.

Er selbst könne in besonders belastenden Situationen besonders gut abschalten, wenn er Motorradfahrsicherheitstrainings gibt, sagt der leidenschaftliche Biker. "Ich hatte schon immer Benzin im Blut und eine Affinität zu Motoren", schwärmt Jörg Meinlschmidt.

Physik ins Spiel bringen

Auch hierbei geht es ihm darum, für Verständnis und Rücksichtnahme von allen Verkehrsteilnehmer zu werben. "In meinem Beruf ist die Erklärung des Warums von großer Bedeutung. Wir müssen über die Einhaltung von Regeln im Straßenverkehr wieder die Physik ins Spiel bringen", so Meinlschmidt. Er kann sich noch gut eine besondere Ausrede von einem Autofahrer erinnern, der mit 160 km/h durch eine Baustelle fuhr, in der Tempo 80 galt: Er sei auf dem Weg zu einer Beerdigung.

Die Arbeit im Verkehrssicherheitsdienst der Polizei ist in den vergangenen Jahren immer technisierter geworden. Das sei manchmal Fluch und Segen zugleich, so Meinlschmidt. "ABS-Systeme machen keine Bremsspuren mehr, die uns die Rekonstruktion eines Unfallgeschehens erleichtern." In einem anderen Fall habe aber die Überwachungskamera eines Betriebes für den Unfall zwischen einem Sattelzug und einem Rollerfahrer wichtige Erkenntnisse geliefert. Die moderne Technik wie zum Beispiel Smartphones wird immer wichtiger bei der Datengewinnung, so Meinlschmidt abschließend.

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