An(ge)dacht: Ihre Begleiterin durch die Woche
Gewinn für alle bei dem Verlustgeschäft

Claudia Roloff

Das ist ein Verlustgeschäft! – Wer das sagt, hat Grund zur Klage. Etwas hat sich nicht gelohnt. Ganz anders redet der Papst, wenn er die Ökumene ein Verlustgeschäft nennt. So in Genf, bei der Geburtstagsfeier des Ökumenischen Rates der Kirchen, zu dem 350 verschiedene Kirchen gehören. „Im Namen des Evangeliums sich für den Bruder anstatt für sich selbst zu entscheiden; das bedeutet oftmals in den Augen der Welt, mit Verlust zu arbeiten“. Um der Einheit willen gelte es, eigene Interessen aufs Spiel zu setzen, auch solche, die an ethnischer Zugehörigkeit oder an überkommenen Vorstellungen orientiert sind. Wenn wir uns nicht mehr an den Unterschieden aufhalten, können wir neue Einheit gewinnen. Es lohnt sich, auf dem Pilgerweg zu Frieden und Gerechtigkeit zu sein.
Das mag blumig klingen. Aber es geht um die konkrete Entscheidung: handle ich aus Angst um mich selbst, meine Identität, meinen Besitz – oder aus Sehnsucht nach dem Gemeinsamen, aus Liebe zum andern, aus Vertrauen zu Gott. Der Papst hat seine römische Kirche damit ebenso angesprochen wie die Geburtstagsfeiernden vom Ökumenischen Rat der Kirchen. Er kritisiert alle, die die Worte „Selbstschutz“ oder „Identität“ vor sich hertragen und sich dabei sogar christlich fühlen. Der Papst nennt das „weltliche Mentalität“.
Danke, Franziskus! Der Geist Jesu Christi hat nichts zu tun mit Komfortzone und nichts mit Grenzschutz. Denn er sieht im anderen Menschen schlicht die Schwester und den Bruder. Unterschiede spielen keine Rolle. "Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid 'eins' in Christus Jesus." (Gal 3,28) Welch ein Gewinn für die Menschheit!
Es gibt noch mehr zu feiern: der Ökumenische Rat der Kirchen plant seine Vollversammlung 2021 in Karlsruhe und Straßburg. Das ist eine große Ehre für die Evangelische Kirche in Baden. Ich bin gespannt, wie sich bis dahin die Ökumene, Europa und die Welt weiterentwickeln. Wir können dafür beten und weitere Schritte zu Gerechtigkeit und Frieden gehen. Es lohnt sich!

Pfarrerin Claudia Roloff,
Ev. Erwachsenenbildung
in der Ortenau

Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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