Fußnote, die Glosse im Guller
Irrtümer und Vergebung

Die Vergebung ist in vielen Religionen ein wichtiges Thema. Einer Partei, die stolz das Wörtchen christlich im Namen trägt, steht es deshalb gut zu Gesicht, das Verzeihen auch aktiv zu leben. So gesehen ist CSU-Politiker Horst Seehofer geradezu verpflichtet, sich hinter den angeschlagenen Verfassungsschutzpräsidenten zu stellen.

Mit welchen Worten Hans-Georg Maaßen seinen Chef Seehofer genau überzeugt hat, weiß ich nicht. Aber irgendwie muss er wohl sein Bedauern zum Ausdruck gebracht haben. Manches, was er zum Thema Hetzjagden in Chemnitz gesagt hat, das sei eben anders in der Öffentlichkeit aufgefasst und diskutiert worden als von ihm beabsichtigt war. Das findet der Horst Seehofer richtig gut. Also das Bedauern, nicht die Tatsache, dass es so klang, als würde Maaßen rechte Übergriffe verharmlosen. Obwohl, bei genauerem Nachdenken...

Hans-Georg Maaßen ist kein Kirchenmann

Ich persönlich finde ja, wahre Reue sieht anders aus. Davon hängt übrigens in der katholischen Kirche die Absolution ab. Allerdings will ich an dieser Stelle nicht päpstlicher als der Papst sein. Und Päpste haben selbst den widerlichsten Wiederholungstätern unter ihren schwarzen Kirchenschafen schon ganz andere Sünden immer wieder vergeben. Das ist aber ein anderes Thema. Hier geht es ja um Hans-Georg Maaßen und der ist kein Kirchenmann. Bei seinem Auftritt vor dem Parlamentarischen Gremium zur Kontrolle der Geheimdienste, kurz PKGr genannt, überzeugte Maaßen auch die Schwesterpartei CDU. Und selbst die FDP befand das Ganze als eine lässliche Sünde. Aber die Liberalen waren in Sachen Vergebung schon immer großzügig. Man denke nur an den wegen Steuerhinterziehung vorbestraften Otto Graf Lambsdorff, der von 1988 bis 1993 FDP-Vorsitzender war. Doch auch die liberale Einstellung der FDP hat ihre Grenzen. Die Behauptung, der Verfassungsschutzpräsident würde zudem heimlich der AfD schöntun, gefällt nämlich ganz und gar nicht.

AfD Opfer eines Missverständnisses?

CDU und CSU sehen den Verdacht noch locker. Vielleicht weiß Seehofer auch mehr. Möglicherweise ist der AfD-Politiker Stephan Brandner lediglich einem großen Missverständnis aufgesessen. Dem armen Maaßen passiert es schließlich ständig, dass er falsch verstanden wird, wie der vermeintliche Hetzjagd-Skandal doch zeigt. Glaubt Brandner vielleicht nur, der Verfassungsschutz-Chef hätte ihm bei einem Treffen geheime Zahlen über islamistische Gefährder und den Haushalt des Verfassungsschutzes verraten? In Wahrheit wollte ihm Hans-Georg Maaßen dann sicher wohl nur ein uraltes Familienrezept für die Herstellung von Schwarz-Weiß-Gebäck geben.
Anne-Marie Glaser

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