Florian Waldvogel ist Teil von "OG Projects"
Kunst als ein ideales Mittel für Querdenker

Mit "OG Projects" mischt Florian Waldvogel die Kulturszene in Offenburg auf.
  • Mit "OG Projects" mischt Florian Waldvogel die Kulturszene in Offenburg auf.
  • Foto: Michael Bode
  • hochgeladen von Christina Großheim

Offenburg (gro). Für ihn bietet Kunst den größtmöglichen Freiraum. Sie ist aber ebenfalls ein Schutzraum für alle, die differenziert denken. "Ich wollte frei sein", erklärt Florian Waldvogel, wie er den Weg zur Kunst fand. Geboren in Offenburg lebt der 49-Jährige heute in Hamburg. Seine Heimatstadt entdeckte er erst vor einem Jahr wieder, als er mit Stefan Strumbel und Stefan Armbruster den Ausstellungsraum und das Magazin "OG Projects" ins Leben rief.

Kultur und Kunst spielte früh in seinem Leben eine Rolle. Für Florian Waldvogel war es eine Möglichkeit, den gesellschaftlichen Konventionen, die ihn umgaben, zu entkommen. "Ich habe in Offenburg im Künstlerkreis Ansprechpartner gefunden, die mich förderten", erzählt Florian Waldvogel aus dieser Zeit. Einer der Künstler, die den Jugendlichen unter ihre Fittiche nahmen, war Martin Peter. "Die Kunst war für mich ein guter Escapeplan aus Offenburg", gibt Waldvogel unumwunden zu.

Mit 23 Jahren begann er ein Kunststudium an der renommierten Staatlichen Hochschule für Bildende Künste – Städelschule in Frankfurt. Doch schon nach wenigen Semestern entschloss er sich zu einem Schwerpunktwechsel ins Fach Kunstvermittlung. "Bei allen Arbeiten, die ich produziert hatte, konnte ich den Künstler wiedererkennen, mit dem ich mich gerade beschäftigte", beschreibt Florian Waldvogel die Erkenntnis, dass er sich selbst als schaffender Künstler nicht genügte. "Aber ich wolle unbedingt weitermachen." Es war der Startschuss zu seinem heutigen Beruf: "Ich erhielt die Chance, als Kurator zu arbeiten. Dabei wird das Material der Künstler zu meinem Material und ich kann Zusammenhänge herstellen."

Waldvogel lernte bei einem Meister seines Faches: Kasper König, Professor und damaliger Direktor der Städelschule. "Er ist einer der drei wichtigsten Ausstellungsmacher der Welt", sagt Waldvogel über seinen Lehrmeister, über dessen Wirken er später seine Doktorarbeit schrieb. "Es war Learning by Doing, ich durfte Fehler machen", begeistert sich Waldvogel noch heute. "Es gab ein Grundvertrauen in mich. Bis dahin hatte ich noch keinen Text geschrieben, noch keine Ausstellung konzipiert." Die erste Ausstellung, die er als Kurator begleitete, fand bei der BASF in Ludwigshafen statt. Gezeigt wurden Arbeiten von Studenten der Städelschule.

Kunst anderer in einen Zusamennhang setzen

"Das Wichtigste ist, immer aufmerksam und neugierig zu bleiben", verrät Florian Waldvogel, was für ihn einen guten Kurator ausmacht. "Man sollte ein visuelles Verständnis entwickeln. Die Kunstbewertung ist eine Sprache wie viele andere auch." Mit der Expo 2000 war er auf besondere Weise verbunden, er zeichnete für "InBetween", das offizielle Kunstprojekt der Weltausstellung, verantwortlich. Dort lernte er Mitglieder des Kokerei Zollvereins Essen kennen. Die waren Anfang der 2000er-Jahre gerade damit beschäftigt, der ehemaligen Zeche neues Leben einzuhauchen. "Ich reichte mein Konzept ein, es war die Transformation einer verborgenen Stadt", so Waldvogel. Sein Entwurf wurde akzeptiert und er für zwei Jahre einer von zwei künstlerischen Leitern des Projekts "Zeitgenössische Kunst und Kritik". Es folgten Stationen wie Rotterdam, Nizza und schließlich wurde er Direktor des Hamburger Kunstvereins. Nach seinem Ausscheiden dort, 2013, entschied er sich zu promovieren.

Dass er einmal einen Kunstraum in seiner Heimatstadt etablieren würde, darüber dachte er nicht nach. "Ich lernte Stefan Strumbel kennen, als ich meine Tochter besuchte", erzählt Waldvogel. Er hatte einen Artikel über die Kirche in Goldscheuer gelesen, die Strumbel gestaltet hatte. Mit dem Dritten im Bunde, Stefan Armbruster, wurde Ende 2017 "OG Projects" ins Leben gerufen. "Wir bieten ein nationales und internationales Programm, das sich auch in einer Großstadt sehen lassen könnte", so Waldvogel, zu dem, was die drei in den ehemaligen Atelierräumen von Jutta Spinner seitdem bieten. Gleichzeitig erscheint unter dem gleichen Namen ein Magazin, das sich auf unkonventionelle Art mit Kunst auseinandersetzt. Kann er sich vorstellen, wieder nach Offenburg zurückzukommen? "Ich fühle mich der Stadt verbunden", so Waldvogel. "Aber im Moment bin ich noch der Weltenbummler."

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