Lächelnde Roboter und vibrierende Westen
Neues Institut erforscht Gefühle und Denken

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Offenburg (st). Im Sommer wurde das fakultätsübergreifende „Affective & Cognitive Institute“ (ACI) an der Hochschule Offenburg gegründet. Prof. Dr. Oliver Korn und sein zehnköpfiges Team erforschen die Rolle von Emotionen im Zusammenspiel von Mensch und Maschine – von Robotern bis zu Assistenztechnologien für Menschen mit Beeinträchtigungen.


Soll ein Pflegeroboter lächeln?

Soll ein Pflegeroboter lächeln, wenn er uns begrüßt? Arbeiten wir konzentrierter, wenn wir wie in Spielen regelmäßig belohnt werden? Solche Fragen erforscht das zehnköpfige Team des ACI der Hochschule Offenburg unter Leitung von Professor Dr. Oliver Korn. „Informatik und psychologische Forschung wachsen zusammen“, erläutert der frisch gebackene Institutsdirektor.
Mit der exakten Messung des Hautleitwiderstands, der Mimik oder der Augenbewegungen von Nutzern versuchen die Forscher, Akzeptanz und Nutzererfahrung, auch User Experience (UX) möglichst objektiv zu erfassen. Im Fokus stehen dabei sogenannte „kontextbewusste Systeme“ – Geräte und Softwareanwendungen also, die Informationen aus der Umgebung wie den Ort, aber auch menschliches Verhalten erfassen und interpretieren.

Nutzerzentriert gestalten

Erklärtes Ziel ist hierbei, den „Designraum“ für künftige interaktive Systeme nutzerzentriert zu gestalten – zum Beispiel Aussehen und Verhalten sozialer Roboter im häuslichen Bereich und in der Pflege. So zeigen jüngste Erhebungen des Instituts, dass sich weder Erwachsene noch Kinder Roboter mit menschlichen Gesichtszügen wünschen. „Es ist schon erstaunlich, wie viele Lösungen auch heute noch eher auf Faszination und Show setzen als tatsächliche Bedürfnisse aufzugreifen“ wundert sich Korn. So sei der Roboter „Sophia“ mit gruselig-schönem weiblichem Gesicht zwar beliebter Gast in Talkshows, zugleich aber weit von Bedürfnissen und Praxis entfernt.

Intelligente Teillösungen

In seinen Projekten entwickelt das ACI daher bewusst praxisorientierte Lösungen, die verlorene oder eingeschränkte menschliche Fähigkeiten „augmentieren“, also verbessern. So etwa bei den Forschungsvorhaben "incluMOVE" oder dem EU-Projekt "SUITCEYES". „Vollständig autonome Systeme sind komplex und daher fehleranfällig“, erklärt Korn. Das ACI-Team setzt daher auf intelligente Teillösungen, sogenannte Smart Devices. Ein Beispiel ist eine interaktive Weste, die Nutzern mit eingeschränktem Seh- und Hörvermögen über haptisches und thermisches Feedback erlaubt, sich sicher zu bewegen. Solche Systeme sind zwar weniger spektakulär als menschenähnliche Roboter, verbessern aber das Leben hunderttausender Menschen mit Beeinträchtigungen. Die ACI-Forscher möchten herausfinden, inwieweit solche Assistenzsysteme aber auch Roboter neben der äußeren auch die innere Welt, das heißt Stimmung und Emotionen erfassen sollten.

Ethik und der Dialog

Emotionen sind auch zentral für „Gamification“ – denn die Entwickler des Instituts integrieren regelmäßig spielerische Elemente in ihre Anwendungen. „Wir konnten zeigen, dass automatisierte Bewertung und Feedback sowohl beim Arbeiten als auch beim Lernen die Leistungen und sogar die Zufriedenheit steigern“, stellt Korn fest. Allerdings schränkt er ein: „Es gibt hier keine Universallösungen – gerade Systeme die Freude und Zufriedenheit steigern sollen, müssen sich dem Anwender kognitiv und möglichst auch emotional anpassen.“ Dabei spielen neben Nutzerbedürfnissen auch Ethik und der Dialog mit der Öffentlichkeit eine wichtige Rolle. Daher lädt das ACI am 14. November ein zum Tag der offenen Tür.

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