Eine Frage, Frau Feld
Sind Kinder heute anders?

Susanne Feld | Foto: privat

Offenburg. Zu wenige Lehrer für zu viele Aufgaben: Christina Großheim sprach mit Susanne Feld, stellvertretende Kreisvorsitzende der GEW Ortenau, über die Lage.

Wie haben sich die Bedingungen für Lehrer verschlechtert?
Es fehlen zeitliche und personelle Ressourcen, um die gestiegenen Aufgaben zu bewältigen. Die Unterrichtsversorgung, vor allem an Grundschulen und Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren, ist so schlecht, dass in manchen Regionen selbst der Pflichtunterricht nicht zu 100 Prozent abgedeckt ist. Kultusministerin Eisenmann spricht von einer "auf Kante genähten" Unterrichtsversorgung. Wenn dann noch ein Kollege längerfristig erkrankt, müssen die anderen Lehrkräfte übernehmen, da es keine Krankheitsvertetungen mehr gibt.

Sind die Kinder heute anders als vor 30 Jahren?
Ja, das kann man schon so sagen. Wenn ich es beschreiben soll, würde ich sagen, die Kinder sind einerseits offener und kreativer, stehen viel mehr unter dem Einfluss digitaler Medien, mit allen Folgen und Fortschritten, die diese Entwicklung mit sich bringt. Andererseits beobachte ich eine verringerte Aufmerksamkeitsspanne, mehr sprachliche Auffälligkeiten und eine deutlich geringere Frustrationstoleranz.

Welche kurzfristigen Lösungsvorschläge haben Sie?
Wer die Qualität des Unterrichts verbessern will, muss zunächst dafür sorgen, dass er stattfindet. Es darf keine weiteren Stellenstreichungen geben. Damit mehr Lehrkräfte bis zur gesetzlichen Altersgrenze arbeiten können, sollte die Altersermäßigung erhöht werden. Die Ungerechtigkeiten in der Bezahlung von Lehrkräften müssen behoben werden. Grund- und Hauptschullehrkräfte dürfen nicht weniger verdienen als Realschulkräfte.

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