Interview mit Utz Geiselhart
Einzelhandel bildet in über 60 Berufen aus

Utz Geiselhart

Welche Ausbildungs-Chancen der Einzelhandel bietet, erklärt Utz Geiselhart, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Südbaden, im Interview mit Anne-Marie Glaser.

Welche Ausbildungsberufe bietet der Einzelhandel?
Neben den beiden beliebten großen Einzelhandelsberufen Kaufleute im Einzelhandel und Verkäufer, in denen jährlich rund zehn Prozent aller Ausbildungsverträge der 326 dualen Ausbildungsberufe geschlossen werden, bildet die Branche in mehr als 60 weiteren Berufen aus, bietet kombinierte dreijährige Abiturientenprogramme aus Aus- und Fortbildung sowie duale Studiengänge an. Über die guten Ausbildungs- und Karrierechancen im Einzelhandel informiert der Handelsverband Deutschland, HDE, durch die digitale Azubi-Kampagne „Jetzt schon Profi“ auf www.jetztschonprofi.de.

Wie sind die Karrierechancen?
Die Karriere mit Lehre ist im Einzelhandel nach wie vor die Regel. Über 80 Prozent der Führungskräfte haben in der Branche als Auszubildende begonnen. Die unterschiedlichen Karrierewege werden Interessierten auf www.jetztschonprofi.de dargestellt.

Welchen Einfluss hat der Onlinehandel auf die Berufsbilder?
Der Online-Handel ist ein starker Wachstumstreiber. Mittlerweile werden rund zehn Prozent des Gesamtumsatzes im deutschen Einzelhandel online erzielt und der Umsatz wächst jährlich. Im Jahr 2017 wurden deshalb die beiden Kernberufe des Einzelhandels modernisiert und in diesem Zuge wurde die Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel mit der neuen Wahlqualifikation Online-Handel im dritten Ausbildungsjahr ausgestattet. Darüber hinaus hat der HDE 2015 die Initiative ergriffen und im darauffolgenden Jahr das Einverständnis zur federführenden Schaffung des neuen Berufs Kaufmann im E-Commerce vom Bundeswirtschaftsministerium und dem Bundesbildungsministerium erhalten. Die bestehenden Ausbildungsberufe waren für die durch den E-Commerce entstehenden neuen Tätigkeitsfelder und Prozesse, die Wertschöpfungsstufen überschreiten, sowie Geschäftsmodelle mit eigenen Arbeitsweisen und Vorgängen nicht passgenau. Damit die Händler auch im Online-Handel innovativ bleiben, wünschten sie sich einen Beruf, in dem sie ihren Nachwuchs systematisch und qualifiziert auf eine Karriere im Online-Handel vorbereiten können. Seit 2018 können die Händler in dem neu geschaffenen Beruf ausbilden. Um darüber hinaus den zunehmenden Fachkräftebedarf für den Online-Handel decken zu können, wurde 2019 eine bundesweit anerkannte Fortbildung geschaffen, die nach einem erfolgreichen Abschluss zum Kaufmann im E-Commerce oder einer anderen kaufmännischen Ausbildung anschließen kann: die neue Fortbildung Fachwirt im E-Commerce. Sie ist gleichwertig zum hochschulischen Bachelorabschluss dem Niveau 6 des Deutschen Qualifikationsrahmens, DQR, zugeordnet worden.

Welche Vorteile bietet das?
Die Handelsunternehmen, die im Online-Handel aktiv sind, erhielten durch den neuen Beruf erstmals die Möglichkeit, ihren Nachwuchs systematisch und qualifiziert auf eine Karriere im Online-Handel vorzubereiten. Der E-Commerce ist bereits seit Jahren Wachstumstreiber Nummer eins im Einzelhandel. Die Zukunft des neuen Berufs sieht der HDE dementsprechend positiv. Das Interesse wächst weiter stetig. Der Kaufmann im E-Commerce könnte in wenigen Jahren zu den Top-20-Ausbildungsberufen zählen. Die Kaufleute im E-Commerce belegten 2019 den Rang 68 – von 318 Rängen – unter allen Ausbildungsberufen in Deutschland. Für das Ausbildungsjahr 2018/2019 wurden knapp 1.400 Verträge abgeschlossen, 2019/2020 waren es knapp 1.600. Die Bundesagentur für Arbeit verzeichnet in ihren Ausbildungsmarktzahlen für Juli 2020 1.452 gemeldete Stellen, im Juli 2018 lag das Angebot noch lediglich bei 887 Stellen. Weitere Informationen gibt es unter www.einzelhandel.de/ecommercekaufmann sowie https://einzelhandel.de/fachwirt-ecommerce.

Autor:

Anne-Marie Glaser aus Offenburg

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