Teilhaben am Leben
Zivilgesellschaft, Politik, Wirtschaft und Kultur

Nur wenn alle am kulturellen, politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben teilhaben können, bleiben unsere Gemeinschaften in der Balance.
  • Nur wenn alle am kulturellen, politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben teilhaben können, bleiben unsere Gemeinschaften in der Balance.
  • Foto: Grafik: A-Digit/Daniela von der Horst, BVDA
  • hochgeladen von Isabel Obleser

Ortenau. (st) Anzeigenzeitungen sind ein Mosaik mit all den Akteuren, die eine Gemeinschaft tragen und lebendig machen: Sie sind ein Forum für die „ganz normalen Menschen“. Anzeigenblätter bringen all diese Menschen zusammen: Künstler und ihr Publikum, Schulabgänger und Ausbildungsbetriebe, Händler und Kunden, Menschen in schwierigen Lebenslagen und Fachkräfte in sozialen Einrichtungen, Lokalpolitiker und Bürger, Vereine und ehrenamtlich Engagierte. Anzeigenblätter haben damit dort, wo das Leben spielt, eine Schlüsselfunktion: Sie sichern für alle Bürger vor Ort etwas, was nicht „automatisch“ gelingt – die Teilhabe aller Bürger am sozialen, kulturellen, sportlichen, politischen und wirtschaftlichen Leben in ihrer unmittelbaren Umgebung.

Aus Lücken dürfen keine Risse werden

Geht solche Teilhabe verloren, ist sie kaum mehr wiederzugewinnen. Einmal entstandene Lücken sind nur schwer wieder zu schließen. Zunächst unscheinbare Risse werden immer schneller immer tiefer. In vielen Bereichen geht Teilhabe für ganze Bevölkerungsgruppen gerade still und leise verloren:

• Jeder siebte Erwachsene in Deutschland ist funktionaler Analphabet, sagt die Aktion Mensch. Das heißt: 15 von 100 mündigen Bürgern können sich in ihrem Alltag in wesentlichen Dingen nicht gut zurechtfinden.
• An den letzten Landtagswahlen in den verschiedenen Bundesländern haben sich jeweils 30 bis 40 Prozent der Stimmberechtigten nicht mehr beteiligt. Ihre Bedürfnisse und Ansichten fallen bei wichtigen Entscheidungen nicht mehr ins Gewicht.
• 22 Prozent der über 65-Jährigen sind z. B. in Bayern von Armut bedroht, so die Zahlen des VdK. Über ein Fünftel aller Senioren sind damit von vielen Bereichen des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens ausgeschlossen.
• Ein Drittel der Jugendlichen hat keinen eigenen Computer oder Laptop, so dass sie das digitale Angebot ihrer Schulen in der Corona-Pandemie nicht wahrnehmen konnten. Das zeigte der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest zum Home Schooling.

Anzeigenblätter sind Teil der Grundversorgung

Es gibt Menschen, die sich keine Tageszeitung leisten können und von dieser heimatlichen Informationsquelle abgeschnitten sind; es gibt Ältere, die sich in den Städten zurückziehen und vereinsamen; es gibt Menschen, die die Prozesse des Verwaltungs- und Politikbetriebs und die Sprache von Ämtern und Behörden nicht verstehen und sich dadurch übergangen fühlen.
Die kostenlosen Anzeigenzeitungen in ihrem Heimatort sind für diese und viele andere Menschen das einzige lokale Medium, das sie noch erreicht. Anzeigenzeitungen gehören für sie zur Grundversorgung. Sie sind unverzichtbar. Sie sind zudem für jeden leicht erhältlich, denn sie werden kostenlos an die Haushalte verteilt, also direkt zu den Lesern gebracht.
Die Lebensqualität der Menschen hängt davon ab, ob sie das, was sie Tag für Tag brauchen, in erreichbarer Nähe finden. Nur dann können sie sich einbringen oder Nutzen daraus ziehen – nichts anderes bedeutet „Teilhabe“.
Deshalb stärken die Anzeigenzeitungen auch den lokalen Handel, der seit inzwischen mehr als 20 Jahren in einem unfairen Wettbewerb mit GAFAs und anderen Giganten steht. Nicht solche „Global Player“ werden eine verlässliche Versorgung der Bürger und lebendige Nachbarschaften sichern, sondern die Menschen, Betriebe und Einrichtungen vor Ort.

Teilhabe ist das Fundament

Teilhabe ist nicht selbstverständlich. Sie ist auch keine „Gnade“, die gewährt wird, indem die einen die anderen „mitspielen“ lassen. Teilhabe ist das zentrale Fundament jeder Gemeinschaft – ob Partnerschaft, Familie oder Gesellschaft. Nur dort, wo möglichst alle bei möglichst allem mitmachen können (wenn sie das wollen), kann ein lebendiges Miteinander aufblühen. Nur dort, wo niemand ausgeschlossen wird, können Debatten gewinnbringend geführt, Probleme zufriedenstellend gelöst, Krisen dauerhaft bewältigt werden.

Eine echte Gefahr

Gleitet ihnen diese Teilhabe aus den Händen, dann fühlen sich Menschen „abgehängt“. Dann beginnt etwas zu kippen. Alles gerät mehr und mehr in eine Schieflage. Es wachsen echte Gefahren mit unabsehbaren Folgen.
Längst haben wir alle bemerkt, wie desaströs sich „soziale“ Medien auswirken können, wenn sich ihre Nutzer in „Blasen“ abschotten und wenn sie Hass und Hetze ungefiltert verbreiten. Die ungezügelte Macht global agierender Plattformen wie Facebook greift die Demokratie an, untergräbt das Selbstbild gerade von Mädchen und gefährdet Kinder. Dass jeder ohne Grundregeln alles posten kann, hat nicht für mehr Teilhabe, mehr Gerechtigkeit, mehr Freiheit gesorgt, sondern zum Gegenteil geführt: „Soziale“ Medien sind die Ursache, dass sich heute mehr Menschen ausgeschlossen, angegriffen, verunsichert und verletzt fühlen als je zuvor.

Anzeigenblätter sind „Zeitungen für alle“

Anzeigenblätter sind ein bewährter, bodenständiger Gegenentwurf dazu geblieben. Sie sind niederschwellig und barrierefrei und nehmen alle mit – sogar dann, wenn der Akku leer und das WLAN ruckelig ist.
Anzeigenblätter sind „Zeitungen für alle“ und bringen Menschen zusammen, die sich sonst kaum finden und die oft nur noch wenig verbindet. Sie sind ein Sprachrohr derer, die (wie die örtliche Schule oder Seniorengruppen) in Tageszeitungen und Rundfunk nicht vorkommen. Sie geben mit ihrer großen Reichweite lokalen Ideen, Projekten und Initiativen, von denen die Nachbarschaften in Vierteln und Gemeinden leben und von denen alle profitieren, die notwendige Öffentlichkeit und den nötigen Rückhalt.

Anzeigenblätter können ihren Lesern in verständlicher Sprache erklären, was in ihrem Lebensumfeld passiert und warum das so ist. Sie lassen den Leser damit an den vor Ort entscheidenden Vorgängen teilhaben. Sie informieren, weshalb die Straße nebenan gesperrt werden muss, wann der neue Supermarkt eröffnet wird, welcher Kindergarten freie Plätze hat, wo Schüler Unterstützung bei den Hausaufgaben finden, welche Konzerte, Ausstellungen oder Vorträge in der Nähe angeboten werden, welche sozialen Netze man in welchen Lebenssituationen nutzen kann.
Anzeigenblätter sind ein Forum, das allen Menschen offensteht und in dem jeder die eigenen Ansichten mit anderen diskutieren kann. Wer mehr will, als über irgendwelche „die da oben“ zu krakeelen, kann dank dieser Zeitungen mitmischen, Debatten anstoßen und eigene Themen in den Fokus rücken.
Wie kein anderes Medium ermöglichen die kostenlosen Anzeigenzeitungen den Menschen die Teilhabe an dem Leben, das direkt um sie herum abläuft.
Mehr zum Selbstverständnis der Anzeigenzeitungen in Deutschland lesen Sie im Internet.

Von Johannes Beetz / Chefredakteur der Münchner Wochenanzeiger

Autor:

Isabel Obleser aus Gengenbach

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