Wolfgang L. Obleser ist verstorben
Verleger mit Herz und Vision

Wolfgang L. Obleser | Foto: Archivbild Michael Bode

Ortenau (ag) Bei einer Zeitung herrscht immer rege Betriebsamkeit. Am Dienstagvormittag lag jedoch betroffene Stille über dem Stadtanzeiger-Verlag. Geschäftsführer Christian Kaufeisen informierte die Mitarbeiter, dass Verlagsgründer Wolfgang L. Obleser nach kurzer schwerer Krankheit am Morgen verstorben war.

Wegweisend

Wolfgang L. Obleser war mit Herz und Seele Zeitungsmacher. Als einer der ersten Anzeigenblatt-Verleger leistete er sich einen hochwertigen redaktionellen Teil. Was anfangs noch als überflüssiger Kostenfaktor belächelt wurde, gilt in der Branche inzwischen als beispielhaft und wegweisend.
Was ihn beruflich auszeichnete, war neben guten Ideen auch der Mut, neue Wege zu gehen. Das war so, als er 1972 gemeinsam mit seiner Ehefrau Susanne den Stadtanzeiger aus der Taufe hob und zur lokalen Wochenzeitung der Ortenau aufbaute. Und es war nicht anders, als er 1997 ins kalte Wasser sprang, um gegen viele Widerstände den Guller am Sonntag zu etablieren.
Schwierigkeiten nahm er immer als Herausforderungen an, die es zu überwinden galt. Nicht mit brachialer Gewalt, das entsprach nicht seinem Charakter – aber mit Kreativität, echter Begeisterung und der notwendigen Beharrlichkeit. Seine Leidenschaft als Zeitungsmacher steckte auch seine Mitarbeiter an. Er musste nicht fordern, sondern ging einfach an der Spitze voran. Sein Team ging mit und gab das Beste – weil es Spaß machte, gemeinsam etwas Tolles zu schaffen. Als Chef stand seine Tür immer offen. WLO, wie sein Kürzel war, wollte wissen, wie es den Menschen in seinem Unternehmen ging. Auch für private Sorgen hatte der Verleger immer ein offenes Ohr – und wenn er helfen konnte, tat er es.

Offen und sympathisch

Er selbst war nicht gerade mit dem goldenen Löffel im Mund geboren – war noch ein kleines Kind, als die deutsche Familie nach dem Krieg aus Schöngrafenau im heutigen Tschechien vertrieben wurde. Die Erinnerung an Krankheit, Hunger, Kälte und das Gefühl, unwillkommen zu sein, prägten ihn. "Diese Erfahrungen haben mich gelehrt, dass nichts im Leben selbstverständlich ist", sagte er einmal in einem Rückblick anlässlich eines Verlagsjubiläums. "Man muss umso dankbarer sein, wenn es einem gut geht."
Sprach Wolfgang L. Obleser über seinen Erfolg, vergaß er nie, die Verdienste seiner Ehefrau Susanne zu würdigen. Überhaupt wurde seine Stimme immer ganz warm, wenn er von seiner Familie sprach – seiner Tochter Judith aus der ersten Ehe und Isabel aus der zweiten. Er genoss es sehr, Großvater zu sein und sogar Urgroßvater. Mit großem Stolz erfüllte es ihn, dass seine jüngere Tochter in seine Fußstapfen getreten war. In ihre Hände durfte er 2017 die Verantwortung über den Stadtanzeiger-Verlag legen. Wie bereits ihr Vater übernahm Isabel Obleser ebenfalls Verantwortung im BVDA und ist inzwischen stellvertretende Vorsitzende. Und auch im Förderverein für krebskranke Kinder Freiburg e. V. engagiert sie sich.

Offenes Ohr

Ob Pfadfinder, die Stadtkapelle oder der Deutsch-Polnisch-Russische Freundeskreis und viele andere – für Vereine hatte der Verleger immer ein offenes Ohr. Das Schicksal krebskranker Kinder und ihrer Familien ging Wolfgang L. Obleser aber ganz besonders nahe. Es war ihm ein tiefes Bedürfnis zu helfen. Als echter Macher brachte er sich 25 Jahre als Vorstand und von 2021 bis 2025 als Beirat in den Förderverein und das Elternhaus ein. 2011 wurde er für sein Engagement mit der Staufermedaille des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet.
Auch die Erlöse seiner Kunstwerke kamen dem Förderverein zugute. Denn der Verleger war ebenfalls Künstler. Bereits als Jugendlicher gestaltete Wolfgang L. Obleser für Vereine Plakate. Aus Zeitmangel vernachlässigte er lange sein künstlerisches Talent. 1993 entdeckte er dann eine Anzeige für Malferien und damit ein wundervolles Hobby für sich. Dabei konnte er völlig entspannen. Nach anfänglichen Versuchen mit Holz und Speckstein beschäftigte er sich mit Marmor, Granit, Sandstein und Kalksandstein. Mit Mitte 70 kam dann die Freude am Bronzeguss dazu.
Mit dem Alter traten leider auch Krankheiten in sein Leben. Er beklagte sich nie, selbst dann nicht, als er mehrfach gegen den Krebs kämpfte. Am 16. Juni 2026 schloss er mit 85 Jahren für immer die Augen.
Wolfgang L. Obleser war ein kreativer Künstler, empathischer Macher, mutiger Unternehmer und leidenschaftlicher Verleger – vor allem war er aber ein Mensch mit einem riesengroßen Herzen.

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.