Fasten heißt loslassen
Verzicht ist Frühjahrsputz für den Körper und die Seele

Fasten beschränkt sich nicht nur auf Fleisch.

Offenburg (tf). Seit Aschermittwoch gilt wieder die Fastenzeit – aber was bedeutet Fasten eigentlich? "Die Motivation zum Fasten ist individuell und vielschichtig", sagt Heilpraktikerin Claudia Nadler. "Die Einen fasten um den Winterspeck loszuwerden. Andere wünschen sich eine Auszeit vom Alltag, suchen neue Impulse für Veränderungen ihres Lebensstils und/oder Ernährungsweise. Und wieder andere fasten zur inneren Reinigung und bringen dabei ihre Wohnung auf Hochglanz."

Eine gewisse Zeit auf feste Nahrung zu verzichten reinigt den ganzen Körper. "Die Werte von Blutzucker und Harnsäure kommen wieder in den Normalbereich, Herz und Kreislauf werden entlastet, Verspannungen, Kopfschmerzen, Migräne und Schlafstörungen können sich verbessern", so Nadler. Fasten als Frühjahrsputz für die Seele hat eine lange Tradition. In den christlichen Kirchen ist die Fastenzeit der 40-tägige Zeitraum zur Vorbereitung auf Ostern.

"Auf dieses wichtigste Fest der Christen muss man sich auch innerlich vorbereiten, sonst wird die lösende und befreiende Botschaft dieses Festes flach", erklärt Pastoralreferent Marcel Oertwig. In der heutigen Zeit geht es vielen Menschen nicht in erster Linie um Buße, sondern um das Überprüfen von Gewohnheiten, die einen im Alltag gefangen nehmen. Die Fastenzeit eröffnet die Möglichkeit zu sich selbst zu kommen und kann dem Konsummenschen helfen auf etwas zu verzichten, das nicht so leicht fällt.

So ist Fasten als Weg zu einer neuen Freiheit zu verstehen, vom Loslassen eingeschlichener Gewohnheiten. Eine gewisse Zeit auf etwas zu verzichten weitet den Blick und macht den Weg frei für neue, unbekannte Möglichkeiten. "Welcher Luxus ist eigentlich überflüssig, auf welchen kann ich verzichten, ist eine wesentliche Fragestellung in der Fastenzeit", erklärt Ruth Scholz, Dekanatsreferentin im Dekanat Offenburg-Kinzigtal. Das gilt nicht nur für Fleischkonsum, sondern beispielsweise auch für den Verzicht auf das Auto. "Die Fastenzeit will den Blick weiten auf Dinge die ich tue und die der Gesellschaft schaden", so Scholz.

So wird Fasten zu einer Trainingszeit für die innere Freiheit, schafft ein Umdenken in den alltäglichen Gewohnheiten und lässt den Menschen nach neuen Wegen suchen. Wenn auf das Auto verzichtet wird, kann der Arbeitsweg mit dem Fahrrad oder dem ÖPNV zurückgelegt werden. Dabei können sich neue Perspektiven ergeben. Statt jeden Abend vor dem Fernseher zu sitzen, müssen neue Beschäftigungen für die Abendgestaltung gefunden werden die zu einem neuen Familiengefühl führen können. Statt auf Facebook virtuelle Freunde zu treffen, einfach mal mit echten Freunden Zeit verbringen.

"Fasten gibt Impulse zur Veränderung, schafft ein positives Verzichterlebnis in einer Konsumgesellschaft und trägt zur Seelenpflege bei", so die Heilpraktikerin Claudia Nadler. "Seelenpflege könnte sein: ein gutes Buch zu lesen, schöne Musik zu hören, zu Meditieren oder auch in die Natur zu gehen und mit allen Sinnen wahrzunehmen." Doch alte Gewohnheiten lassen sich oft nur schwer verändern. Die Schokolade lockt, der Kollege bringt Kuchen mit, der Fernsehapparat ist schnell eingeschaltet. "Beim Fasten geht es auch immer wieder um das neu beginnen, um eine neue Chance", so Scholz. "Nach einem Ausrutscher beginnt man einfach wieder von vorn. Auch dies ist die Botschaft von Ostern."

Auch außerhalb der österlichen Fastenzeit ist ein Verzicht auf Nahrung oder schlechte Gewohnheiten möglich. "Fasten reinigt nicht nur den Körper, es geht auch immer um geistige und seelische Reinigung", betont Oertwig. "So wie der Frühling alles erneuert, so will die Fastenzeit den Menschen innerlich erneuern."

Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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