Mercosur-Abkommen
Auch die Ortenau will vom Freihandel profitieren
- Der Handel soll mit dem Mercosur-Abkommen in Zukunft erleichtert und damit angekurbelt werden.
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Ortenau Nach rund einem Vierteljahrhundert Verhandlungen wird das Handelsabkommen zwischen den südamerikanischen Mercosur-Staaten und der Europäischen Union kommen.
Potential
Auch die Black Forest Power Region will von dem neuen Freihandelsabkommen profitieren und hat bereits in der jüngeren Vergangenheit ihre Fühler dorthin ausgestreckt. "Wir haben in Südamerika bereits wichtige und sehr gute Erfahrungen gemacht. Im Jahr 2023 haben wir uns mit der ersten nectanet-Wirtschaftsdelegation nach Brasilien auf den Weg gemacht. Vier der rund 30 teilnehmenden Unternehmen sind heute in Brasilien aktiv", sagt Dominik Fehringer, Geschäftsführer des Wirtschaftsverbandes nectanet, auf Guller-Nachfrage. Für ihn eröffnen sich mit dem Abkommen und dem damit einhergehenden Abbau von Zöllen und vereinfachten Marktzugängen sowie den verlässlicheren Rahmenbedingungen für Investitionen für die heimischen Unternehmen erhebliche strategische Chancen.
Aus seiner Sicht könnten vor allem die Branchen Maschinen- und Anlagenbau, die Elektro- und Energietechnik, Automotive-Zulieferer, Umwelt- und Energielösungen sowie die Medizintechnik von dem Abkommen profitieren. "Diese Branchen sind in unserer Region stark vertreten und verfügen über genau die Technologien, die in den Mercosur-Staaten – insbesondere in Brasilien – stark nachgefragt werden", so Fehringer. Südamerika sei ein Zukunftsmarkt mit einem enormen Potential. "Genau deshalb ist es richtig, dass wir als Wirtschaftsförderung Unternehmen dabei unterstützen, diesen Markt kennenzulernen", führt er weiter aus.
Was den hiesigen Unternehmen oft noch fehle, sei die Marktkenntnis zu rechtlichen Rahmenbedingungen, kulturellen Unterschieden und lokalen Netzwerken. Herausforderungen für die Unternehmen könnten politische Unsicherheiten, Bürokratie und unterschiedliche Standards sein, so Fehringer.
Landwirtschaft kritisch
Die unterschiedlichen Standards sind es auch, die vor allem von Seiten der regionalen Landwirtschaft am Freihandelsabkommens kritisiert werden. "Das Mercosur-Abkommen ist aus wirtschaftlicher und geopolitischer Sicht wichtig – das erkennen wir ausdrücklich an. Gleichzeitig sehen wir Risiken für die heimische Landwirtschaft, weil das Abkommen Marktöffnungen in Bereichen vorsieht, in denen erhebliche Unterschiede bei Sozial-, Umwelt- und Tierschutzstandards bestehen", betont Bernhard Bolkert, Präsident des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands (BLHV), auf Guller-Nachfrage. Würden Produkte importiert, die unter deutlich anderen Regeln erzeugt werden, gefährde dies die Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Betriebe.
Die hohen Standards und Auflagen beispielsweise im Bereich Düngerrecht, Gewässer- und Artenschutz sowie Tierwohl seien es, die von Politik und Gesellschaft gefordert würden. "Gleichzeitig müssen die heimischen Landwirte sich in einem Markt behaupten, der diese Leistungen nicht honoriert", so Bolkert.
Für die heimischen Betriebe sei zudem die Agrarstruktur in Baden-Württemberg eine besondere Herausforderung. "Die Betriebe sind kleinstrukturiert und haben kaum Möglichkeiten, über Skaleneffekte Kosten zu kompensieren. Es geht daher nicht um große Importmengen, sondern um die Kostenrelationen, die sich aus unterschiedlichen Standards ergeben. Diese Konstellation erhöht den Preisdruck auf heimische Produkte und stellt insbesondere kleinere und familiengeführte Betriebe vor erhebliche wirtschaftliche Herausforderungen", führt er weiter aus.
Von der Politik fordert der Präsident des BLHV unter anderem spürbare Entlastungen für die Betriebe und keine zusätzlichen Auflagen für die europäische Landwirtschaft, solange Importe unter deutlich niedrigeren Standards auf den Markt gelangen dürften. Damit einhergehend sollen die hiesigen hohen Standards besser geschützt werden, damit Verbraucher weiterhin Vertrauen in regionale Lebensmittel haben könnten. "Unser Ziel ist nicht Abschottung, sondern Fairness. Der Handel kann nur dann funktionieren, wenn Regeln für alle gelten", so Bolkert abschließend.




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