Närrischen Brauchtum
Wurzeln reichen bis ins Mittelalter zurück

Das Hausacher Hansele ist eine traditionelle Narrenfigur.
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Mittleres Kinzigtal (cao). Wer nicht mit ihr verwachsen ist kann es kaum nachvollziehen, was ab dem morgigen Schmutzigen Donnerstag über die Hohen Tage passiert. Die Fastnacht, Fasent oder Fasnet lässt mit ihren unterschiedlichen Bräuchen weit ins Mittelalter zurückblicken. Und das erklärt vieles, wenn man sich einzelne Narrenfiguren und Traditionen einmal genauer anschaut. Die Fastnacht entstand im christlichen Jahresverlauf des Spätmittelalters und war von Beginn an ein "Schwellenfest" vor der Fastenzeit, die mit dem Aschermittwoch beginnt und 40 Tage dauert. Daher wurde das Fastnachtstreiben, bei dem über die Stränge geschlagen und alle "Todsünden" ausgelebt wurden, von der Kirche weitgehend toleriert. 

Hausacher Hansele

So ist über das Hausacher Hansele, das zu den markantesten Figuren der schwäbisch-alemannischen Fasent zählt, im Hausacher Narrencodex von José F. A. Oliver nachzulesen, dass sich der Spättlenarro oder Spättlehans im 14. Jahrhundert entwickelte. "Die gotische Zaddeltracht, wurde nach dem großen Krieg durch gelbrote Maskenkleider verdrängt und wird dereinst auch wieder in alter Tracht erscheinen", so aus Gustav Hirts "Mittleres Kinzigtal im Brauchtum" zitiert. Demnach seien vom Spättlenarro getragene Holzlarven, wie sie schon um 1780 zur Maskierung dienten, nur noch einige Stücke vorhanden. Nach Dischs Chronik der Stadt Wolfach zählte Hausach 1789 an beiden Fasentstagen 15 maskierte Köpfe.

"Als Zeichen des vom safrangelben Gift des Teufels infizierten Verleumders war Gelb die Farbe der Ketzer und Juden. Das Rot kennzeichnet das Gewand der babylonischen Hure und steht für Unkeuschheit", wird Fastnachtskenner Jürgen Leibbrand im Codex zitiert. Sein Mi-parti weise ihn als Gefolgsmann des Teufels aus, der grüne Gürtel bedeute Weltlust, die Federn am Hut und Halskrause auf modische Torheiten und damit auf die Todsünde Hochmut hin. Tiersymbole spielen eine wesentliche Rolle. "Auch das hängt mit den Vorstellungen des katholischen Glaubens zusammen", beschreibt José F. A. Oliver. Das Schwein steht im Neuen Testatment allgemein für den sündigen Menschen. Zu einigen Narrenfiguren gehört die Schweineblase "Saubloder".

Hornberger Figur 

Den Teufel selbst stellt eine Hornberger Figur dar. "Die Maske “Hornberger Hörner” erinnert an das Unwesen der Gebrüder Hans und Brun, die im 14.­ Jahrhundert Raubritter auf der Burg Hornberg waren. Diese verbreiteten große Angst und Schrecken in den Schwarzwaldtälern. Nicht selten überfielen ihre als Teufel verkleideten Knechte die Warenzüge der Kaufleute, welche von Straßburg nach Villingen unterwegs waren", heißt es in der Chronik der Hornberger Narrenzunft. Auch Zahlen haben eine Bedeutung. Am 11. November halten die Narrenzünfte ihre Martini-Sitzungen ab. Der Elferrat regiert über die Fastnachtstage. "Die Zahl Elf überschreitet um eines die zehn Gebote und bezeichnet deshalb alle Menschen, die sich außerhalb des Sittengesetzes stellen", so Leibbrand. In Wolfach gibt es gleich drei Elfemessen. Bereits für das Jahr 1543 ist schriftlich belegt, dass man in Wolfach Fastnacht als "heidnische Onsinnigkeit verpoten und abgestellt" hatte. Das Wolfacher Schellenhansel ist die Nachbildung einer "Hanswurstlarve", aus der Zeit um 1780.

"Unsere Fasent ist ohne ihren christlichen Kontext nicht zu erklären. Auch wenn manche Einflüsse zum Teil älteren Datums sind als unsere Religions- und Kulturgeschichte ausweisen, lesen wir das närrische Brauchtum und die damit verbundenen Traditionen fast durchweg vor dem Hintergrund der katholischen Konfession", sagt Oliver.

Autor:

Daniela Santo aus Lahr

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