Die Glosse im Guller
Das Hoffen auf Beitragszahler der Zukunft

Es beeindruckt mich immer wieder, mit welchem Selbstbewusstsein manche Eltern der Allgemeinheit ihre Fruchtbarkeit in Rechnung stellen wollen. So klagten gerade drei Paare vor dem Bundesverfassungsgericht. Sie wollten geringere Renten- und Krankenversicherungsbeiträge zahlen als Kinderlose. Einfach, weil sie Nachwuchs auf die Welt gesetzt haben. Schon klar, ohne Kinder gibt es keine Zukunft. Und natürlich ist jedes Lebewesen ein Gewinn. Letzteres allerdings nicht zwingend im materiellen Sinn. Obwohl die klagenden Eltern ihren Anspruch genau damit begründen wollten.

Privatvergnügen oder Pflicht?

In harter Währung betrachtet, kosten Kinder erst einmal viel Geld. Damit das den Leuten nicht auf die Gebärfreude schlägt, unterstützt die Allgemeinheit Familien in Deutschland kräftig. Beispielsweise sind Schulen kostenlos, es gibt Eltern- und Kindergeld, Bonuspunkte für Erziehungszeiten bei der Rente und der Nachwuchs wird bei gesetzlich Krankenversicherten beitragsfrei mitversorgt. Ich finde das großzügig. Aber ich habe mein Kind damals auch einfach so zum Privatvergnügen bekommen. Darum scheint es inzwischen nicht mehr zu gehen. Wenn ich so verfolge, wie Politiker, Juristen sowie auch manche Mütter und Väter einen "adäquaten finanziellen Ausgleich für den Aufwand von Eltern" fordern, bekomme ich immer ganz große Augen. Da wird sogar auf Euro und Cent ausgerechnet, welchen volkswirtschaftlichen Wert die Elternschaft hat. Ich stelle mir dann immer vor, wie ein Paar müde beim Abendbrot sitzt und er zu ihr sagt: "Ich habe zwar Migräne, wir müssen aber trotzdem schnackseln, Schatzi. Deutschland braucht mehr Kinder."

Kinderbonus und Mengenrabatt

Bei aller berechtigter Sorge um die Zukunft der Rente finde ich es richtig, dass die Verfassungsrichter den größten Teil der eingangs erwähnten Klage abgeschmettert haben. Sie fanden ebenfalls, dass in Sachen Renten- und Krankenversicherung Familien schon stark bevorzugt werden. Nur bei der Pflegeversicherung orderten sie zum bereits bestehenden Kinderbonus noch einen Mengenrabatt. Also je mehr Kinder jemand hat, desto weniger bezahlt er.
Na, dann hoffen wir mal, dass die ganzen Kinderlein als Erwachsene auch wirklich einer entsprechenden Arbeit nachgehen und fleißig in die Pflegeversicherung einbezahlen werden. Oder müssen ihre Eltern sonst die reduzierten Beiträge wieder zurückzahlen? Konsequent wäre es.
Anne-Marie Glaser

Autor:

Anne-Marie Glaser aus Offenburg

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