Fußnote, die Glosse im Guller
Datenschutz im OB-Wahlkampf

Es gibt Dinge, die soll nicht jeder wissen. Wenn man sie doch preisgeben muss, dann möchte man wenigstens darauf vertrauen, dass diese persönlichen Angaben streng vertraulich behandelt werden. Zu solchen hochsensiblen Daten zählt beispielsweise mein Gewicht.

Es gibt nur drei Menschen auf dieser Welt, die es kennen. Ich selbst, ein Arzt und seine Sprechstundenhilfe. Letztere hatte mir damit gedroht, mich nicht als neue Patientin aufzunehmen, wenn ich mich dem Wiegevorgang verweigere. Im Gegenzug musste sie mir beim Leben ihrer ungeborenen Kinder schwören, niemandem jemals das Ergebnis zu verraten.

Anderes darf dagegen jeder wissen, beispielsweise ob ich Oberbürgermeisterin von Offenburg werden möchte. Ich will es nicht. Aber würde ich es werden wollen, dürfte die Stadtverwaltung das völlig offen kommunizieren. Das ist keineswegs selbstverständlich. Deshalb wird derzeit von offizieller Seite nur verraten, ob und wie viele Kandidaten für die anstehende Oberbürgermeisterwahl Bewerbungen abgegeben haben, aber um keinen Preis von wem. Warum nicht? Das verbietet natürlich der Datenschutz! Logisch, es könnte doch sein, ein Kandidat will gar nicht, dass die Wähler von seiner Bewerbung erfahren.

Wenn es um das Thema Datenschutz geht, wundere ich mich inzwischen über gar nichts mehr. Erst recht nicht über sonderbare Entscheidungen in Amtsstuben. So wirklich wissen, was rechtlich richtig ist, tut offensichtlich niemand. Schon gar nicht die Politiker, die Gesetz und Verordnungen durchwinken. Warum sind so viele Mandatsträger Juristen, wenn sie dann nicht mal ihre eigenen Gesetze verstehen? Am Ende muss das dann immer sehr kostspielig von Richtern geklärt werden.
Aber ich will nicht streiten, schon gar nicht mit der Offenburger Stadtverwaltung vor Gericht. Sollen die Bewerber halt anonym bleiben. Ich frage mich nur, wie das auf den Wahlunterlagen gehandhabt werden soll. Steht dort dann Anonymer 1, Anonymer 2, Anonymer 3, Tobias Isenmann, Harald Rau, Marco Steffens.

Ich sehe es schon vor mir, wie bei der großen Kandidatenvorstellung anonyme Oberbürgermeisteranwärter hinter einem Sichtschutz sitzen. Tontechniker verfremden ihre Stimmen, so dass alle wie Micky Maus auf Helium klingen. Bleibt nur zu hoffen, dass der Datenschutz es der Offenburger Stadtverwaltung erlaubt, am Wahlabend den Gewinnernamen bekannt zu geben.
Anne-Marie Glaser

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