Eltern bringen Ratssitzung zum Platzen
Da hat sich was aufgestaut

An der Testpflicht in Kitas stören sich viele Acherner Eltern.
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Achern (mak). Eine etwas andere Gemeinderatssitzung erlebten die Mitglieder und Anwesende am vergangenen Montag. Die eigentlich auf 15 Minuten angesetzte Bürgerfragestunde wurde auf zwei Stunden ausgedehnt und sorgte am Ende dafür, dass die eigentliche Ratssitzung auf den kommenden Montag verschoben werden musste. Was war passiert? Eine Vielzahl von Eltern war in den Bürgersaal im Rathaus Am Markt gekommen, um ihrem Unmut über die ab Mai vorgesehenen und in einem Elternbrief angekündigten verpflichtenden Corona-Tests in Form eines Lolli-Test in den Kindertagesstätten der Stadt Achern Luft zu machen. 

Bei den Eltern hatte sich offensichtlich reichlich Frust aufgestaut, der sich am vergangenen Montagabend in sehr emotionalen - manche Eltern waren den Tränen nahe - Beiträgen entlud. 

Emotionale Debatte

"Wieso bestreitet die Stadt einen Sonderweg", fragte ein Vater. Die Tests sollten die Eltern selber zu Hause durchführen dürfen, forderten etliche Eltern und verwiesen dabei auf die unterschiedliche Handhabung in Oberkirch und Sasbach. "Das Misstrauen gegenüber Eltern geht nicht, wir sollen aber der Verwaltung vertrauen", mahnte eine Mutter an. Eine Mutter aus Oberachern warf die Frage auf, warum nicht die Eltern getestet würden anstatt der Kinder. "Wir haben die Verantwortung und müssen uns testen lassen", sagte sie. Einigen Eltern zweifelten die Logik des Tests vor Ort in der Kita an. "Warum sollen die Kinder in den Einrichtungen getestet werden, nachdem sie Kontakt mit anderen Kindern und Erziehern gehabt haben." In eine ähnliche Richtung ging die Erfahrung einer Mutter, deren Kind in die 7. Klasse geht. Dort würden die Kinder erst nach zwei Stunden Unterricht getestet, nachdem sie Kontakt zu Mitschülern und Lehrern gehabt hätten und bei einem positiven Test würde nur das betroffene Kind nach Hause geschickt. 

In der emotional geführten Diskussion, in der einige Eltern die Aussagekraft der Tests per se anzweifelten und sich Sorgen über etwaige Giftstoffe, die in den Lolli-Test enthalten sein sollen, richtete ein Vater einen Kompromissvorschlag an die Adresse von Oberbürgermeister Klaus Muttach. "Ich wünsche mir von Ihnen, dass Sie Spucktests ordern. Wenn die möglich wäre, wäre vielen Eltern geholfen." Besonders Sorgen machten sich die Eltern über die konkrete Testsituation in der Kita, wenn der Test positiv ausfällt. "Wissen Sie was das mit einem Kind macht, wenn es von der Gruppe abgesondert wird?"

Steigende Zahlen bei Kindern

Nachdem die Eltern ihre Fragen und Statements loswerden konnten, äußerte sich Oberbürgermeister Klaus Muttach. "Die Corona-Pandemie zerrt alle an unseren Nerven und ist einschränkend und belastend. Ich kann die Stimmung, dass man alles Leid ist, nachvollziehen." Es gebe keine Blaupause für den Umgang mit der Pandemie. Corona gebe es und sei eine Gefahr und die Frage sei, wie man damit umgehe. Kontaktreduzierungen und Masken würden das Infektionssgeschehen reduzieren. Er persönlich sei auch für eine Schule ohne Maske, aber für konsequentes Testen. Er verwies in seinem Coronalagebericht zudem auf die steigenden Inzidenzzahlen bei Kinder und Jugendlichen. "In Baden-Württemberg beträgt die Inzidenz bei den Fünf- bis 14-Jährigen 240,5." 

Muttach sprach sich eindeutig für die Testdurchführung in Schulen und Kitas aus und bezog sich auf die Auswertung des Städtetags Baden-Württemberg, die besage, das die Testungen der Eltern keine ausreichende Sicherheit gewährleisten. Würden Kinder aus weniger kooperativen Familien "durchrutschen", würden diese andere genauso anstecken wie ohne Testverpflichtung. Außerdem betonte er, dass die Eltern die Testung von Ort in der Kita zusammen mit ihren Kind durchführen könnten.  

Spucktests erteilte der OB eine Absage. Diese seien von den Leiterinnen der Kitaeinrichtungen aus hygienischen Gründen nicht gewünscht. "Wir halten die Lolli-Tests für kindgerecht", so der OB. Ihm gehe es vor allem darum, die Schulen und Kitas so lange wie möglich offen zu halten. "Wenn wir Schulen und Kitas schließen müssen, ist der Kollateralschaden weitaus größer. Die Betreuung ist sehr wichtig." Am Mittwoch treffen sich auf Vorschlag von OB Muttach die Verwaltung und die Elternbeiräte.

Autor:

Matthias Kerber aus Offenburg

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