Ausstellung in Baden-Baden
Frauen, Vögel und Tricktechnik

Nathalie Djurberg & Hans Berg, Hungry Hungry Hippoes, 2007
  • Nathalie Djurberg & Hans Berg, Hungry Hungry Hippoes, 2007
  • Foto: Nathalie Djurberg / VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Courtesy the artists, Gio Marconi, Milan, and Lisson Galler
  • hochgeladen von Daniela Santo

Baden-Baden (st). Mit der aktuellen Präsentation erweitert der Salon Berlin im Museum Frieder Burda seine Ausstellungsfläche und initiiert eine außergewöhnliche Korrespondenz. Die mit hypnotischen Soundtracks unterlegten Animationsfilme und Installationen des schwedischen, in Berlin lebenden Künstlerpaares Nathalie Djurberg und Hans Berg begegnen einigen ausgewählten Arbeiten aus dem Spätwerk Willem de Koonings, eines Meisters des Abstrakten Expressionismus und der amerikanischen Nachkriegskunst.

Djurbergs und Bergs „schreckliche“ Frauen, Verführerinnen, Dämonen, Hexen oder Übermütter erinnern an de Koonings berühmten „Woman“–Zyklus aus den frühen 50er-Jahren. Wie auch bei de Kooning bildet der künstlerisch transformierte und deformierte Körper den Zugang zu unterdrückten psychischen Zuständen – allerdings unter völlig unterschiedlichen Vorzeichen. Djurberg nutzt die Deformation, um ganz bewusst die Rollenbilder und Machtverhältnisse in einer männlich dominierten Welt zu reflektieren. Den Auftakt der Ausstellung bilden Werke aus der Installations-Serie „A Thief Caught in the Act (Flock of Birds)“ von 2015. Unterschiedliche von Djurberg modellierte Vögel sind gerade dabei, bunte Pillen zu stehlen. In Intervallen werden sie wie bei einer Polizeikontrolle von Scheinwerfern angestrahlt, der Besucher wird quasi zum Tatzeugen eines verbotenen Akts der Lustbefriedigung. Der zweite Teil der Ausstellung ist der Begegnung mit de Kooning gewidmet. Er beginnt mit einer zwischen den 60er- und 80er-Jahren entstandenen Zeichnungsserie aus der Sammlung Frieder Burda, in der de Kooning die wuchtigen Frauenmotive seiner berühmten „Woman“-Gemälde auf gestische Kompositionen von erstaunlicher Leichtigkeit reduziert. Ihnen gegenübergestellt werden die fleischigen, übergewichtigen Figuren aus Djurbergs und Bergs Animationsfilm „Hungry Hungry Hippoes“ (2007), der gemeinsam mit früheren Werken des Duos im zweiten Ausstellungsraum gezeigt wird. Die Filme korrespondieren mit zwei bedeutenden Werken aus der Sammlung Frieder Burda: De Koonings spätem Gemälde „Untitled X“ (1976) und seiner Bronzeskulptur „Large Torso“ (1974), in der die Bezüge zu Djurbergs in stetiger Verwandlung begriffenen Knetfiguren evident werden. In beiden Fällen wird das Innere nach außen gekehrt – mitsamt den unbewussten Abgründen.

Info: Die Ausstellung "Nathalie Djurberg & Hans Berg" im Museum Frieder Burda in Baden-Baden ist noch bis zum 30. September zu sehen. Öffnungszeiten sind von Donnerstag bis Samstag jeweils von 12 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos. Weitere Infos gibt es unter www.museum-frieder-burda.de.

Autor:

Daniela Santo aus Lahr

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