Achertäler Eisenbahnverein muss den Betrieb einstellen

Beim Dorfbrunnenfest Ende Juli in Ottenhöfen wird der historische Dampfzug noch einmal in Betrieb genommen.
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Achertal. Nur noch zwei Mal werden die Kessel unter Dampf gesetzt, kräftig in die Trillerpfeife
gepustet und aufgeregte Fahrgäste zum Einsteigen aufgefordert. Denn zum
1. Juli muss der Achertäler Eisenbahnverein seinen Dampflokbetrieb
zwischen Ottenhöfen und Achern einstellen – vorerst auf unbestimmte Zeit.

Grund dafür ist, dass die Lok 20 dann zur Fahrwerksuntersuchung muss, die SWEG aber selbst die bisher vom Verein genutzte Wartungshalle in Ottenhöfen braucht. „Für unsere regelmäßigen
Hauptuntersuchungen und Wartungen brauchen wir eine Halle, die uns nun
auf lange Sicht in Ottenhöfen nicht mehr zur Verfügung steht“, bedauert
der Vereinsvorsitzende Bernd Roschach. Zwar habe die SWEG dem Verein
einen Lokschuppen in Schwarzach angeboten. „Den könnten wir aber nur
improvisationsweise nutzen für eine Hauptuntersuchung, die dort sehr
zeitaufwändig wäre, aber nicht für Reparaturen im laufenden Betrieb“, erklärt Roschach.

Zusammen mit seinen Vereinskollegen wünscht er sich, eine Unterstellmöglichkeit mit Werkstatt im Achertal zu finden. „Das könnte zum Beispiel eine historische Halle sein, aber auch in der
still gelegten Glashütte in Achern gibt es umfangreiche Gleisanlagen“,
so Roschach. Sein primäres Bestreben sei es, den Dampfzug im Achertal zu
behalten. „Wenn aber alle Stricke reißen, müssen wir auch andere Möglichkeiten prüfen.“

„Zeitnah“, so Ottenhöfens Bürgermeister Hans-Jürgen Decker, der sich federführend der Sache angenommen hat, „werden sich die Stadt Achern, die Gemeinden Kappelrodeck, Ottenhöfen
und Seebach sowie die Verantwortlichen der SWEG und des Achertäler
Eisenbahnvereins zu einem Gespräch zusammensetzen, um
Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten.“ Denn, so Decker, gehöre die
Eisenbahnlinie Achern-Ottenhöfen, die im Jahr 1898 eröffnet wurde, zum
Tal wie die Menschen, die hier wohnen. Acherns Oberbürgermeister Klaus
Muttach ist sich nach eigenen Aussagen mit seinem Kollegen Decker einig,
dass der Achertäler Dampfzug als Aushängeschild und
Alleinstellungsmerkmal aus touristischer wie auch historischer Sicht dem
Achertal erhalten bleiben soll.

Auch dem Ortenaukreis liegt sehr viel an der Erhaltung des Achertäler Dampfzugs, insbesondere unter touristischen Aspekten. „Dieses Thema hat Landrat Scherer kürzlich im
Rahmen eines Gemeindebesuchs in Ottenhöfen mit Bürgermeister Decker
besprochen. Es wurde im Rahmen dieses Gesprächs abgestimmt, wie man die
erhaltenswerte und touristisch wertvolle Attraktion in Zukunft auf
sichere Beine stellen kann“, heißt es aus der Pressestelle des Landratsamts.

Indes ist Dollenberg-Hotelier Meinrad Schmiederer auf eine ganz andere Idee gekommen: Er wirft die Frage auf, warum die Dampflok nicht auch im Renchtal fahren könnte. „Ich sehe die
Wichtigkeit, den Zug zu erhalten. Vielleicht muss man ihn dafür aber
großflächiger fahren lassen.“ Auch gebe es im Renchtal die Möglichkeit,
an leeren Gleisen einen Lokschuppen zu errichten – wie etwa am Bahnhof
von Bad Griesbach. Das zu finanzieren sei dann Aufgabe der Talgemeinden.

Autor: Daniela Räubig-Santo

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