Auf dem Kahn nach Straßburg
Mittelalterliche Hirsebreifahrt in Kehl

Die Gesellschaft auf dem Weg von Zürich nach Straßburg | Foto: Copyright: JF. BADIAS pour Strasbourg Eurométropole
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Kehl (st) Ein besonderer Anblick bietet sich am Samstag, 22. August, auf dem Kehler Rheinabschnitt: Voraussichtlich um die Mittagszeit werden vier Langschiffe mit insgesamt 90 Personen in mittelalterlichen Gewändern an Bord unter den Kehler Brücken hindurch zum Yachthafen fahren, wo sie für eine Mittagspause vor Anker gehen, teilt die Stadt Kehl mit. Gestartet sind sie am Mittwoch, 19. August, um die Mittagszeit in Zürich. Die Fahrt geht auf einen im Mittelalter zwischen Zürich und Straßburg geschlossenen Beistandspakt zurück. Im Mittelpunkt steht dabei ein großer Topf mit heißem Hirsebrei. Während in Kehl nur ein kurzer Zwischenstopp stattfindet, wird in Straßburg das ganze Wochenende über mit einem bunten Programm gefeiert.

Die Geschichte

Man schrieb das Jahr 1456, als die beiden freien Städte Zürich und Straßburg ein Schutzbündnis vertraglich besiegelten. Um zu beweisen, wie schnell sie Straßburg zu Hilfe eilen können, wetteten junge Zürcher, dass sie in weniger als 24 Stunden vor Ort sein werden. Als Beweis packten sie einen mit Lehm und Stroh umwickelten Topf mit heißem Hirsebrei auf ihr Boot – der Legende zufolge soll der bei der Ankunft 20 Stunden später noch so heiß gewesen sein, dass der erste Straßburger, der davon probierte, sich die Lippen verbrannte. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs haben die beiden Städte daraus ein wiederkehrendes Ereignis entwickelt, um ihre im Mittelalter begründete Beziehung zu pflegen: Alle zehn Jahre machen sich die Langboote seither aus Zürich auf den Weg nach Straßburg – und dabei darf der Hirsebrei natürlich nicht fehlen.
Allerdings geht die Fahrt deutlich langsamer vonstatten als 1456. Drei volle Tage sind die Langboote unterwegs und machen Station im schweizerischen Baden, in Rheinfelden und in Breisach, wo Besatzung und Passagiere jeweils übernachten. Bis Kehl sind die Boote gute 20 Stunden auf dem Wasser, auf einem Teil der Strecke wird tatsächlich gerudert. Vom Yachthafen, wo ein Mittagessen stattfindet, bei dem die Gesellschaft vom Kehler Beigeordneten Thomas Wuttke begrüßt wird, dauert die Fahrt durch die Nordschleuse bis zum Straßburger Fischmarkt, Place du Marché-aux-Poissons, noch einmal fast eineinhalb Stunden.
Die Reisedauer hat selbstredend auch Auswirkungen auf den Hirsebrei: Während er bei der letzten Hirsebreifahrt 2016 im damaligen Restaurant in der Villa Schmidt gekocht und dann auf die Boote verfrachtet wurde, wird er in diesem Jahr mit dem Bus angeliefert, mit dem auch die 25 Zunftmeister am Samstag Kehl erreichen. Die Organisatoren der Fahrt stellt der Brei alle zehn Jahre vor Herausforderungen, weil hier die Zollbestimmungen zu beachten sind. Vor zehn Jahren konnte die Hirse als Pferdefutter eingeführt werden, weil der Brei erst in Kehl gekocht wurde. Für den fertigen Brei, der nicht als Tierfutter durchgeht, gelten andere Bestimmungen, berichtet Conradin Hürlimann vom Züricher Organisationskomitee der Hirsebreifahrt. Womöglich sind Zollgebühren zu entrichten.
Welche Bedeutung die Hirsebreifahrt für die fünf Zürcher Gesellschaften (Limmat-Club Zürich, Zunft zur Schiffleuten, Schützengesellschaft Zürich, Stadtmusik Zürich, Bogenschützen Zürich) sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport hat, zeigt der Umstand, dass in diesem Jahr eines der Langschiffe ersetzt werden musste. Kostenpunkt: 250.000 Franken. Mitte Juni wurde das neue Boot, das auch mit einer Kanone für Salutschüsse ausgestattet ist, getauft.
In Straßburg wird zwei Tage gefeiert: Am Samstag starten die Feierlichkeiten um 15.15 Uhr, am Sonntag geht es um 10 Uhr mit einem Fischerstechen weiter.

Die Gesellschaft auf dem Weg von Zürich nach Straßburg | Foto: Copyright: JF. BADIAS pour Strasbourg Eurométropole
Der Hirsebrei wird ausgeteilt. | Foto: Copyright: JF. BADIAS pour Strasbourg Eurométropole

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