Neues System im Einsatz in Kehl
Straßenzustand wird digital verfasst
- Mit einem besonderen Handy wird in Kehl der Straßenzustand erfasst.
- Foto: Stadt Kehl
- hochgeladen von Christina Großheim
Kehl (st) Reflexionsschutz auflegen, Handy in die Halterung klipsen, Wetterbedingungen einstellen und los geht’s: Mit einer Geschwindigkeit von maximal 30 Stundenkilometern steuert Daniel Köbel den Dienstwagen des städtischen Bereichs Tiefbau durch die Straßen von Odelshofen. Jede einzelne Straße fährt er einmal rauf und einmal runter. Nach einer guten halben Stunde sind 1.489 Fotos auf dem Handy gespeichert, schreibt die Stadt Kehl in einer Pressemitteilung. Diese dokumentieren den exakten Straßenzustand vom Schlagloch bis zum Haarriss im Belag – ebenso wie die zugewucherte Straßenleuchte. Menschen und Kennzeichen von Autos, die an den Straßenrändern geparkt sind, sind auf den Fotos verpixelt.
Alle fünf Meter macht die Kamera des speziellen Handys ein Bild. Entdeckt Daniel Köbel Besonderheiten, während er mit dem E-Auto durch die Straßen rollt, kann er mit einem Knopf am Lenkrad zusätzliche Fotos auslösen. Zum Beispiel, wenn eine Hecke stark in einen Gehweg hineinwuchert. Bei größeren oder gefährlichen Straßenschäden informiert er den Betriebshof sofort und schickt ein Foto mit exakten Standortdaten.
Erfolgreiche Probezeit
Vialytics heißt das neue System, das seit Juni bei der Stadt eingesetzt wird und Daniel Köbel schon in der kurzen Erprobungszeit überzeugt hat. Etwa 35 Minuten hat die Befahrung aller Straßen in Odelshofen gedauert, eineinhalb Stunden hat er in Bodersweier gebraucht, zwei Stunden und 45 Minuten in Auenheim. Dort sind in diesem Zeitraum mehr als 7.000 Fotos entstanden. Zu Fuß oder mit dem Motorroller war er früher einen ganzen Tag allein in Bodersweier unterwegs.
Das System sorgt auch dafür, dass keine Straße vergessen werden kann: Auf der Karte, welche das Handydisplay anzeigt, wird jede Straße, die erfasst ist, blau markiert. Ob Daniel Köbel das Dienstauto durch ein Wohngebiet oder über einen Wirtschaftsweg lenkt, erkennt Vialytics treffsicher. Unebene Schachtdeckel werden ebenso miterfasst wie jede noch so kleine Flickstelle oder wieder geschlossene Aufgrabungen, zum Beispiel fürs Verlegen von Leitungen.
Schulnoten für Zustand
Zurück im Technischen Rathaus lädt Daniel Köbel die gesammelten Bilder auf seinen PC und startet dann die Auswertung: Vialytics vergibt Schulnoten von eins bis fünf für den Zustand der gesamten Straße, aber auch für jeden kleinen Abschnitt, je nachdem, was Daniel Köbel am Bildschirm anwählt. Das Programm sortiert die Straßenabschnitte dann in die grüne, gelbe oder rote Kategorie ein. In dieser „unabhängigen Analyse“ sieht Daniel Köbel einen großen Vorteil: Das System ist komplett neutral, betrachtet allein den Straßenzustand und lässt sich durch die Qualität der Wohngegend nicht beeinflussen. Anhand der Klassifizierung wird der Bereich Tiefbau eine Prioritätenliste für die Straßensanierung erstellen – welche Straßen schlussendlich repariert oder neu gemacht werden, entscheidet der Gemeinderat.
Als Mitarbeitende des Bereichs Tiefbau den Straßenzustand durch Begehungen erfasst haben, mussten die Notizen, die sie sich dabei machten, anschließend in den PC getippt und bewertet werden. Auch hier spart das Programm sehr viel Zeit. Bei erneuten Befahrungen von Straßen kann Daniel Köbel nun alte und neue Bilder übereinanderlegen und sieht die Veränderungen sofort.
Darüber hinaus wird das Verfahren zur Beweissicherung genutzt – beispielsweise, wenn große Bauvorhaben bevorstehen und die Zufahrt über öffentliche Straßen erfolgt. „Dann fahren wir den entsprechenden Straßenabschnitt vor Baubeginn ab“, sagt Daniel Köbel, „und während der Bauzeit etwa im Vier-Wochen-Rhythmus“. Auf diese Weise können eventuelle Schäden zeitnah festgestellt werden und am Ende ist einfacher, den jeweiligen Bauträger dazu zu verpflichten, den ursprünglichen Straßenzustand wiederherzustellen.
Nebeneffekte
Bei der Befahrung der Straßen nimmt das System auch den Bewuchs an den Seitenrändern mit auf. Während bislang meist Nachbarn ausufernde Hecken oder überwachsene Straßenlaternen gemeldet haben, die bei den Straßenbegehungen nicht entdeckt wurden, kann Daniel Köbel jetzt im Bedarfsfall sofort handeln: Sieht er den Einsatz der Heckenschere irgendwo als dringend geboten an, „dann steige ich aus und klingle an der Tür“, berichtet der gelernte Gärtner. Ist niemand zu Hause, wirft er eine kurze Nachricht in den Briefkasten, mit der Aufforderung, das den Gehweg beeinträchtigende Grün zu beseitigen.
Bis etwa Anfang Oktober dürften alle Straßen im gesamten Stadtgebiet, also einschließlich der Ortschaften, mit Vialytics erfasst und ausgewertet sein, schätzt Daniel Köbel. Im Anschluss kann dem Gemeinderat die Übersicht über die Qualität des Straßennetzes vorgelegt werden.





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