Wolfgang Schäuble und der 9. November
Die Maueröffnung wirkte wie ein Wunder

Bundestagspräsident Dr. Wolfgang Schäuble gestaltete die Wiedervereinigung aktiv mit.
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  • Foto: Laurence Chaperon
  • hochgeladen von Christina Großheim

Ortenau. Dr. Wolfgang Schäuble vertritt seit 1972 die Ortenau im Bundestag. Ein einfacher Abgeordneter war er nie, Schäuble machte als Regierungsmitglied Weltpolitik. Als Bundesinnenminister erlebte er die Öffnung der Berliner Mauer vor 30 Jahren hautnah mit.

Herr Schäuble, wissen Sie noch, wo Sie am 9. November 1989 waren, als die Mauer sich öffnete?
Ja, sogar sehr gut. Ich nahm als Bundesinnenminister im Kanzleramt an einer Besprechung teil, zu der Kanzleramtsminister Rudolf Seiters eingeladen hatte. Es ging darum, welche Hilfen die Bundesregierung für die wachsende Zahl der Flüchtlinge aus der DDR leisten konnte. Mitten in der Besprechung platzte ein Abteilungsleiter des Kanzleramts herein und brachte die Agenturmeldung von der Öffnung der Grenze mit. Wir sind dann sofort hinüber in den Deutschen Bundestag gegangen, wo Vertreter aller Fraktionen spontane Erklärungen abgaben. Dann wurde das Deutschlandlied angestimmt. Es war ergreifend.

Als Sie davon hörten, was war Ihr erster Gedanke?
Wir hatten ja immer wieder lernen müssen, dass eine Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas an dem Risiko eines Weltkriegs scheiterte. So wirkte das alles, trotz aller spürbaren Veränderungen, wie ein Wunder.

Veränderung lag in der Luft

Wie haben Sie die Wochen vor dem Fall der Mauer erlebt?
Als Innenminister hatte ich einen guten Blick auf die wachsende Zahl der Flüchtlinge, wir spürten, dass in der DDR hinter der bröckelnden Fassade nichts mehr zu halten war. Von Honecker zu Krenz war keine Veränderung. Die DDR war heruntergewirtschaftet. Wir spürten, dass die sozialistische Diktatur nicht mehr lange überleben konnte. In Russland hatte Gorbatschow Öffnung und Veränderung angekündigt.

Wann wurde Ihnen klar, dass die Wiedervereinigung bevorsteht?
Das Gefühl war schnell da, aber es galt Ruhe zu bewahren, um die aufgewühlte Stimmung nicht zusätzlich anzuheizen. Als die Rufe bei den Demonstrationen in der DDR von "Wir sind das Volk" auf "Wir sind ein Volk" wechselten, war klar, dass die Einheit der richtige Weg ist.

Feierliche Unterzeichnung

Wie haben Sie damals die Verhandlungen erlebt?
Meine Aufgabe war die Zusammenführung der Rechtssysteme im Einigungsvertrag. Wir hatten Delegationen mit Fachleuten aus allen Ministerien gebildet. Für die DDR sprach der Innenminister und CDU-Fraktionsvorsitzende Günther Krause, mit dem man exzellent zusammenarbeiten konnte. Der Vertrag zur Deutschen Einheit wurde in wenigen Monaten gemeinsam erstellt und von Günther Krause und mir am 31. August 1990 im Berliner Kronprinzenpalais feierlich unterzeichnet.

Denken Sie, dass politisch alles richtig gemacht wurde?
Man konnte nur nach vorne schauen und planen. Rückblickend ist man oft mit der Frage konfrontiert, ob man manches nicht hätte anders machen sollen. Aber ich erinnere mich genau an die große Energieleistung, die damals von den staatlichen Stellen, von den Unternehmen und vor allem von den Bürgerinnen und Bürgern erbracht wurde. Aus heutiger Sicht behaupte ich sogar, dass vieles noch besser gekommen ist, als wir es uns damals vorstellen konnten.

Den Frieden erhalten

Was wünschen Sie sich für Ihr Land und dessen Bürger?
Wir leben 30 Jahre nach dem Mauerfall mitten in einem friedlichen Europa ohne feindlich gegenüber stehende Soldaten und ohne Atomraketen als Bedrohungsszenario. Ich wünsche uns, dass uns das immer im Bewusstsein bleiben wird und wir nie wieder Krieg auf unserem Kontinent haben werden.

Autor:

Christina Großheim aus Offenburg

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