Landrat Scherer in den Reben
Besuch auf dem Weingut Franckenstein

Landrat Frank Scherer (l.) durfte selbst einige Trauben ernten.
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Offenburg (gro). Mitten in Reben von Zell-Weierbach verschafft sich Landrat Frank Scherer am Donnerstag, 10. September, im Gespräch mit Winzer Stefan Huschle einen Eindruck über die Themen, die die Weinbauern derzeit bewegen. Nach einer kurzen Vorstellung des Weinguts Freiherr von und zu Franckenstein sind Winzer und Landrat schnell beim Fachsimpeln. "Wir sind mit einem blauen Augen durch die Corona-Krise gekommen", verrät Stefan Huschle. Dies liege am Vermarktungskonzept des Weinguts: Rund ein Drittel der Erzeugnisse würden von Privatkunden gekauft, ein Drittel gehe in den Fachhandel und ein Drittel werde durch die Gastronomie geordert. "Uns hat die Privatkundschaft durch den Lockdown gerettet", macht Huschle deutlich. "Natürlich ist der Verkauf etwas aufwändiger, aber es lohnt sich. Vor allem, wenn wir direkte Rückmeldungen zu unseren Produkten bekommen."

Das Weingut Franckenstein gehört dem Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) an. "Wenn man den Traubenadler auf der Flasche tragen darf, ist das schon eine Auszeichnung", erklärt Huschle die Bedeutung. Denn VDP-Weingüter würden nach einer Bewerbung in  den Verband berufen werden. "Wer Mitglied werden will, wird genau geprüft", so Huschle. Dies gelte auch für die Mitgliedsunternehmen, die sich regelmäßigen Blindverkostungen und Betriebsprüfungen stellen müssten. Seit 2012 setzt der Verband nicht mehr auf die klassischen deutschen Qualitätseinstufungen "Kabinett" und "Spätlese", sondern auf die Vermarktung unter dem Begriff des Terroirs - also der Lage. "Für mich als Winzer ist das besser", findet Stefan Huschle. "Der Kunde erfährt eine klare Herkunft." 

Eine Umstellung, die auf andere Weinbaubetriebe noch zukommt. Denn erst vor kurzem hat das Bundeskabinett die Änderung des Weingesetzes beschlossen, die genau diese Herkunftsbezeichnung künftig in den Mittelpunkt stellt. Für Huschle ist dies ein richtiger Schritt. Weinbauberater Johannes Werner erklärt, dass die in der Novelle enthaltene Übergangsfrist gerade für Winzergenossenschaften mit ihrem Auszahlungssystem wichtig sei: "Ich halte es für gut, dass sich die Weingüter und Genossenschaften von dem System, die Qualität des Weins nach dem Zuckergehalt zu bestimmen, abwenden."

"Ich finde, es ist eine Riesenchance, dass wir uns noch stärker mit dem Tourismus verbinden können", bringt Stefan Huschle ein weiteres Argument in die Diskussion ein, das gerne von Landrat Scherer aufgegriffen wird. "Als Vorsitzender der Schwarzwald-Tourismus habe ich mich ja dafür stark gemacht, den Wein stärker zu vermarkten", so Scherer, der an die Wiederbelebung der Badischen Weinstraße und der Einrichtung des Badischen Weinradwegs erinnert. Nach seiner Meinung würden alle Winzer der Region davon profitieren, wenn die Vermarktung der Gewächse stärker unter dem Begriff Baden und vor allen Dingen gemeinsam erfolgen würde. 

"In Offenburg könnte kein Weinbaubetrieb allein überleben", stellt Huschle fest. "Nur gemeinsam können wir etwas erreichen. Das hat die Zusammenarbeit aller Offenburger Weinbaubetriebe während des Lockdowns gezeigt. Wir hatten  zusammen das 'Stay-at-home"-Paket aufgelegt. Das haben wir in wenigen Tagen gestemmt und es ist sehr gut gelaufen", bringt der Winzer ein Beispiel. "Durch die Corona-Krise sind wir viel flexibler geworden und sind auf neue Ideen gekommen."

Ein weiteres Thema, für das sich Frank Scherer interessiert: Wie ist der Betrieb mit den Auflagen für Saisonarbeiter umgegangen. "Jetzt im Herbst war es weniger problematisch als im Frühjahr. Unsere Lesemannschaft aus Rumänien durfte nicht über Land reisen, also haben wir Flugreisen gebucht", erklärt Huschle. Was ihn ärgert: In anderen Branchen wurde dies nicht verlangt. "Für uns bedeutete das natürlich einen höheren Kostenfaktor, aber wir waren froh, dass sie überhaupt gekommen sind." Denn das Weingut arbeitet seit Jahren mit den gleichen Helfern zusammen. "Wichtig ist, dass jetzt nichts in Bezug auf Corona kommt. In diesem Fall wäre der Betrieb lahmgelegt. Das wäre eine Katastrophe", hofft Huschle.

Dann geht es an die Arbeit: Und Landrat Scherer greift selbst zur Rebschere. An diesem Tag wird Spätburgunder in einer der Spitzenlagen des Weinguts bei der Wolfsgrube in Zell-Weierbach geerntet. Unter der Anleitung von Stefan Huschle entfernt Scherer die Beeren, die nichts in einem Wein der Bezeichnung "Großes Gewächs" zu suchen haben. Als Belohnung für die Mühe darf der Landrat bei einem Besuch im Weingut den dort erzeugten Wein versuchen.

Autor:

Christina Großheim aus Offenburg

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