Wald leidet unter der Trockenheit
Eschentriebsterben setzt Offenburger Forst zu

In Offenburg gibt es sehr unterschiedliche Waldarten.
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Offenburg (st). Der Zustand des Stadtwalds bereitet zunehmend Sorgen: Gründe dafür sind das Eschentriebsterben und die anhaltende Trockenheit. „Wir bemühen uns um Schadensbegrenzung“, sagt Joachim Weißhaar. Der 49-Jährige ist gemeinsam mit Andreas Broß Forstrevierleiter bei den Technischen Betrieben (TBO).

Der Stadtwald erstreckt sich von Hohnhurst im Westen bis zum Brandeckturm im Osten, von Windschläg im Norden bis Zunsweier im Süden und bringt es auf eine Fläche von 2286 Hektar. Während im Auwald vor allem Stil- und Roteiche, Hain- sowie Rotbuche und Buntlaubhölzer wie Esche und Bergahorn wachsen, bilden im Bergwald Nadelholz wie Fichte, Tanne, Douglasie und Kiefer sowie Buche und Traubeneiche die Hauptbaumarten.

Zehn-Jahres-Plan für Bewirtschaftung

Für den Zeitraum von zehn Jahren erstellt die Forstdirektion Freiburg, die beim Regierungspräsidium angesiedelt ist, ein Forsteinrichtungswerk, in dem beschrieben wird, wie der Wald bewirtschaftet werden soll. „Dieser Leitfaden bildet die Grundlage unserer Arbeit“, so Weißhaar. Die gesamte Fläche ist untergliedert in Distrikte und Abteilungen, der jährliche Einschlag beträgt rund 15 000 Festmeter.

Als Hauptaufgaben bezeichnet der gebürtige Gengenbacher den Erhalt des Waldes und die Erzeugung des hochwertigen und nachhaltigen Produkts Holz. Seit 2012 bereitet das Eschentriebsterben Sorgen: Ein Pilz befällt die Bäume, lediglich zwei bis drei Prozent gelten alsresistent, der Rest wird in den nächsten zehn Jahren ausfallen. Bevor die Bäume absterben, werden sie geräumt, um das Holz noch nutzen zu können und die Verkehrssicherheit zu gewährleisten.

Nachpflanzungen zur Kultursicherung

Nachgepflanzt werden Eichen, Hainbuche und Flatterulme, experimentiert wird mit der Platane und der Hybridnuss, einer Mischung aus heimischer Walnuss und amerikanischer Schwarznuss.
2018 wurden 20 Hektar neu angelegt, in diesem Jahr 15 Hektar mit rund 40.000 Pflanzen. Auf die Kultursicherung folgt die Jungbestandspflege, rund 30 Jahre später erfolgen die Durchforstungen, nach denen 60 bis 120 Zukunftsbäume pro Hektar stehen bleiben. Eine ausgesprochen langfristige Arbeit.

Da sei es schon frustrierend, dass dem elfköpfigen Team mit Meistern, Forstwirten und Azubis oft die Hände gebunden seien, so Weißhaar. Gerade gegen die anhaltende Trockenheit sei man machtlos. Die geschädigten Bäume müssen schnellstmöglich entfernt werden, im Bergwald sind es vor allem die Fichten, die unter Trockenstress leiden und sich gegen den Borkenkäferbefall nicht wehren können. Auch Buchen tun sich schwer mit der Hitze, sie leiden an Sonnenbrand, werden braun und dürr. Im Bergwald musste der Einschlag verdoppelt werden. Die Nadelholzpreise sind extrem gefallen, europaweit kommen enorme Holzmengen auf den Markt. Ein „schöner Landregen“, der über Wochen anhält, wäre ein Segen für die Bäume.

Verkehrssicherungspflicht

Ein hoher Organisationsaufwand bedeutet die Verkehrssicherungspflicht, die gemeinsam mit der Straßenmeisterei gestemmt wird. Seit 2014 werden alle Eschen, die an Straßen stehen, entfernt. Kontinuierlich sind die Verkehrswege zu kontrollieren. „Das ist eine große Aufgabe“, betont Weißhaar, der bedauert, 60 Prozent seiner Arbeitszeit am Schreibtisch zu sitzen, um zu protokollieren und dokumentieren. „Diese Zeit fehlt dann draußen.“

Der Revierleiter verweist auf die Schutz- und Erholungsfunktion des Waldes: Er bietet Erosions- und Emissionsschutz, sorgt für einen ausgeglichenen Wasserhaushalt und liefert der Bevölkerung einen Erholungsort. Darüber hinaus geht es um die Versorgung von Brennholz: Rund 4500 Festmeter werden insgesamt für diethermische Nutzung pro Jahr versteigert und verkauft; wer einen Sägeschein besitzt, kann ein Brennholzlos ersteigern und sich ans Werk machen. Es gibt Brennholz lang; zudem stellen die TBO das Ausgangsprodukt für die Verwertung als Hackschnitzel bereit.

Naturschutz spielt große Rolle

Schließlich spielt der Naturschutz eine große Rolle. Seit einigen Jahren werden Habitatbaumgruppen ausgewiesen, alle zwei bis drei Hektar eine Gruppe, um den Artenschutz zu gewährleisten sowie Spechten, Fledermäusen und Insekten eine sichere Unterkunft zu bieten.
Geplant ist zudem, in der Ebene Waldrefugien einzurichten: Auf einer Fläche von zwei bis fünf Hektar soll das Areal sich selbst überlassen bleiben – wie im größeren Stil der Bannwald.

In Offenburg gibt es sehr unterschiedliche Waldarten.
Joachim Weißhaar
Autor:

Christina Großheim aus Offenburg

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