BUND und NABU
Hochwertige Wiesen am Flugplatz sollen erhalten werden
- Der Flugplatz in Offenburg soll einem Gewerbegebiet weichen.
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Offenburg (st) In einem Bürgerentscheid am Sonntag, 8. März, werden die Offenburger Wahlberechtigten darüber entscheiden, ob aus dem Sonderlandeplatz ein Industriegebiet werden soll. Dazu haben der NABU-Südbaden sowie das BUND-Umweltzentrum Ortenau eine Pressemitteilung veröffentlicht. Dabei machen sie deutlich, dass sich beide für den Erhalt der ökologisch wertvollen Wiesen am Flugplatz in Offenburg einsetzen.
Der Flugplatz Offenburg besteht aus einer schmalen Landebahn – und großen Wiesenflächen, heißt es in dem Schreiben. Laut Fliegergruppe Offenburg werde das etwa 20 Hektar große Gelände seit über hundert Jahren nicht mehr gedüngt und gespritzt und bewusst nach ökologischen Kriterien gepflegt. Dies habe dazu beigetragen, dass große Teile der Fläche bereits heute alle Kriterien erfüllen, um als geschützte FFH-Mähwiesen eingestuft werden zu können. Ein durch die Fliegergruppe in Auftrag gegebenes Gutachten und eine Begehung durch NABU- und BUND-Experten im Mai 2023 würden dies bestätigen. Trotzdem plane die Stadt Offenburg dort ein riesiges neues Gewerbegebiet. „Es ist schwer verständlich, warum solche Entscheidungen in Zeiten der Arten- und Klimakrise getroffen werden – egal, ob ein Bedarf besteht oder nicht“, so Markus Kauber vom NABU Bezirk Südbaden.
Abgeschlagen im Arten- und Umweltschutz
Deutschland sei von der EU wegen Nichteinhaltung seiner Artenschutzverpflichtungen verklagt worden und habe im November 2024 (nicht das erste Mal) vor Gericht verloren. Was den Zustand seiner FFH-Flächen (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie) angehe, liege der Ortenaukreis laut Angaben aus dem Umweltministerium Baden-Württemberg an drittletzter Stelle im ganzen Ländle. Jetzt drohe auch eine der letzten hochwertigen Grünflächen im ganzen Offenburger Stadtgebiet zu verschwinden.
Doch nicht nur die Natur würde leiden: Sollte das Gewerbegebiet kommen, werde die Naherholungsfunktion von Unterwald und Königswaldsee erheblich beeinträchtigt. Mit der stark zunehmenden Frequentierung durch den Menschen werde eine Verkehrszunahme und eine erhöhte Vermüllung der Landschaft einhergehen. Auch die Funktion der Fläche als Kaltluftspender im Sommer gehe verloren und könne nicht durch die Pflanzung von einigen Bäumen oder Dachbegrünung wettgemacht werden. „Es ist ein verbreiteter Irrtum zu glauben, dass man mit kosmetischen Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen verhindern könnte, dass Schäden in unseren komplexen Ökosystemen entstehen“, so Kauber. „Ganz abgesehen davon, dass diese Maßnahmen unserer Erfahrung nach zu 50 Prozent falsch, nicht dauerhaft oder erst gar nicht umgesetzt werden.“ Zusammen mit dem geplanten Autobahnzubringer am Knotenpunkt zur B33 könne man davon ausgehen, dass einige hundert Hektar heute noch relativ wertvoller Landschaft - sowohl aus ökologischer als auch aus landwirtschaftlicher Sicht - verloren gehen würden. Was an nicht betonierter Fläche übrig bleibe, werde an drei Seiten durch mehrspurige Straßen und an einer Seite durch die Stadt Offenburg von den restlichen Lebensräumen komplett abgeschnitten - ein Sargnagel für jedwede Artenvielfalt, mahnen die Verbände.
Kein konkreter Bedarf nachgewiesen
Die Stadtverwaltung argumentiert mit der Sorge, dass die heimische Industrie ohne diese neuen Gewerbeflächen abwandern würde. Bisher wurde allerdings kein konkreter Bedarf nachgewiesen und die in Auftrag gegebene Studie zum Potential der vorhandenen Gewerbeflächen nicht zur Einsicht freigegeben, sondern nur einzelne Passagen daraus zitiert. „Gerade wenn die Gewerbeflächen heute schon so knapp sind wie von der Stadt behauptet, dann wären Anreize zum flächensparenden Bauen dringend notwendig, statt mit einem großen und preisgünstigen Gewerbeflächenangebot die letzten städtischen Flächen zu verschleudern“, so Petra Rumpel vom BUND-Umweltzentrum Ortenau. „Denn, sollten diese letzten Flächen verbaut sein, was dann? Wir müssen erkennen: Gesundes Wachstum hat seine Grenzen!“




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