Dorfhelferinnen sind auch Retter in der Not
Wenn das tägliche Leben nicht mehr richtig läuft

Die Dorfhelferin organisiert den Alltag.

Ortenau (tf). Was Mütter leisten fällt oft erst auf, wenn sie fehlen. Waschen, kochen, bügeln, den Alltag organisieren, Kinder betreuen. Wenn ein Hof dabei ist, sind sie meist zusätzlich Bäuerin und helfen bei der Versorgung der Tiere oder auf dem Feld mit. Was aber passiert, wenn Mutter krank wird? So krank, dass sie ausfällt? Oder wenn eine Risikoschwangerschaft sie ans Bett bindet?

Hier springen die rettenden Engel der Dorfhelferinnenstationen im Ortenaukreis ein. Einsatzleiterin Nelli Beratz organisiert das achtköpfige Team in Offenburg und Durbach. "Die Dorfhelferin bringt wieder ein Stück Normalität und Ruhe in die Familie, sorgt dafür, dass der Alltag funktioniert", erklärt Beratz. Ist dabei keinesfalls Mutterersatz – sie ist die gute Seele in schwerer Zeit.

Martina Suhm übt diesen Beruf bereits seit 30 Jahren aus – und jeder Einsatz ist wieder neu. "Wenn ich in die Familien gehe, muss ich mir erstmal ein Bild  machen, wie hier gelebt wird, was die Werte und Umgangsformen sind", sagt sie. Denn sie fügt sich ein, will nicht verändern. "Manche Einsätze sind nur stundenweise, bei anderen geht es bis zur Rundumbetreuung", so Beratz. Beispielsweise als die Mutter Selbstmord beging und den Vater mit mehreren kleinen Kindern zurück ließ. "Hier war es wichtig, präsent zu sein und den Kindern wieder einen stabilen Halt zu geben."

Dorfhelferinnen sind hochqualifizierte Fachkräfte, deren Ausbildung neben Hauswirtschaft auch Psychologie enthält. "Wir müssen kompetent auf die jeweiligen Situationen eingehen können", betont Suhm. Dazu gehört auch die professionelle Abgrenzung. "Ich kann nicht jede Familie mit zu mir nach Hause nehmen, ich muss mich abgrenzen können." Dazu gibt es von Seiten des Dorfhelferinnenwerks Sölden e.V., dem Dachverband, Supervision und Fortbildungsangebote. Mittlerweile sind Dorf- und Familienpflegerinnen nicht mehr nur für familiäre Notfälle im Einsatz. Ein weiterer Schwerpunkt ist das Haushalts-Organisations-Training (H.O.T.), in dem Familien in schwierigen Lebenslagen Unterstützung bekommen.

Die Ausbildung zur Familienpflegerin und Dorfhelferin ist anspruchsvoll, hat aber Zukunft. "Im Mai beginnt eine neue berufsbegleitende Ausbildung für Quereinsteiger", so die Einsatzleiterin. Weitere Informationen gibt es beim Dorfhelferinnenwerk Sölden e.V., Bürglestraße 12, 79294 Sölden, Telefon 0761/401060, oder per Mail.

Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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