Silke Boschert denkt Pflege neu
Nah am Menschen, klar in der Führung
- Sich selbst, aber auch anderen etwas zuzutrauen, das zeichnet den Führungsstil von Silke Boschert aus. Die Vorständin des Paul-Gerhardt-Werk Offenburg hat genaue Vorstellungen davon, wie Pflege sein sollte – und zwar menschlich.
- Foto: Fotos: Michael Bode
- hochgeladen von Matthias Kerber
Offenburg Sie ist für rund 1.000 Mitarbeiter in 14 Einrichtungen von Baden-Baden bis Schiltach verantwortlich – und für über 2.000 Menschen, die dort leben oder versorgt werden. Silke Boschert ist Vorständin des Paul-Gerhardt-Werk Offenburg und arbeitet mit Leidenschaft in der Altenpflege.
"Ich wurde 1972 in Achern-Wagshurst geboren", erzählt sie. Ihre Eltern hatten einen Bauernhof und ein Gasthaus. "Ich konnte schon mit sechs Jahren ein Bier mit einer hohen Krone zapfen", verrät sie mit einem Lächeln – ihr Vater hatte es ihr beigebracht. "Wir waren vier Kinder und damals war klar, dass Mädchen heiraten und sich um die Kinder kümmern", denkt sie an ihre Jugend.
"Ich wollte einen Beruf lernen, und zwar Altenpflegerin", sagt Silke Boschert. Ein Ziel, das für ihre Eltern nachvollziehbar war. Denn: "Pflege passte in das Bild der Frau auf dem Dorf." Ihre Ausbildung machte sie in Bühl. "Ich habe damals Strukturen vorgefunden, die ich fürchterlich fand", erinnert sich Silke Boschert und beschloss: "Ich will die Pflege verändern."
Der Pflege ein anderes Gesicht geben
Das ist ihr auch gelungen. Sie wechselte zunächst in ein Pflegeheim nach Appenweier-Urloffen und dann zum Caritasverband Kinzigtal. "Das war eine spannende Zeit. Wir haben in den zwölf Jahren neue Häuser geplant und gebaut. Dabei habe ich organisatorisches Verständnis entwickelt." Zeitgleich studierte sie Management im Gesundheitswesen, machte erst den Bachelor und schließlich den Master Mehrdimensionale Organisationsberatung: "Ich finde Prozesse in der Organisation mit Blick auf den Menschen spannend."
Sie suchte nach einer neuen Herausforderung und bewarb sich beim Paul-Gerhardt-Werk. "Das war Zufall: Sie brauchten jemanden in der Führung, der Organisation und Pflege versteht. Ich wollte Prozesse gestalten und Entscheidungen treffen."
Und dann kam Corona. "Ich war gerade ein halbes Jahr dabei und wir mussten unglaubliche Entscheidungen treffen", schildert die Mutter zweier erwachsener Töchter die Herausforderungen, vor denen die Pflegeeinrichtungen standen. "Diese Zeit hat mich geprägt. Ich habe gelernt, dass ich mich auf meine Kolleginnen verlassen kann", stellt die Vorständin fest.
Die Menschen stehen im Mittelpunkt
Was sie an ihrem Beruf liebt, ist klar: "Die Menschen – sowohl meine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen als auch die Bewohnenden", sagt sie ohne Zögern. Auch wenn sie es manches Mal frustrierend findet, dass sich die Politik nicht ausreichend um das Gesundheitswesen kümmert: "Bei mir ist das Glas immer halbvoll. Das hat etwas mit Mindset zu tun", erklärt Silke Boschert. "Ich will ein Umfeld schaffen, in dem alle eingeladen sind, ein Teil davon zu sein. Unsere Mitarbeiter leisten hervorragende Arbeit." Drei Bücher hat sie darübergeschrieben, wie sie sich die Entwicklung in der Pflege vorstellt. Beide stellen die Mitarbeiter und die Bewohner in den Mittelpunkt.
Einen klaren Kopf behält sie auch dank des Sports: "Ich fahre seit vielen Jahren Mountainbike und Rennrad. Ich trainiere für Langstrecken." Ihre neueste Herausforderung ist der Segelschein. "Ich habe zuerst den Sportbootführerschein gemacht. Nun lerne ich Segeln. Das ist schwieriger, als ich dachte." Ihr Traum: "Ich packe mein Fahrrad aufs Boot und segele los." Immer mit dabei ist ihre Hündin Perla. "Sie ist ein Border-Doodle und sorgt für gute Atmosphäre", stellt Silke Boschert fest. Für ihr seelisches Gleichgewicht macht sie Yoga und meditiert: "Ich habe gelernt, bei mir zu bleiben und zur Ruhe zu kommen."






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