Jung und heimatlos: minderjährige Flüchtlinge

Nach einer Odyssee ohne Verwandte finden jugendliche Flüchtlinge im Christlichen Jugenddorf Unterkunft und Unterstützung.
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Offenburg. Ohne Gepäck, aber mit vielen Belastungen nach einer Flucht aus dem Heimatland – und ohne
Begleitung: Die Zahl der Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren, die
in der Ortenau durch die Polizei aufgegriffen werden, nimmt zu. Kamen
bis zu 70 dieser Jugendliche in einem gesamten Jahr, sind es seit
Jahresanfang bereits 185 gewesen. Afghanistan, Eritrea oder Sudan sind
in den meisten Fällen die Herkunftsländer. Weil sie minderjährig und
alleinstehend sind, steht ihnen besonderer Schutz zu.

Ankommen, duschen, satt essen und schlafen – das sind die dringenden Bedürfnisse
dieser Jugendlichen, berichten die beiden Organisationen
Jugendberufshilfe und Christliches Jugenddorf (CJD), die sich in
Offenburg kreisweit um diese Flüchtlinge kümmert. „Viele von ihnen
ziehen dann auch schon weiter“, wissen Stefan Dilger (CJD) und
Hans-Jochaim Ramp (Jugendberufshilfe).

Die vier Plätze der Jugendberufshilfe sind derzeit mit acht Flüchtlingen belegt. Ähnlich
sind die Verhältnisse im Jugenddorf. Dort will Dilger bis Jahresende bis
zu 25 Plätze schaffen. Das Jugendamt zahlt beiden Organisationen
Pauschalen für jeden Jugendlichen. Doch wer weiß schon, ob die allein
Flüchtenden noch Jugendlich sind, wenn sie ohne Papiere und Eltern
aufgegriffen werden? Im Ortenaukreis übernimmt das Jugendamt eine Art
„Sichtung“ und schätzt das Alter. Es gebe keine einheitliche und schon
gar keine sichere Methode, das Alter korrekt einzuordnen. Wer volljährig
ist, wird zur zentralen Aufnahmeeinrichtung nach Karlsruhe gebracht.

Immerhin bleibt jeder zehnte der jugendlichen Flüchtlinge in der Ortenau.
Untergebracht sind sie zusammen mit den anderen Jugendlichen der beiden
Einrichtungen. „Das läuft sehr gut“, berichten Dilger und Ramp. Es
lernten hier beide Seiten voneinander. Damit die Kommunikation über das
Verständigen mit Händen und Füßen – Englisch und Französisch
funktioniert nicht in allen Fällen – überwunden werden kann, stehen
Sprachkurse auf dem Programm. „Es ist erstaunlich, wie schnell sie
Deutsch lernen“, sieht Dilger eine hohe Motivation der Flüchtlinge.
Einige besuchen inzwischen eine Real-, Haupt oder Gewerbeschule in
Offenburg oder absolvieren bereits eine Ausbildung.

Kritik üben beide daran, dass auch die sogenannten „unbegleiteten minderjährigen
Flüchtlinge“ immer mit kurzfristigen Duldungen nach dem Asylrecht leben
müssen. Soziale und psychologische Betreuung gehört zu den
vordringlichsten Aufgaben. „Doch wer erzählt schon seine Erlebnisse im
Heimatland oder der Flucht, wenn er nicht weiß, ob er bleiben kann“,
gibt Ramp die Erfahrungen wider. Vielfach lernten sie Berufe in der
Gastronomie oder im Pflegebereich, in denen es Arbeitgebern schwer
falle, Auszubildende zu finden. Ramp und Dilger glauben, dass die Zahlen
von den alleinstehenden Jugendlichen weiter steigen werden.

Autor: Rembert Graf Kerssenbrock

Autor:

dtp02 dtp02 aus Offenburg

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