Nach 31 Jahren bei Edeka geht Harald Rissel in Ruhestand

Seit elf Jahren leitete Harald Rissel mit der Edeka Südwest eine der größten Einzelhandelsgenossenschaften mit insgesamt 43.500 Mitarbeitern.
  • Seit elf Jahren leitete Harald Rissel mit der Edeka Südwest eine der größten Einzelhandelsgenossenschaften mit insgesamt 43.500 Mitarbeitern.
  • Foto: Michael Bode
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Offenburg. Kaiser‘s Kaffee, Spar, Lidl, Kaufland und seit 1984 Edeka: Der Sprecher der
Geschäftsführung der Edeka Südwest, Harald Rissel, geht Ende des Monats
in Ruhestand. „Noch sind es einige Tage und mir geht es gut“, erklärt
der 65-jährige gelernte Einzelhandelskaufmann ziemlich gelassen und
aufgeräumt. Aufgeräumt ist auch sein Büro mit Blick über die
Bundesstraße 33 auf das Gewerbegebiet West.

Von Balingen aus ging es für Rissel nach der 1965 begonnenen Ausbildung zum
Einzelhandelskaufmann durch die verschiedenen Stationen, bei denen aber
immer die Lebensmittel im Mittelpunkt seines Wirkens standen. Balingen
blieb dabei auch nach dem Wechsel 1990 nach Offenburg und der vorherigen
Fusion dreier Genossenschaften sein zu Hause und damit Familiensitz.

1984 kam Rissel zur Edeka und wurde Marktleiter bei der Genossenschaft
Neckar-Bodensee, wechselte aber schnell in die Zentrale als Assistenz
der Geschäftsführung, leitete die Revision und den Vertrieb, ehe er
Prokurist bei Neukauf wurde, erst am Neckar und Bodensee, nach der
Fusion auch in Offenburg. Ab 1996 führte Rissel die Geschäfte von
Neukauf Offenburg, zwei Jahre später wurde er zum Geschäftsführer der
Edeka Baden-Württemberg, stieg in den Vorstand auf.

In dieser Zeit, erinnert sich Rissel, wollte er auch mit seiner Familie in die
Ortenau umziehen, besaß bereits ein Grundstück in Gengenbach. Doch dann
liefen die Verhandlungen über eine weitere Fusion: Heddesheim oder
Bayerns Edeka standen zur Disposition. Wäre es die bayerische Variante
geworden, hätte Offenburg den Sitz der Edeka verloren. „Meine Frau sagte
damals, dass sie mit den drei Töchtern nicht nach Gengenbach zieht,
wenn ich wenig später meinen Arbeitsplatz in Bayern hätte.“ So wurde das
Grundstück wieder verkauft. Aber durch die Fusion mit der nordbadischen
Genossenschaft blieb Offenburg Sitz der Edeka Südwest. Eine Wohnung in
Gengenbach ist daher unter der Woche seine Anlaufstation. 2003
schließlich wurde er Nachfolger von Bernhard Kefer und damit Chef der
Edeka Südwest.

„Der Kaufmann lebt seine Stärken aus“ und die Edeka Südwest versorgt die Händler vor Ort mit einer Auswahl von 20.000 Artikeln, beschreibt Rissel die Qualität des Verbunds. Welche Produkte
vor Ort gewünscht und wann geliefert werden, entscheidet der
Marktleiter. Der Händler vor Ort hat das Gespür für die Wünsche der
Kunden und Rissel für das der Kaufmanns-Familien. Deren Zahl kommt wie
aus der Pistole geschossen: 513 Kaufleute und deren Familien betreiben
die Märkte in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, im Saarland, im Süden
von Hessen und in Teilen Bayerns – deren Standorte er genauestens kennt.

Auch wenn die Produkte vielfach aus Offenburg kommen, gehe der Kunde doch zu Scheck, Timm-Zinth oder zu Kohler, weiß Rissel, dass die
Kaufleute ihre Verwurzelung in ihrer Gemeinde oder im Stadtteil haben:
„Sie alle haben ihr Ohr verdammt direkt am Kunden.“ 30 bis 35 Märkte
kämen pro Jahr hinzu, ermuntert Rissel junge Menschen mit Mut, aber ohne
das nötige Kapital zum Schritt in die Selbstständigkeit, bei dem die
Genossenschaft als Familie diesen unterstütze. „Sie müssen verkaufen
können, für den Rest sorgen wir“, erzählt Rissel lachend.

Die Produkte aus der Region haben dabei eine zentrale Bedeutung. Aber:
„Jedes Produkt braucht eine Story“, damit der Kunde überzeugt werden
kann. Viele Kunden sind dafür bereit, auch einen höheren Preis zu
bezahlen, aber eben auch nicht jeden. 1000 Betriebe mit ihren 120.000
Mitarbeitern produzieren die verschiedenen Lebensmittel für Edeka. Er,
Rissel, stehe für „Klarheit und Wahrheit auf der Verpackung“. Gerade für
die Kaufleute vor Ort sei Regionalität eine Verpflichtung. Dass es
trotzdem Erdbeeren im Dezember im Sortiment gibt, berücksichtige, dass
der Kunde in seiner Entscheidung frei bleibe.

32 Wochenenden – natürlich neben den dazugehörigen Werktagen –, so hat er jüngst gezählt,
sei er für die Edeka zwischen Bodensee und Hamburg unterwegs. Jetzt
zieht es ihn wieder dauerhaft nach Balingen. Dort habe zum Glück seine
Frau den Bekanntenkreis aufrecht erhalten. Er wird auch künftig wissen,
was bei der Edeka läuft: Zwei seiner Schwiegersöhne sind Kaufleute.

Autor: Rembert Graf Kerssenbrock

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