Agentur für Arbeit
Herausforderung ist es, Arbeitskräfte zu sichern

Theresia Denzer-Urschel

Ortenau. In der Ortenau fehlen Fachkräfte. Theresia Denzer-Urschel, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Offenburg, erläutert im Gespräch mit Daniela Santo, in welchen Bereichen es besonders eng und warum die grenzüberschreitenden Arbeit hierbei wichtig ist.

In welchen Branchen macht sich der Fachkräftemangel besonders bemerkbar?
Insgesamt ist der Fachkräftebedarf in fast allen Bereichen hoch. Nach wie vor werden Fachkräfte im Verarbeitenden Gewerbe, also in der Rohstoffgewinnung, Produktion und Fertigung gesucht. Im Stellenpool der Arbeitsagentur Offenburg gab es im September hier 1.708 freie Arbeitsplätze. Auch im Bereich Verkehr, Logistik, Schutz und Sicherheit besteht eine große Nachfrage, 1.015 zu besetzende Stellen sind hier gemeldet worden. In der Gastronomie spitzt sich sowohl der Fachkräfte- als auch der Hilfskräftebedarf zu. Während der Corona bedingten Schließungen wechselten einige Beschäftigte in andere Branchen und diese fehlen nun. Auch bei Kliniken und Arztpraxen wird verstärkt Personal gesucht. Viele Stellen werden im Einzelhandel gemeldet. In der Industrie, dem Handwerk/Bau und in der Pflege ist der Personalbedarf unverändert hoch.

Wie viele Fachkräfte fehlen derzeit in der Ortenau?
Der Bestand an gemeldeten Stellen steigt seit Februar 2021 kontinuierlich an. Mit Stand September gab es bei der Arbeitsagentur Offenburg 4.985 offene Arbeitsstellen, davon richten sich 2.904 der Stellen im Anforderungsniveau an Fachkräfte, 875 sind für Experten und Spezialisten und nur 1.206 der Stellen sind für Helfer- oder Anlerntätigkeiten ausgeschrieben. Seit Jahresbeginn sind insgesamt 7.915 Stellen im Pool der Arbeitsagentur aufgenommen worden, somit hat sich die Zahl gegenüber dem Vorjahreszeitraum um über 50 Prozent erhöht.

Wie erfolgreich ist die Zusammenarbeit zwischen Agentur für Arbeit und Pôle emploi?
Der Service für grenzüberschreitende Arbeitsvermittlung Strasbourg – Ortenau ist ein gemeinsames Projekt von Pôle emploi und der Agentur für Arbeit. Damit gewinnen wir für die Arbeitgeber in der Ortenau zusätzliche Potenziale aus dem Elsass. Es gibt insgesamt 7.817 Arbeitnehmer aus Frankreich, die täglich in den Ortenaukreis einpendeln (Stand 2020). Hier konnte der Service in Kehl aktiv bei vielen Arbeitsaufnahmen unterstützen. Seit 2013, der Einführung der binationalen Arbeitsagentur in Kehl, wurden bis Oktober insgesamt 8.519 Bewerber beraten, davon haben 3.456 Arbeitssuchende aus dem Elsass eine Beschäftigung aufgenommen, davon 2.098 in Deutschland.

Was sind die Herausforderungen der Zukunft in Bezug auf Fachkräfte?
Die Arbeitskräftesicherung stellt für die Betriebe in der Region eine große Herausforderung dar. Viele Menschen werden altersbedingt aus dem Berufsleben ausscheiden, während die Zahl der ausbildungswilligen Jugendlichen zurückgeht. Viele Ausbildungsstellen bleiben unbesetzt. Ein Grund dafür ist, dass viele Jugendlichen nach der Schule nicht den klassischen Weg in eine Ausbildung wählen, sondern auf weiterführende Schulen gehen. Der Fachkräftebedarf in der Ortenau ist hoch. Deshalb ist die Qualifizierung von Beschäftigten eine Zukunftssicherung für die Arbeitgeber. Unser Ziel ist auch, Beschäftigte ohne Berufsabschluss zu qualifizieren damit sie einen Berufsabschluss erreichen können. Das Risiko arbeitslos zu werden und zu bleiben, ist bei Menschen ohne Ausbildung höher als bei qualifizierten Arbeitnehmern. Unter dem Motto „Kein Jugendlicher darf dabei verlorengehen“ bietet die Arbeitsagentur Offenburg Unterstützung zum Beispiel mit assistierter Ausbildung, ausbildungsbegleitenden Hilfen, berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen oder gestufter Ausbildung oder Einstiegsqualifizierung an. Ohne Zuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland werden wir den Fachkräftebedarf nicht decken können.

Autor:

Daniela Santo aus Lahr

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