Gegen Impfmüdigkeit
Gesundheitsamt setzt auf Aufklärung

Eine Ärztin spritzt einem Kind in den Arm.
  • Eine Ärztin spritzt einem Kind in den Arm.
  • Foto: AOK-Mediendienst
  • hochgeladen von Daniela Santo

Ortenau (set). Eine Mutter sitzt mit ihrem Kind im Behandlungszimmer und krempelt den Ärmel ihrer Tochter hoch. Währenddessen desinfiziert sich die Ärztin ihre Hände. Dann spritzt sie mit einer Einwegspritze in den Arm des Kleinkindes. Ein Piks und schon ist die Behandlung vorbei.
Mit Blick auf die Kürze der Prozedur könnte der Betrachter annehmen, die Impfquoten, welche bei Einschulungsuntersuchungen von Kindern erhoben werden, sind auch dementsprechend hoch.

Impfquote im Mittelfeld

Weit gefehlt. Hier wird gerade in Hinsicht auf die zweite Masernimpfung eine Schieflage deutlich: "Für Kinder des Jahrgangs 2014 liegt der Ortenaukreis mit einer Impfquote von 66,9 Prozent im Mittelfeld", erklärt Claus Michael Gross, Leiter des Kreisgesundheitsamtes in Offenburg. "In Baden-Württemberg reicht die Spanne von 41,5 Prozent im Landkreis mit der geringsten Impfquote bis 81,9 Prozent im Landkreis mit der höchsten Quote." Der Leiter des Gesundheitsamtes gibt an dieser Stelle zu bedenken: "Eine dauerhafte Durchimpfungsrate von 95 Prozent der Bevölkerung würde auch langfristig zu einem Verschwinden der Masern führen." Er möchte der Impfmüdigkeit entgegenwirken. Eine generelle Impfpflicht schwebt ihm nicht vor, sondern vielmehr möchte das Kreisgesundheitsamt die Impfquote durch Information und Aufklärung erhöhen. Gerade Letzteres ist ihm wichtig. So wendet er sich gegen zwei gängige Einwände von Impfgegnern. Der erste betrifft zu früh durchgeführte Impfungen bei Kindern: "Allgemeine Empfehlungen umfassen Impfungen für Babys ab drei Monaten. Dies ist sinnvoll, weil bestimmte Erkrankungen für Säuglinge viel gefährlicher als für ältere Kinder sind. Wenn Kinder bei einer Keuchhusten-Infektion jünger als sechs Monate sind, kommt es bei jedem Vierten zu Komplikationen wie Lungenentzündungen", erklärt der Leiter des Kreisgesundheitsamtes. Der zweite Einwand betrifft gefährliche Chemikalien im Impfstoff: "In einigen Impfstoffen sind Formaldehyd, Aluminium, Phenol oder Quecksilber enthalten. Sie dienen dazu, Impfviren abzutöten oder den Impfstoff haltbar zu machen. Ihre Konzentration befindet sich allerdings weit unterhalb der Schwelle der Giftigkeit."

Grippeimpfung

Eine ständig wiederkehrende Impfung ist die der Grippe. Die Saison für diese Krankheit beginnt laut einer Mitteilung des Landesgesundheitsamtes in Stuttgart in der 40. Kalenderwoche des aktuellen Jahres und endet mit der 20. Kalenderwoche des Folgejahres. Im Vergleich zur Masernimpfung sei die Situation bei Grippe ein wenig anders: So gebe es in diesem Winter im gesamten Bundesland noch vergleichsweise wenige Grippefälle, doch ihre Zahl habe im vergangenen Monat rasant zugenommen. In den vergangenen vier Wochen habe es in Baden-Württemberg 2.000 neue Fälle gegeben. Damit seien seit Oktober 2018 fast 2.500 Personen an Influenza erkrankt. Auf den Ortenaukreis entfallen laut der Behörde 169 Fälle. Eine Saison zuvor seien zum gleichen Zeitpunkt schon 180 Personen an Influenza erkrankt gewesen. "Eigentlich sollte man sich bereits im Herbst, also vor Beginn der Influenza-Saison, impfen lassen", erklärt Claus Michael Gross. Dennoch, auf die Frage, ob eine Grippeimpfung jetzt noch sinnvoll ist, antwortet er kurz: "absolut." Momentan beobachten er und seine Kollegen eben jenen erwähnten Anstieg der Influenza-Fälle. Die Impfung jetzt nachzuholen, empfiehlt er daher sehr. Der Schutz nach einer Influenza-Impfung besteht erst nach 14 Tagen.

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