Jürgen Rieger geht in Ruhestand
Seine Bürotür für alle jederzeit offen

Polizeipräsident Jürgen Rieger geht Ende Juni in den Ruhestand.  | Foto: Polizeipräsidium Offenburg
  • Polizeipräsident Jürgen Rieger geht Ende Juni in den Ruhestand.
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Offenburg "In der zweiten Juliwoche besuche ich in Berlin erst einmal ein Konzert der 'Toten Hosen'", verrät Polizeipräsident Jürgen Rieger. Zeit dafür hat er dann jedenfalls, denn Ende Juni geht er in den Ruhestand. "Am Tag meines Ruhestandes war ich genau 47 Jahre und 300 Tage bei der Polizei", so der 64-Jährige. "Mit dem Ruhestand beginnt dann mein drittes Leben", sagt er mit einem Lachen.

Aufregendes Polizeileben

Mit dem Ruhestand gehe es vor allem darum, den Kopf zu leeren und mit neuen Inhalten zu füllen, so Rieger weiter, der seit 2020 in Offenburg arbeitet. Zunächst als Polizeivizepräsident, ab 2022 dann als Polizeipräsident beim Polizeipräsidium Offenburg. Davor war er unter anderem in verschiedenen Funktionen im Landesinnenministerium sowie bei der Polizeidirektion Pforzheim aktiv.

"Ich hatte ein aufregendes Polizeileben, das den Großteil meines Lebens bestimmt hat", resümiert er. Aufregend waren vor allem auch die spektakulären Fälle, an die er sich in seiner Zeit in der Ortenau zurückerinnert. Er nennt hierbei vor allem die Tötung eines Schülers an der Waldbachschule, die Ermordung einer Psychotherapeutin an der Union-Brücke sowie den Waldläufer von Oppenau. "Hierbei war ich Einsatzleiter. Das Medienaufkommen war enorm, was ich so in dieser Form noch nicht erlebt habe", erklärt er. Wichtig sei in solchen Situationen Ruhe auszustrahlen und das große Ganze nicht aus dem Blick zu verlieren.

Sein Ziel sei es aber nie gewesen, Polizeipräsident zu werden. "Ich konnte immer wieder an guten Projekten mitarbeiten und dadurch haben sich Chancen eröffnet", erklärt Rieger seinen Werdegang, der 1978 bei der Polizei begann.

Wenn er auf sein Berufsleben als Polizist zurückblickt, spricht er von einer "insgesamt interessanten und schönen Zeit." "Ich bin immer gerne hierher gekommen und habe meine Zeit hier sehr genossen", sagt Rieger, der in der Nähe von Freudenstadt mit seiner Frau wohnt, über seine Dienstzeit in Offenburg. "Ich liebe die Region, die Menschen und die Kollegen. Das ist ein positiver, offener Menschenschlag." Die Begegnung mit den Menschen werde er am meisten vermissen. Zudem findet er, dass man die hohe Lebensqualität der Region, die auch mit einer hohen Sicherheit einhergehe, viele mehr schätzen sollte: "Uns geht es gut."

Das Amt als Polizeipräsident war aber auch von vielen Herausforderungen geprägt. "Die haben eigentlich jährlich gewechselt", erzählt er mit einem Lachen. Man habe zweitweise mit Personalnot und einem knappen Haushalt zu kämpfen gehabt, so Rieger. Auch organisatorisch habe man sich anders aufgestellt. "Kein Tag war langweilig."

Sein Amt als Polizeipräsident habe er immer als Spielraum für Kreativität und Steuerungsmöglichkeiten verstanden: "Ich habe in meiner Funktion als Polizeipräsident ein hohes Maß an Befriedigung erfahren." Um seine Ideen und Überzeugungen durchzusetzen, bedarf es für Rieger vor allem einer Charaktereigenschaft: "Vertrauen ist das Grundprinzip – das gilt sowohl für den Umgang mit Vorgesetzten als auch mit Mitarbeitern." Er habe Duftmarken gesetzt und sich durchgesetzt. Als Beispiel nennt er das Umdenken bei der Ausstattung von Einsatzfahrzeugen auf E-Mobilität. Derzeit bestehe der komplette Fuhrpark aus fast 20 Prozent Elektrofahrzeugen, womit das Polizeipräsidium Offenburg in der Spitze im Land vertreten sei. Das Polizeirevier Kehl sei Pilotdienststelle – dort würden nun verschiedene Innovationen ausgetestet und bei erfolgreicher Testphase im ganzen Land umgesetzt. Beim Verkehrsdienst habe er in seiner Zeit im Innenministerium dafür gesorgt, dass die Aufnahme von schweren Verkehrsunfällen wieder hervorgehoben und von gut ausgebildeten Spezialisten bearbeitet werden, anlog zu einem Kapitalverbrechen bei der Kriminalpolizei.

Wichtig in seiner Arbeit war Rieger aber auch die Rolle der Polizei innerhalb der Gesellschaft. "Meine Philosophie ist, die Polizei weit zu öffnen und in die Gesellschaft zu integrieren. Wir müssen auf der Höhe der Zeit sein." Dies lebt er auch im Umgang mit seinen Kollegen. "Ich will verlässlich und authentisch sein", sagt er. Die Mitarbeiter schätzen zudem seine Offenheit, Entscheidungsfreude, Empathie und wertschätzende Art. Seine Bürotür steht buchstäblich immer offen. "Ich wollte nie eine Art 'Gott' auf dem Stuhl des Polizeipräsidenten sein."

Am 26. Juni wird er offiziell in den Ruhestand verabschiedet. "Das wird sicher sehr emotional, aber es sind Menschen da, die mich auffangen", so Jürgen Rieger abschließend.

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