Pflegeheime und Hitze
Wenn die Temperaturen steigen, zählt jedes Detail

Die Pflegeeinrichtungen in der Ortenau – wie das Paul-Gerhardt-Haus – haben detaillierte Pläne, wenn die Temperaturen zu stark steigen.  | Foto: gro
  • Die Pflegeeinrichtungen in der Ortenau – wie das Paul-Gerhardt-Haus – haben detaillierte Pläne, wenn die Temperaturen zu stark steigen.
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Ortenau Die hohen Temperaturen in den vergangenen Wochen belasten die Menschen in der Region. Deshalb reagieren Pflegeheime in der Ortenau mit besonderen Maßnahmen, um ihre älteren Bewohner zu schützen. "Pflegeeinrichtungen haben seit 2022 die Empfehlung, ein Hitzeschutzkonzept zu entwickeln", erklärt Silke Boschert, Vorständin des Paul-Gerhardt-Werks, zu dem 14 Einrichtungen von Baden-Baden bis Schiltach gehören. Das Konzept des Paul-Gerhardt-Werks umfasse 20 Seiten. Ergänzt werde es durch zusätzliche Maßnahmen, die entweder einrichtungsspezifisch oder individuell auf die Bedürfnisse der Bewohner abgestimmt seien.
"Die vergangenen Wochen haben uns alle vor große Herausforderungen gestellt: unsere Bewohnerinnen und Bewohner, unsere Kundinnen und Kunden im häuslichen Umfeld – und nicht zuletzt unsere Mitarbeitenden. Dabei denke ich auch an Kolleginnen und Kollegen im ambulanten Dienst, die bei hohen Temperaturen im Auto unterwegs sind", so Boschert. Für die stationäre Pflege gelte: "Unsere neuen Häuser sind energetisch selbstverständlich besser aufgestellt als die älteren Einrichtungen. Das macht einen großen Unterschied." Michaela Hilberer, Einrichtungsleitung und Leitung des Zentralen Qualitätsmanagements, Paul-Gerhardt-Werk, nennt Beispiele dafür, welche technischen Anpassungsmaßnahmen es gibt: zusätzliche Beschattungen wie eine Dachabdeckung im Paul-Gerhardt-Haus, Pavillons oder Sonnensegel in allen Einrichtungen. Angeschafft worden seien zusätzliche Ventilatoren für alle Bereiche der Einrichtungen. Der Einbau von Deckenventilatoren sei geplant, Klimaanlagen sollen zunächst in den Pflegestützpunkten eingebaut werden.

Individuelle Angebote

"Wir bieten während der Hitzephasen weniger Aktivierungsangebote, dafür mehr Getränke", erläutert Michaela Hilberer weitere Maßnahmen. Es seien Planschbecken für die Bewohner angeschafft worden. Zusätzliches Obst, Eis oder Kaltgetränke würden angeboten. "Je nach Einrichtung kommen individuelle Maßnahmen hinzu", so Hilberer. Ein Beispiel dafür seien die Lüftungszeiten. Die Mitarbeiter seien für diese besondere Situation extra geschult worden. Auch die Bewohner und deren Angehörigen würden entsprechend beraten.
"Die Gesundheit und das Wohlbefinden der Bewohnerinnen und Bewohner sowie Mitarbeitenden haben oberste Priorität", erklärt der Caritasverband Lahr e. V. Deshalb würden in allen drei Häusern – Sancta Maria und St. Elisabeth in Lahr sowie St. Marien in Ettenheim – bewährte Hitzeschutzmaßnahmen konsequent umgesetzt. Dazu würden das morgendliche und nächtliche Lüften der Gebäude, aber auch das Abschirmen der Räume vor direkter Sonneneinstrahlung sowie ein besonderes Augenmerk auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr gehören. Neben Wasser und anderen Getränken würde den Bewohnern ebenfalls Eis angeboten.
"Gerade an den besonders heißen Tagen stehen die Teams ständig in engem Kontakt mit den Bewohnerinnen und Bewohnern, beobachten deren Befinden aufmerksam und passen den Tagesablauf bei Bedarf an", so der Caritasverband. Aktivitäten würden modifiziert und in die kühleren Tageszeiten verlegt. Die Bewohner könnten zusätzliche Pausen und Rückzugsmöglichkeiten in angenehm temperierten Bereichen nutzen. Die Rückmeldungen aus den Wohnbereichen würden zeigen, dass viele Bewohner die sommerlichen Temperaturen bisher als wenig beeinträchtigend wahrgenommen hätten. Die hohen Außentemperaturen seien aber nicht nur für Bewohner, sondern auch die Mitarbeitenden eine Belastung. "Die Teams sind flexibel und unterstützen sich gegenseitig", so die Caritas Lahr. "Die vergangenen Hitzetage haben einmal mehr gezeigt, wie engagiert und fürsorglich unsere Mitarbeitenden handeln", lobt Mirko Poetzsch, Vorstand des Caritasverbands Lahr.
Doch über diese akuten Maßnahmen hinaus, würden auch verlässliche finanzielle Mittel fehlen. "Wir brauchen Fördermöglichkeiten für Umbaumaßnahmen ebenso wie für kleinere und größere Hitzeschutzmaßnahmen", macht Silke Boschert deutlich. "Ebenso wichtig ist eine tolerantere und offenere gesellschaftliche Haltung, in der das Gesundheitswesen nicht nur in Krisenzeiten Aufmerksamkeit erhält, sondern auch im Alltag die notwendige Wertschätzung erfährt."

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