Fußnote, die Glosse im Guller
Weihnachtliche Traditionen

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Das ist per se nichts Schlechtes. Auf manche Gewohnheiten sind wir sogar regelrecht stolz und zelebrieren diese liebevoll. Dann nennen wir das Tradition oder Brauch. Jetzt, zu Weihnachten, stehen solche hoch im Kurs. Das gilt auch in meiner Familie.

Spitzenzerstörer

So ist es ein festes Ritual, alle Jahre wieder eine Christbaumspitze zu zerbrechen. Begründer dieser Tradition ist der Mann, mit dem ich Tisch und Bett, aber nicht die Ungeschicklichkeit beim Weihnachtsbaumschmücken teile. Nun wird sich mancher fragen: Warum vertraut man diesem Mann überhaupt noch eine Christbaumspitze an. Ganz einfach: Das tut niemand. Den Baum an seiner höchsten Stelle zu krönen, das ist Aufgabe der Kleinsten in der Familie – nämlich meine. Wirklich in Gefahr ist das zerbrechliche Teil erst, nachdem es sicher befestigt worden ist. Dann aber überrascht der Spitzenzerstörer alle Jahre wieder mit neuen, raffinierten Vorgehensweisen. Einmal geschah es beim Umdrapieren einer Lichterkette, dann weil er den Baum anders im Ständer befestigen wollte und dabei gegen die Decke knallte. Andere Ehemänner lassen die Weihnachtsgans anbrennen, meiner macht die Christbaumspitze kaputt. Nun, ich hätte es schlimmer erwischen können.

Druckmittel Kartoffelsalat

Aber auch ich habe an Weihnachten meinen gefürchteten Auftritt. Zumindest sieht das die Familie so. Heiligabend wird gesungen. Außer mir will das zwar keiner. Weil sie mir eine Freude machen wollen, singen die anderen trotzdem mit. Möglicherweise liegt das allerdings auch daran, dass es vorher weder Geschenke noch Abendessen gibt. Frei nach dem Motto: Singt mit der Mutti ein paar Lieder, sonst rückt sie den Kartoffelsalat nicht raus. Außerdem lese ich die Weihnachtsgeschichte vor. Die Aufführung eines Krippenspiels ließ sich dagegen nicht durchsetzen. So gut ist mein Kartoffelsalat dann doch wieder nicht.

Anschlag auf das Jesuskind

Apropos, früher hatte eine Krippe ihren festen Platz unter dem Tannenbaum. Genauer gesagt, bis zu der Zeit, als meine Tochter freudig der Erstkommunion entgegensah und ich als Katechetin eine Gruppe Kinder bei uns zu Hause auf dieses Sakrament vorbereitete. Einmal stellten wir dabei in friedlicher Eintracht Krippenfiguren auf. Die feierliche Stimmung nahm dann ein jähes Ende, als unser damaliger noch junger Hund sich das Jesuskind schnappte und ihm den Kopf abbiss. Fortan verzichteten wir lieber auf eine Krippe. Es gibt Dinge, die sollten auf keinen Fall eine Tradition werden. In diesem Sinne frohe Weihnacht.
Anne-Marie Glaser

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