9. Februar 2017, 14:35 Uhr | 0 | 4 Leser

Viel Lob für Sand, aber die Tore entscheiden

Christine Veth (in Weiß) kann sich immer wieder bei den Bundesligaspielen gut in Szene setzen.
Christine Veth (in Weiß) kann sich immer wieder bei den Bundesligaspielen gut in Szene setzen. (Foto: uk)

München. Viel Lob und zwei verletzte Spielerinnen sind eine magere Ausbeute für den SC Sand bei der 0:4 (0:3)-Niederlage in der Allianz Frauen-Bundesliga beim neuen
Tabellenführer FC Bayern München. Im zweiten Topspiel binnen einer Woche
gegen ein Spitzenteam mit Champions-League-Ambitionen präsentierte sich
der Aufsteiger aus der Ortenau nicht wie ein potentieller Absteiger,
doch es fehlte die Durchschlagskraft nach vorne.

Anders als die Bayern, bei denen die Ex-Freiburgerin Melanie Behringer an allen vier
Toren beteiligt war. „Unser Spiel war nicht gut, Sand zum Großteil
besser“, grantelte die Weltmeisterin von 2007 in typisch bayrischer
Manier. Sicher etwas überspitzt, aber der Unterschied beider Teams lag
hauptsächlich im Ausnutzen der sich bietenden Chancen. Und hier
profitierte München von individuellen Fehlern der Gäste. Beim frühen 1:0
(8.) wurde Vivianne Miedema, von Behringer mit einem langen Pass
zentral bedient, von den Innenverteidigern Julia Zirnstein und Allison
Scurich nicht konsequent genug angegangen.

Das 2:0 erzielte Behringer mit einem direkt um die Mauer ins kurze Eck verwandelten
Freistoß, der leicht den Pfosten berührte, aber nicht unhaltbar schien
(27.). Das 3:0 gelang Bayern in Überzahl. Kurz zuvor hatte sich
Christine Veth im Zweikampf mit Melanie Leupolz am linken Sprunggelenk
verletzt. Wieder bediente Melanie Behringer die niederländische
Nationalspielerin Vivianne Miedema, die Zeit genug fand, sich im
Strafraum zu drehen und den Ball ohne Störversuch im Sander Tor
versenkte (31.). Sieben Minuten später kam Sand zum ersten Eckball,
nachdem Tinja-Riikka Korpela einen Schuss von Anne van Bonn nur
abklatschen konnte.

Wer nach dem klaren Rückstand ein Debakel für den Liganeuling erwartete, lag allerdings falsch. Sand stellte die Räume geschickt zu und ließ München nur wenig in Strafraumnähe kommen.
Die Konter der Gäste waren allerdings zu ungenau und mit vielen
Fehlpässen behaftet. Ab der 68. Minute musste Sands Trainer Niko
Koutroubis nach Vivien Wagner, die für Veth ins Spiel kam, die zweite
17-jährige Nachwuchsspielerin einwechseln. Carmen Höfflin, die von
Beginn an in der Startelf stand, hatte sich im Zweikampf mit Eunice
Beckmann verletzt. Für sie kam Louisa Frank zu ihrem zweiten Bundesligaeinsatz.

Bayern konnte die Schwächung von Sand, das berufsbedingt ohne die drei Franzosen Stéphanie Wendlinger, Jeanne Haag und Noémie Freckhaus angereist war, nicht ausnutzen. Erst nachdem sich Behringer in einem Zweikampf mit Angela Migliazza durchsetzte, Sands
Spielführerin verletzt auf dem Boden lag und die Begegnung nicht
unterbrochen wurde, erzielte Beckmann aus 25 Meter den 4:0-Endstand
(84.). In den Schlussminuten hatten Ilaria Mauro und Louisa Frank noch
die Chance auf den Ehrentreffer.

„Im Fußball entscheiden die Tore. Wir bekommen zu einfache Gegentore, obwohl unser Spiel ordentlich und mutig nach vorne ist“, erklärte Niko Koutroubis. Die kommende
Länderspielpause soll nun genutzt werden, die verletzten Spielerinnen
wieder an den Kader zu führen. Sand spielte in München mit Trauerflor,
nachdem in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch Vorstandsmitglied Doris
Engel überraschend mit 58 Jahren verstorben war.

Autor: uk