Spaziergang mit OB Vetrano
Von Tiefbrunnen, Pumpwerken und nassen Kellern

Stadtspaziergang mit OB Toni Vetrano
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  • Foto: Annette Lipowsky/Stadt Kehl
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Kehl (st). Dass Kehl nicht nur eine Stadt an drei Flüssen – Rhein, Kinzig und Schutter – ist, sondern auch eine Stadt im Wasser, das wurde den 25 Teilnehmenden beim komplett ausgebuchten Spaziergang mit OB Toni Vetrano am Freitagnachmittag, 22. Oktober, bewusst: Eine Pumpengalerie in 19 Tiefbrunnen und das Schuttermühlkanalpumpwerk sorgen permanent dafür, dass Grundwasser in den Rhein abgegeben wird. Fielen die Anlagen aus, „bekämen wir in der Innenstadt nasse Keller und nasse Füße“, veranschaulichte der OB die Situation. Fachfragen der sehr interessierten Stadtspaziergänger zu technischen Details beantwortete Istvan Ötvös vom städtischen Bereich Tiefbau.

Erhöhte Grundwasserstände

Vor ziemlich genau 47 Jahren, im Oktober 1974, ging die Rheinstaustufe Gambsheim in Betrieb. Durch den Rückstau von Rhein und Kinzig haben sich – wegen des insgesamt stark wasserdurchlässigen Untergrunds – die Grundwasserstände im Kehler Stadtgebiet um 1,80 Meter erhöht, erläuterte Toni Vetrano die besondere Kehler Situation. Damit sich keine schädlichen Folgen für die Stadt ergaben, wurden unter der Regie des damaligen Neubauamtes Oberrhein in Rastatt zwei voneinander unabhängig arbeitende Grundwasserabsenkungsanlagen erstellt. Diese hatten und haben heute noch die Aufgabe, den Grundwasserstand ständig auf dem Niveau zu halten, den er vor Inbetriebnahme der Staustufe Gambsheim hatte.

Während die erste Anlage aus einer am unbebauten Ostrand des Stadtgebiets liegenden Drainageleitung einschließlich zugehörigem Pumpwerk und Druckleitung in die Kinzig besteht, umfasst die zweite Anlage eine Galerie von 19 Tiefbrunnen, die sich vom Nordost- bis zum Nordwestrand des Stadtgebiets erstrecken, über eine Stahldruckleitung miteinander verbunden sind und permanent Wasser in den Rhein ableiten. Jeder Tiefbrunnen hat eine Förderleistung von 50 Litern pro Sekunde. Vier Tiefbrunnen befinden sich allein in der Nibelungen- und der Honsellstraße. Weil die Grundwasserstände auf der Insel sowohl vom Rhein als auch vom Altrhein beeinflusst werden, laufen die Pumpen hier rund um die Uhr. Um auch für den Extremfall gerüstet zu sein, würden die Kapazitäten der Pumpen in Zukunft erhöht, versicherte der OB gerade den Inselbewohnern, die sich dem Stadtspaziergang angeschlossen hatten.

Infotafeln aufgebaut

Weil es zu gefährlich gewesen wäre, die Schachtdeckel über den Brunnenstuben zu öffnen, hatte Istvan Ötvös in der Honsellstraße und am fünf Meter breiten Auslaufbauwerk am Rheinufer Infotafeln mit Fotos und Zeichnungen aufgebaut und konnte so auch Laien die Funktionsweise der komplexen Anlage erläutern. Der Ingenieur beantwortete auch die Detailfragen der Stadtspaziergänger gerne. Insgesamt pumpt die gesamte Tiefbrunnenanlage jährlich 13 bis 20 Millionen Kubikmeter Wasser in den Rhein – allein 10,4 Millionen Kubikmeter davon kommen von der Insel. 128 000 Euro wendet die Stadt alljährlich für den Betrieb der Anlage auf. Weil Pumpen und andere technische Elemente erneuert und Pumpenstuben saniert werden müssen, sind bis 2024 Investitionen in der Größenordnung von fast zwei Millionen Euro erforderlich. „Berechnet noch zu Baukosten vor Corona“, fügte Toni Vetrano hinzu, um darauf hinzuweisen, dass die tatsächlichen Kosten am Ende erheblich darüber liegen dürften.

Nur wenige Kehler kennen das Schuttermühlkanalpumpwerk im Hafen, das sich seit seiner Sanierung im vergangenen Jahr, in von unten nach oben heller werdenden Blautönen zeigt. „Auch ein technisches Gebäude darf gut aussehen“, kommentierte der OB, während die Zuhörer auch einen Blick ins Innere des wichtigen Bauwerks werfen konnten. Seit 46 Jahren sorgt das Pumpwerk dafür, dass wir in der Kernstadt keine nassen Füße bekommen, erläuterte Toni Vetrano. Der für die Sanierung zuständige Architekt und Bauleiter des städtischen Gebäudemanagements Marcello del Guidice formulierte noch drastischer: „Wenn das Pumpwerk ausfällt, können wir in der Innenstadt Boot fahren.“ Weswegen sich die Teilnehmenden am Stadtspaziergang folgerichtig sorgten, was geschehe, wenn es einen längeren Stromausfall gebe. Eine gewisse Zeit könne dieser mit Dieselgeneratoren überbrückt werden, beruhigte der Architekt.

Schuttermühlkanalpumpwerk

Das Wasser, das hier ins Hafenbecken geleitet wird, kann man im Stadtgebiet so gut wie nicht sehen, erklärte Toni Vetrano: Es fließt von Sundheim herkommend entlang der Kinzigallee durch den Schuttermühlkanal. Dieser sammelt zusammen mit dem Riedgraben bei Regenfällen das Oberflächenwasser und leitet es in Richtung Rhein. Durch den Bau der Staustufe Gambsheim und die dadurch erhöhten Wasserstände in Rhein und Kinzig kann das Wasser nicht über seinen natürlichen Weg in den Rhein gelangen. Das Schuttermühlkanalpumpwerk ist die Hebeanlage, die dafür sorgt, dass das Wasser den Höhenunterschied von 5,15 Meter überbrücken kann. 3,7 Millionen Kubikmeter Wasser kommen jährlich an den beiden Schneckenpumpen an.

Bei Starkregen tritt der zweite Teil des Pumpwerks in Aktion: Wichtiger Bestandteil ist hier ein Speicherbecken, das sich dann füllt, wenn der Zulaufkanal für die Schnecken überläuft. „Das Wasser wird“, erklärte der OB, „sozusagen zwischengelagert.“ Gäbe es das Becken nicht, bräuchte man noch leistungsfähigere Pumpen. 500.000 Euro hat die Stadt 2020 bereits für die Sanierung der Gebäudehülle des Pumpwerks ausgegeben, damit auch die technischen Anlagen wieder auf den neuen technischen Stand gebracht werden können, werden bis 2024 Investitionen von mehr als zwei Millionen Euro fällig. Allein die im nächsten Jahr anstehende statische Sanierung des Vorlaufbeckens wird rund 900.000 Euro kosten.

Vorstellung des Betriebshofs

Der Abschluss des fünften Stadtspaziergangs von OB Toni Vetrano fand im Betriebshof statt, wo die Teilnehmenden bei Kaffee, Tee, Butterbretzeln und Hefezopf noch weitere Fragen stellen konnten. Der OB, Kehls Erster Beigeordneter Thomas Wuttke und Betriebshofleiter Peter Grün nutzten die Gelegenheit, diese wichtige Einrichtung der Stadt kurz vorzustellen: Der Betriebshof sei für die Grünpflege im gesamten Stadtgebiet zuständig. Damit trügen die Mitarbeitenden entscheidend dazu bei, ob das Stadtbild ansprechend sei oder nicht: „Die schönen Wiesenstreifen, Baumscheiben, Kreisverkehr und Straßenränder mit Wildblumen sowie die Staudenbeete haben ihren Ursprung hier“, sagte Toni Vetrano: „Die Umsetzung erfolgt durch die Beschäftigten.“ Auch das Pflegen und Pflanzen von Bäumen - 2020 waren es 1.000 Stück - gehört zu ihren Aufgaben – ebenso wie Pflege der Friedhöfe, der Sportplätze, der Außenanlagen der Bäder und städtischen Gebäude, die Unterhaltung der Spielplätze, einschließlich kleinerer Reparaturen an Spielgeräten, und die Stadtreinigung mit Kehrmaschinen und von Hand. Hinzukomme noch der Winterdienst. „Ziemlich viel Arbeit für 80 gewerblich Beschäftigte“, konstatierte der OB.

Führen Rhein und/oder Kinzig Hochwasser sind es die Mitarbeitenden des Betriebshof, welche die Hochwasserschutzmaßnahmen umsetzen: Zu Beginn des Stadtspaziergangs hatten sie den Teilnehmenden am Fuße der Passerelle demonstriert, wie die Dammscharten im Hochwasserfall innerhalb von wenigen Minuten geschlossen werden können. Der OB hatte hier erläutert, dass das Hochwasser der Kinzig der Innenstadt, Neumühl oder Kork gefährlicher werden kann als das des Rheins. Deswegen werden, sobald die Referenzpegel – für den Rhein der in Hauenstein an der deutsch-schweizerischen Grenze, für die Kinzig der in Schwaibach – ihren jeweils kritischen Wert erreichen, in Kehl die ersten Maßnahmen eingeleitet. Ausgelöst werden diese in der integrierten Leitstelle in Offenburg, woraufhin sofort die rund um die Uhr besetzte Einsatzzentrale der Kehler Feuerwehr und ihr Kommandant Viktor Liehr informiert werden. Fortan werden Pegelstände und Wettervorhersagen laufend beobachtet und falls nötig Absperrungen vorgenommen. Steigen die Pegel weiter, beginnt die Feuerwehr mit regelmäßigen Dammkontrollen. Die Feuerwehr als koordinierende Dienststelle arbeitet dabei eng mit den fürs Kulturwehr zuständigen Mitarbeitenden des Regierungspräsidiums zusammen.

Autor:

Daniela Santo aus Lahr

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