Ausstellung im Grimmelshausenmuseum
Trachten machen Heimat sichtbar
- Bei der Eröffnung der Ausstellung „Gut beTRACHTet“: Fotograf Sebastian Wehrle (v. l.), Oberbürgermeister Gregor Bühler, Reinhold Frank, Vorsitzender des Landesverbands der Heimat- und Trachtenverbände Baden-Württemberg, Kuratorin Anita Ellinger und Staatssekretärin Sarah Schweizer
- Foto: Denise Burkart/Stadt Oberkirch
- hochgeladen von Matthias Kerber
Oberkirch (st) Mit mehr als 40 kunstvoll gefertigten Originaltrachten aus dem Südwesten und einer eigens für die Heimattage Baden-Württemberg entstandenen Fotografie von Sebastian Wehrle ist am vergangenen Freitag, 10. Juli, die Ausstellung „Gut beTRACHTet“ eröffnet worden. Bis Sonntag, 13. September, zeigt sie im Heimat- und Grimmelshausenmuseum die Schönheit traditioneller Trachten und die lebendige kulturelle Vielfalt des Landes. Ergänzt wird die Ausstellung durch weitere Exponate in mehreren Schaufenstern der Oberkircher Innenstadt.
Die Ausstellung wird jährlich vom Landesverband der Heimat- und Trachtenverbände Baden-Württemberg gemeinsam mit der jeweils ausrichtenden Heimattage-Stadt veranstaltet. Zur offiziellen Eröffnung folgten zahlreiche Mitglieder des Landesverbands, teils selbst in ihren regionalen Trachten gekleidet, der Einladung in das freche hus in Oberkirch.
Reinhold Frank, Vorsitzender des Landesverbands der Heimat- und Trachtenverbände Baden-Württemberg, eröffnete den Abend mit der Frage: „Ist etwas gut, weil es alt ist, oder ist es alt, weil es gut ist?“ Trachten seien für ihn Ausdruck von Heimat und ermöglichten es Menschen, sich in ihrer Herkunft und ihren Traditionen wiederzufinden. Zugleich würdigte er die besondere fotografische Arbeit von Sebastian Wehrle, der Tradition mit einer modernen Perspektive verbinde.
Oberbürgermeister Gregor Bühler zeigte sich erfreut über die große Vielfalt der Ausstellung und dankte Reinhold Frank sowie den beteiligten Verbänden und Vereinen für ihr Engagement und die gute Zusammenarbeit. Trachten erzählten von Landschaften, Sprache, Erinnerungen und gelebten Traditionen. Sie seien kein Relikt vergangener Zeiten, sondern ein lebendiges kulturelles Erbe, das bis heute gepflegt und weiterentwickelt werde.
Heimat wird sichtbar und greifbar
Staatssekretärin Sarah Schweizer stellte in ihrem Grußwort die enge Verbindung zwischen Heimat, Kulturlandschaft und gesellschaftlichem Zusammenleben heraus. „Hier ist Heimat wirklich sichtbar und greifbar“, sagte Schweizer mit Blick auf die zahlreichen Exponate. Heimat präge die Kulturlandschaft und die Art, wie Menschen lebten. Trachten seien zugleich „ein Fest für das Auge“ und Ausdruck von Herkunft, Zugehörigkeit und handwerklicher Tradition.
Schweizer dankte den Mitgliedern der Verbände und Vereine ausdrücklich für ihren Einsatz: „Vielen Dank, dass Sie sich so sehr für die gemeinsame Sache und für die Heimat einsetzen.“ Dabei machte sie deutlich, dass sich Heimat nicht vorgeben lasse. „Heimat lässt sich nicht anordnen. Heimat ist etwas, das aus dem Herzen wächst“, erklärte Schweizer. Die Vielfalt der ausgestellten Trachten zeige, wie unterschiedlich Heimat aussehen könne und wie sie Menschen über regionale und persönliche Grenzen hinweg miteinander verbinde.
Handwerkskunst zum Greifen nah
Kuratiert wurde „Gut beTRACHTet“ von Anita Ellinger, Kulturwartin des Landesverbands der Heimat- und Trachtenverbände Baden-Württemberg. Sie bereitet die Wanderausstellung regelmäßig mit großer Hingabe vor und passt die Präsentation an die individuellen räumlichen Gegebenheiten der jeweiligen Ausstellungsorte an.
In Oberkirch werden mehr als 40 Originaltrachten gezeigt. Dazu gehören unter anderem die Radhaube vom Bodensee, die flügelartige Schlupfkappe aus dem Hanauer Land, der Bollenhut aus dem Kinzigtal und der mit ihm verwandte Rosenhut aus dem Renchtal. Ergänzt werden die Trachten aus Baden-Württemberg durch Stücke deutscher Heimatvertriebener.
Erstmals geben in Oberkirch auch drei Vitrinen darüber hinaus Einblicke in die traditionelle Handwerkskunst, die mit der Herstellung und Ausgestaltung der Kleidungsstücke verbunden ist. „Ich habe eine sehr hohe Wertschätzung für das, was vor vielen Jahren geschaffen wurde und uns heute viel Mühe kostet“, erklärte Ellinger.
Auch außerhalb der Ausstellungsräume sind einzelne Trachten aus dem gesamtem Renchtal zu sehen: Mehrere Geschäfte in der Oberkircher Innenstadt präsentieren sie in ihren Schaufenstern und Räumen. So wird „Gut beTRACHTet“ auch im Stadtbild sichtbar. Beteiligt sind: Sport Sester, Reisebüro Habermehl, Lianes, Street One, Kaufhaus Peters und die Mediathek.
Zu sehen sind dabei überwiegend Festtagstrachten. Historische Arbeitstrachten seien dagegen kaum erhalten geblieben, da ihre Stoffe nach dem täglichen Gebrauch weiterverwendet und schließlich bis zum letzten Rest verwertet worden seien, erläutert Ellinger. Die Ausstellung verdeutlicht damit, wie viel Zeit, Fachwissen und handwerkliches Können in den einzelnen Kleidungsstücken, Kopfbedeckungen und Verzierungen stecken.
Renchtäler Tracht modern interpretiert
Einen zeitgenössischen Blick auf das Thema eröffnet der Fotograf Sebastian Wehrle. Seine außergewöhnlichen Trachtenporträts haben ihn überregional bekannt gemacht. In seinen Arbeiten treffen historische Kleidungsstücke auf Menschen unterschiedlicher Herkunft sowie auf sichtbare Tattoos und Piercings. Damit verbindet Wehrle traditionelle Trachten mit der Gegenwart, ohne deren kulturellen und handwerklichen Wert aus dem Blick zu verlieren.
Im Rahmen der Vernissage wurde erstmals seine eigens für die Heimattage gestaltete Fotografie einer Renchtäler Männertracht präsentiert. Wehrle sprach dabei auch über seine persönliche Verbindung zum Begriff Heimat. „Heimat ist für mich Mundart“, erklärte der Fotograf. Die Sprache seiner Herkunft sei für ihn bis heute ein wichtiger Teil seiner Identität.
Für die musikalische Gestaltung des Abends sorgte Klaus Leopold. Er eröffnete die Veranstaltung mit seinem Stück „Acuarina“ und gestaltete den Abschluss mit einer eigenen Gitarrenfassung des „Badnerlieds“.
Nach dem offiziellen Teil wechselten die Gäste gemeinsam vom freche hus in die Galerie und das Heimat- und Grimmelshausen-Museum. Dort konnten sie die Ausstellung bereits am Eröffnungsabend im Rahmen einer Sonderöffnung besichtigen und mit den Vertretern des Landesverbands über die Exponate und ihre regionalen Besonderheiten ins Gespräch kommen.
Die Ausstellung „Gut beTRACHTet“ ist bis Sonntag, 13. September, im Heimat- und Grimmelshausenmuseum zu sehen. Die regulären Öffnungszeiten sind dienstags und donnerstags von 14 bis 18 Uhr sowie sonntags von 12 bis 17 Uhr.



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