Neues Stück vom "Theater BAAL"
Die Premiere läuft per Videostream

Das Mädchen Ambra - gespielt und gesprochen von Florence Marie Hermann - steht zwischen seinen Eltern: Benjamin Wendel als Vater und Yaroslava Gorobey als Mutter.
  • Das Mädchen Ambra - gespielt und gesprochen von Florence Marie Hermann - steht zwischen seinen Eltern: Benjamin Wendel als Vater und Yaroslava Gorobey als Mutter.
  • Foto: Theater BAAL
  • hochgeladen von Christina Großheim

Offenburg (gro). Im Augenblick geht vor Publikum gar nichts: Das "Theater Eurodistrict BAden ALsace" ist wie alle Kulturbetriebe in der Region geschlossen. Dennoch hat die Truppe um Edzard Schoppmann nicht die Hände in den Schoß gelegt. Am Samstag, 20. März, um 18 Uhr hat das neue Stück "Kind der Sterne - Le Tête dans les Étoiles" Premiere - aber nicht vor Publikum in der Spielstätte im Forum am Rhein in Neuried, sondern per Videostream unter der Adresse http://theater-baden-alsace.com/projekte/kind-der-sterne-urauffuehrung-livestream/. Ab Mittwoch, 10. März, kann unter diesem Link auch der Zugangscode gebucht werden. 

"Die Idee zu dem Stück entstand bereits vor der Corona-Pandemie", erzählt Edzard Schoppmann, der das Stück geschrieben hat. Die Idee, die dahinter steckt: Was träumen Kinder? Wie lösen sie in ihren Träumen Konflikte, in denen sie stecken? Noch kurz vor dem ersten Lockdown starteten Workshops in Deutschland, doch die fanden ein schnelles Ende. "In Frankreich konnten wir wegen Corona gar keine veranstalten", bedauert Schoppmann. Doch für den Autor und Regisseur genügten die Ergebnisse. Es entstand ein Drei-Personen-Stück, das die Zuschauer ab sechs Jahren in die Traumwelt von Ambra entführt. Die Fünfjährige steht kurz vor ihrem sechsten Geburtstag, ihre Eltern leben getrennt. Auch wenn diese höflich miteinander umgehen, spürt das Kind die unterschwelligen Aggressionen. Es wünscht sich, dass sein Vater den sechsten Geburtstag mitfeiern kann, die Mutter sieht dies anders. Das Stück spielt in der Nacht vor dem sechsten Geburtstag.

"Wir haben uns für den Filmmitschnitt extra eine Kameraausrüstung angeschafft", sagt Schoppmann. Dennoch war es für die Schauspieler eine große Umstellung nicht vor Publikum, sondern vor der Kamera zu agieren. "Das Timing ist anders, die Erzählgeschwindigkeit unterscheidet sich von der bei einem Bühnenstück", macht Edzard Schoppman auf die Unterschiede aufmerksam. Florence Marie Herrmann, eigentlich Theaterpädagogin in dem deutsch-französischen Theater und nun als Puppenspielerin mit dabei, stellt fest: "Es hat sich nicht nach Premiere angefühlt. Durch die Wiederholungen beim Drehen war es etwas anderes, als vor Publikum zu spielen. Es ist beim Spielen etwas steril, es fehlt etwas."

Das deutsch-französische Stück vermischt gekonnt die unterschiedlichen Genres: Es bietet Puppenspiel, denn das Kind wird durch eine Puppe dargestellt. Es ist aber auch gleichzeitig Maskentheater und Musiktheater. Die Schauspieler schlüpfen in die unterschiedlichste Kostüme, denn in den Träumen von Ambra verändern Vater und Mutter ihre Gestalt. 

Neben dem Livestream ist das Stück, das im Rahmen des Theaterfestivals "Allez-Hop!" läuft, auch für den Schulunterricht geeignet. "Schulen können einen Termin vereinbaren, an dem das einstündige Stück gezeigt wird. Florence wird mit der Puppe in den Unterricht kommen und mit den Kinder arbeiten", erläutert Schoppmann. Einige Schulen im Elsass haben bereits Termine gebucht. Die Finanzierung wurde mit Mitteln aus dem Innovationsfonds Baden-Württemberg, von der Région Grand Est und der Eisele-Stiftung sichergestellt.

Wann endlich wieder vor Publikum gespielt werden darf, steht noch in den Sternen. Die Truppe hofft auf den Mai. "Als im vergangenen Frühjahr alle Vorstellungen abgesagt werden mussten, war es wie ein Schock", erinnert sich Edzard Schoppmann. Aber eine Pause kam für das Ensemble nicht in Frage. Es wurde ein Kulturbringservice während des Lockdowns eingerichtet. "Im Sommer konnte dann draußen gespielt werden", so Schoppmann. Neue Stücke wurden erarbeitet - stets unter der Einhaltung der Corona-Vorgaben. Das Herbstprogramm war mit Solo- und Duostücken besetzt, bevor der Lockdown erneut alles lahmlegte.

"Seit Januar lassen wir unsere Schauspieler jede Woche testen", beschreibt Edzard Schoppmann, wie man sich Probemöglichkeiten erhält. Seitdem wird ein weiteres neues Stück - "Metamorphosen" frei nach Ovid - einstudiert. "Wenn alles klappt, könnte die Premiere Ende März sein", hofft nicht nur der Regisseur. Ihm ist wichtig zu zeigen, dass die Schauspieler des "Theater Eurodistrict BAden ALsace" weiter arbeiten. "Wir brauchen klare Ziele", stellt Schoppmann fest. "Wir sind eines der wenigen Theater, die voll arbeiten." Für ihn stellt sich die Lage der Kulturschaffenden verheerend da. "Wir sind als bezuschusstes Institution noch in einer komfortablen Situation", macht er deutlich. Denn die Zuschüsse seien nicht gestrichen worden: "Aber die Soloselbstständigen im Kulturbereich wurden völlig allein gelassen. Das ist ein großes Ärgernis, die Kulturpolitik in Deutschland hat nicht verstanden, wie vielfältig Kultur in Deutschland produziert wird."

Autor:

Christina Großheim aus Offenburg

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